Berlin/Aachen: Gesundheitsminister mahnt zur Masern-Impfung

Berlin/Aachen: Gesundheitsminister mahnt zur Masern-Impfung

Angesichts der dramatisch hohen Zahl von Masern­erkrankungen in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine mögliche Impf-Pflicht für Kinder ins Gespräch gebracht. „Es ist verantwortungslos, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen“, sagte Bahr der „Bild“-Zeitung.

Im ersten Halbjahr 2013 gab es bundesweit bereits mehr als 900 Masernfälle — 2012 waren es insgesamt nur 166 Erkrankungen. Vor allem die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Berlin sind derzeit betroffen.

In der Region sind die Gesundheitsämter zwar wachsam, aber weder in der Städteregion Aachen, noch im Kreis Heinsberg oder Düren sind bislang besorgniserregende Fallzahlen registriert worden, wie am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung mitgeteilt wurde. In Heinsberg sei ein Fall von Masern bekannt, zwei weitere Personen stünden unter Beobachtung. Im Kreis Düren wurde ebenfalls ein Fall amtlich, zwei weitere würden sich in den nächsten Tagen wohl noch bestätigen, hieß es.

Kein Grund zur Panik. Und doch betonte Verena Bochat, Leiterin der Arbeitsgruppe „Infektionsschutz“ des Gesundheitsamtes der Städteregion Aachen, nochmal die Bedeutung der Impfung: „Das ist lebensnotwendig“, sagte sie. Von einer Impfpflicht hält sie allerdings nichts. „Das war zu DDR-Zeiten vielleicht möglich.“ Heute ließe das Grundgesetz derartige Verordnungen gar nicht mehr zu. „Wir setzen lieber auf Aufklärung und Überzeugung“, so Bochat.

In Stadt und Altkreis Aachen beträgt die sogenannte Durchimpfquote bei der ersten Masernimpfung 97 Prozent und bei der zweiten, komplettierenden immerhin noch 93 Prozent. Im Kreis Heinsberg liegt man nach eigenen Angaben ebenfalls „jenseits der 90 Prozent“. „Das sind im Vergleich sehr gute Zahlen“, sagte Bochat. Dennoch könne man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat als Ziel eine 95-prozentige Durchimpfquote mit beiden Impfungen ausgegeben. Wenn das erreicht wird, kann von einer Ausrottung der Masern ausgegangen werden. Neue Fälle sind dann nicht mehr zu erwarten. Gesundheitsminister Bahr verwies darauf, dass die Masern in Skandinavien und in den USA de facto ausgerottet seien, „aber bei uns ist die Impfrate nicht hoch genug“. „Bleibt das so, wird die Diskussion über eine Impf-Pflicht kommen“, betonte er.

Erst vor drei Wochen war im lippischen Lage ein 14-Jähriger an den Spätfolgen von Masern gestorben. Der Junge aus Bad Salzuflen war mit fünf Monaten im Wartezimmer eines Kinderarztes infiziert worden. Vor neun Jahren erkrankte der Junge an einer chronischen Maserngehirnentzündung. Diese kann als Spätfolge einer Masern-Erkrankung auftreten und ist unheilbar. Ein zweites damals infiziertes Kind war 2011 gestorben. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rief Eltern auf, ihre Kinder impfen zu lassen.

(cv)