Nato Airbase in Geilenkirchen: Google zeigt Militäranlagen jetzt unverpixelt

Nato Airbase in Geilenkirchen : Google zeigt Militäranlagen jetzt unverpixelt

In Belgien will die Regierung Google dafür verklagen, was der Konzern nun auch in Deutschland macht: Militärische Einrichtungen vollständig in seinem Kartendienst abbilden.

Jahrelang zeigte Google Maps Luftbilder vom Nato-Flugplatz Geilenkirchen nahe der deutsch-niederländischen Grenze verpixelt. Ein größerer Teil im Westen und Nordwesten der NATO-Liegenschaft wurde nur verwischt angezeigt.

Jüngst berichteten das „Handelsblatt“ und die belgische Tageszeitung „Sudinfo“, dass die belgische Regierung erwägt, Google zu verklagen, weil in Google Maps Einrichtungen des belgischen Militärs gegen den Willen des Verteidigungsministeriums unverpixelt zeigt. Auch bei der Nato Airbase Geilenkirchen ist nun alles, was vorher verpixelt war, unzensiert zu sehen, darunter unter anderem Gebäude, die aussehen wie Hangars, eines davon in Tarnfarben.

Von Google war auf Anfrage nicht mehr zu den Hintergründen zu erfahren. Einige der Google gestellten Fragen lauteten: Wonach richtete sich, welcher Teil gepixelt ist und welcher nicht? Gibt es eine neue Policy bei Google, die beinhaltet hat, dass militärische Einrichtungen in Belgien und Deutschland nun vollständig in Google Maps abgebildet werden?

Zumindest in Frankreich werden militärische Einrichtungen, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf einen Bericht einer belgischen Nachrichtenagentur berichtet, verpixelt in Google Maps gezeigt.

Nach dem Strafgesetzbuch wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft, wer eine Abbildung von einer militärischen Einrichtung anfertigt an einen anderen gelangen lässt „und dadurch wissentlich die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder die Schlagkraft der Truppe gefährdet“. Schwer vorstellbar, dass ein juristisch gut beratener Konzern wie Google ohne Not ein solches strafrechtliches Risiko eingeht.

Kontakt zwischen Nato und Google?

Auch deshalb stellt sich nicht nur die Frage, ob in Google Maps jetzt sicherheitsrelevante Bereiche der Nato Airbase gezeigt werden, ob es vor der Veröffentlichung der neuen Bilder entsprechende Kontakte zwischen Google und der Nato gab und ob Google möglicherweise sogar über eine Erlaubnis verfügt, die Bilder zu zeigen.

„Die Verpixelung am Westkopf der Runway ist nicht durch uns verursacht und völlig überflüssig“, erklärt auf Anfrage Oberst Johannes Maria Glowka von der Nato in Geilenkirchen. „Die gesamte Airbase ‎ist für Besucher zu besichtigen, auch der westliche Teil.“ Ob man als Besucher auch in die nun von oben zu sehenden Gebäude gelangt, teilte der Sprecher nicht mit. Die Airbase werde genutzt für Boeing-Tankflugzeuge der für den Luftraum zuständigen Nationalgarde der USA, die eine wichtige Rolle bei der Luftbetankung von Kampfflugzeugen spielen, sowie als Basis für AWACS-Flugzeuge. Eine weitere Nutzung stehe „nicht zur Diskussion“, erklärt der Nato-Sprecher.

Auch ein Teil eines Gebäudes auf dem von der Bundeswehr genutzten Flugplatz Ingolstadt-Manching war laut „Welt“ 2014 verpixelt und ist jetzt vollständig bei Google zu sehen.

Betroffen von den Änderungen in Google Maps sind auch die benachbarten Niederlande: Eine militärische Einrichtung in Ede bei Arnheim in den Niederlanden ist nun ebenfalls unverpixelt zu sehen. Ebenso der Königliche Palast in Amsterdam und eine Stelle in Noordwijk, Holland.

Ein Mitarbeiter des offiziellen Touristenbüros von Noordwijk vermutet auf Anfrage zunächst, dass ein militärischer Sendemast in den nördlichen Dünen Noordwijks der Grund für die Unkenntlichmachung sei. Dann erklärt er, dass sich an der Stelle, die verpixelt war, ein Reitstall der königlichen Familie befunden hätte, die in den Dünen von Noordwijk mit Pferden reiten gegangen sei. Es sei bekannt, dass Königin Juliana gekommen sei, um mit ihrem Pferd in Noordwijk einen Ausritt zu unternehmen. König Willem Alexander habe zumindest in der Vergangenheit ein Pferd in dem Reitstall gehabt. Der Reitstall sei abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden.

Willem Alexander wohne jetzt in Wassenaar bei Den Haag und arbeite auch in Den Haag. Dort hat die königliche Familie aktuell einen Reitstall.

Die weitere Recherche ergibt jedoch, dass der frühere Standort des Reitstalls und die verpixelte Stelle nicht zusammenpassen. Die „Welt“ schrieb 2014, dass die königliche Familie an der verpixelten Stelle, an der es unter anderem eine nach der früheren niederländischen Königin Beatrix benannte Straße gibt, ein Haus besitzen soll.

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