Giftschlange in Herne und die Suche in den Wohnhäusern

Vier Wohnhäuser bleiben gesperrt : Die entwischte Kobra ist „wahrscheinlich“ noch im Haus

Die Giftschlange von Herne bleibt verschwunden. Sie halte sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ weiterhin in dem Mehrfamilienhaus auf, in dem sie am Sonntag im Treppenhaus gesichtet wurde.

Davon geht die Stadt Herne aus und beruft sich auf eine Einschätzung von Reptilienexperten. Der Gebäudekomplex bleibt aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die 30 Bewohner können bis auf weiteres nicht in ihre Wohnungen zurück. Eine Fachfirma soll der Stadt jetzt helfen, die Schlange zu finden. Parallel sorgt der Fall in Herne für politische Diskussionen.

„Unsere Hoffnung, dass sich unter den gestern sichergestellten Tieren die am Sonntag gesichtete Schlange befindet, hat sich zerschlagen“, sagte Ordnungsdezernent Johannes Chudziak am Dienstag in Herne. „Wir gehen daher davon aus, dass nach wie vor eine Schlange unterwegs ist.“ Wie genau die Experten zu ihrer Einschätzung gelangten, wurde nicht bekannt. Sie hatten allerdings unter anderem Mehl ausgestreut, in denen die Schlange Spuren hinterlassen sollte.

Die verschwundene Kobra sorgt unterdessen auch in der Politik für eine neue Debatte über die Haltung gefährlicher Haustiere. Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: „Ich persönlich bin gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern.“ Ihr Ministerium prüfe gerade „die bestehenden rechtlichen Vorgaben und potenziell weitergehende Regelungen, eventuell auch eine Bundesratsinitiative.“

Hernes Ordnungsdezernent rief die Bevölkerung im Umfeld des Wohnhauses zu besonderer Aufmerksamkeit und Vorsicht auf: „Bleiben Sie möglichst auf befestigten Wegen und vermeiden Sie es, durch hohes Gras oder dichten Bewuchs zu gehen.“ Lärm und Erschütterungen sollen abschreckend auf die Schlange wirken. Wer die Schlange sehe, solle sich fernhalten und den Notruf wählen.

Im Treppenhaus entdeckt

Die Schlange, eine hochgiftige Monokelkobra mit einer geschätzten Länge von mindestens 1,40 Metern, war am Sonntag im Treppenhaus von einer Bewohnerin entdeckt worden. Die Stadt vermutet, dass die Kobra aus der Wohnung eines Mieters stammt, in der dieser rund 20 Giftschlangen hielt. Dem jungen Mann wurde die Haltung der Schlangen mittlerweile untersagt. Am Montag wurden alle Tiere aus der Wohnung geholt. Der Mann hatte laut Stadt Herne bestritten, dass die Kobra aus seinen Beständen stamme.

Das Mehrfamilienhaus ist mit drei weiteren Häusern verbunden. Aus Sicherheitsgründen hatten am Sonntag bis auf weiteres alle 30 Mieter ihre Wohnungen verlassen müssen. Sie kamen bei Bekannten, Verwandten und in einer Notunterkunft unter. Am Montag durften einige Mieter unter Begleitung von Mitarbeitern des Ordnungsamtes kurz in ihre Wohnungen, um Gegenstände oder Kleidung zu holen.

Eine Fachfirma soll es richten

Bei der weiteren Suche nach der Schlange setzt die Stadt jetzt auf eine Fachfirma. Sie sei auf solche Lagen spezialisiert und in ähnlichen Fällen bereits tätig gewesen, sagte Dezernent Chudziak. „Die Firma wird morgen vor Ort sein, um sich einen Überblick zu verschaffen und mit uns das weitere Vorgehen zu besprechen.“

Am Montag hatten die Behörden nicht ausgeschlossen, dass die Schlange zwischenzeitlich wieder in ihr Terrarium zurückgekehrt sein könnte. Im Keller war eine Schlangenhaut gefunden worden. Reptilienexperten wollten überprüfen, ob die Haut und ein Foto der im Hausflur fotografierten Schlange zu einer der in der Wohnung sichergestellten Schlangen passen. Dies war offenbar nicht der Fall.

In der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ berichtete eine 17-Jährige, dass sie diejenige gewesen sei, die die Schlange im Flur entdeckt habe. Sie sei am Sonntagmittag auf dem Weg zum Briefkasten gewesen, als sie die Schlange entdeckt habe, erzählte sie der WAZ. „Sie hat gezischt und mit dem Schwanz gewackelt“, sagte sie der Zeitung. In Panik sei sie zurück in die Wohnung. Ihr Freund habe ein Foto von der Schlange gemacht. Danach hätten sie ihre Wohnung verschlossen, von innen eine Jacke vor die Tür gelegt und dann den Notruf gewählt.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten