Bonn: Geschlagener jüdischer Professor wirft Bonner Polizei „Lügen” vor

Bonn : Geschlagener jüdischer Professor wirft Bonner Polizei „Lügen” vor

Der israelische Professor, der in Bonn von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln angegriffen und dann von der Polizei geschlagen worden war, hat schwere Vorwürfe gegen die Beamten erhoben. In einem Brief an die Deutsche Presse-Agentur und andere Medien beschuldigte Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore die Polizei, „Lügen” über den Vorfall zu verbreiten.

Melamed war von der Polizei zunächst irrtümlich für den Angreifer gehalten, überwältigt und geschlagen worden. Dies hat die Polizei auch zugegeben und sich entschuldigt. Nach ihrer Darstellung gaben die beteiligten Beamten an, Melamed sei auf ihre Zurufe hin nicht stehen geblieben und habe sich dann gewehrt. Das Polizeipräsidium Köln untersucht den Vorfall.

Der 50-jährige Philosophie-Professor bestreitet das: „Ich war nicht zu 100, sondern zu 500 Prozent passiv”, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Polizisten seien sofort auf ihn losgegangen, er habe kaum noch atmen, geschweige denn Widerstand leisten können. Er habe nur gerufen, dass er der Falsche sei. Die Beamten hätten ihm die Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und ihn dutzende Male ins Gesicht geschlagen, sodass er blutete.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er: „Dann fingen sie an, mir ins Gesicht zu schlagen. Ungefähr 50, 60, 70 Mal - völlig verrückt! Ich war geschockt. Das ist ein abscheuliches Polizeiverhalten, wie man es sonst nur in einem Entwicklungsland findet.”

Später habe ihn einer der Polizisten belehrt: „Dont get in trouble with the german police!” („Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an”). Er habe geantwortet, dass er keine Angst mehr vor der deutschen Polizei habe. Diese habe 1942 seinen Großvater, seine Großmutter, seinen Onkel und seine Tante ermordet habe.

Auf der Wache hätten die Polizisten eineinhalb Stunden lang versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Am Ende hätten sie ihm deutlich gemacht, sollte er sich über sie beschweren, wären sie gezwungen, ihn zu beschuldigen, sich widersetzt zu haben.

Über den antisemitischen Angriff berichtete der Hochschullehrer, der Angreifer habe ihn mit den Worten „Bist du Jude?” angesprochen und hinzugefügt, dass er Palästinenser sei. Er habe daraufhin seine Sympathie für die Palästinenser bekundet. Der Mann habe ihn dann auf Englisch angeschrien, beleidigt und geschubst. Er habe ihm dreimal die Kippa vom Kopf geschlagen und gerufen, in Deutschland sei es nicht erlaubt, sie zu tragen. Bis zum Eintreffen der Polizei seien mindestens 20 Minuten vergangen.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Melamed: „Ganz sicher habt ihr ein Problem mit dem Antisemitismus, aber ihr habt auch ein Problem mit brutaler Polizeigewalt.”

(dpa)
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