Ermordetes Mädchen: Große Beteiligung beim Massen-Gentest im Fall Claudia Ruf

Ermordetes Mädchen : Große Beteiligung beim Massen-Gentest im Fall Claudia Ruf

Die Ermittler sind mit der Mithilfe der Bevölkerung bei der Aufklärung des Kindermordes an der elfjährigen Claudia Ruf sehr zufrieden. Die Teilnahme sei überwältigend. Das Mädchen war vor über 23 Jahren umgebracht worden.

Kurz vor Ende der ersten Phase des Massen-Gentests im Mordfall Claudia Ruf hatten am Sonntag über 90 Prozent der angeschriebenen Männer eine Speichelprobe abgegeben. 920 abgegebene Proben - das sei ein überwältigendes Ergebnis, sagte die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa am Sonntag in Grevenbroich.

Zunächst hatte die Mordkommission 800 Männer zur Abgabe einer Speichelprobe vor Ort in Grevenbroich-Hemmerden gebeten, den Kreis dann aber kurzfristig auf rund 1000 Männer ausgeweitet.

Die damals elfjährige Claudia Ruf war 1996 in ihrem Heimatort Hemmerden entführt und sexuell missbraucht worden. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt auf einem Feldweg in Euskirchen gefunden. Die Suche nach dem Mörder war kürzlich wieder aufgerollt worden, weil Profiler neue Ansätze bei dem Fall entdeckt hatten.

In einer zweiten Phase sollen weitere rund 900 Männer angeschrieben werden, die seit dem Mord vor 23 Jahren von dort weggezogen sind. Mit Ergebnissen sei in zwei bis drei Monaten zu rechnen.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben 5000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt. Über 100 Hinweise aus der Bevölkerung waren in den vergangenen zwei Wochen eingegangen. „Ein heißer Tipp war bislang nicht dabei“, sagte ein Polizeisprecher.

Am vergangenen Wochenende waren bereits 675 Männer dem Aufruf gefolgt. Insgesamt sollen inzwischen 1900 statt wie zunächst geplant 1600 Männer eine Speichelprobe abgeben. Parallel zu den Tests vor Ort hat die Polizei damit begonnen, Polizeidienststellen bundesweit anzuschreiben und um Proben der Männer zu bitten, die nicht mehr in Grevenbroich wohnen.

Es ist bereits der dritte und und bislang größte DNA-Massentest in dem Mordfall. Die Ermittler setzen auch darauf, dass die DNA-Labore seit 2017 auch bei sogenannten Beinahe-Treffern Alarm schlagen dürfen, wenn also ein naher Verwandter des Täters eine Probe abgegeben hat.

Die Männer, die trotz Einladung nicht zu den Terminen in der Grundschule erschienen sind, werden nun gezielt aufgesucht. Einige Männern, die in das Raster passen, seien bereits gestorben, sagte Mordkommissionsleiter Reinhold Jordan. In diesen Fällen würden nun deren Verwandte aufgesucht.

(dpa)
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