Grausamer Mord an Christian L.: Gericht hebt zwei Urteile zum Eschweiler Rachemord auf

Grausamer Mord an Christian L. : Gericht hebt zwei Urteile zum Eschweiler Rachemord auf

Der grausame Mord an Christian L. im August 2015 in Eschweiler wird ein weiteres juristisches Nachspiel haben. Zwar waren im Mai 2016 drei Menschen am Landgericht Aachen wegen gemeinschaftlichen Mordes am damals 29 Jahre alten L. verurteilt worden, ein weiterer wegen Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) hat zwei der vier Verurteilungen wieder aufgehoben.

Das Verfahren gegen zwei der drei als Mörder Verurteilten muss erneut geführt werden, und zwar erneut am Aachener Landgericht. Am Abend des 14. August 2015 hatten die Eheleute Karl-Heinz und Nadine H. aus Eschweiler mit Hilfe von Sven L. aus Würselen und Marlene M. aus Stolberg ihr späteres Opfer in die Nähe eines Angelweihers in Eschweiler gelockt, um Rache an ihm zu nehmen.

Die Eheleute waren offenbar davon ausgegangen, dass der geistig zurückgebliebene Christian L. über Facebook versucht hatte, die damals zwölf Jahre alte Tochter des Ehepaares H. dazu gedrängt zu haben, Nacktfotos zu machen und ihm zu schicken. Ein Vorwurf, der durch nichts belegt war und von der Aachener Staatsanwaltschaft auch nicht erhärtet werden konnte.

Der mehr als drei Monate dauernde Prozess im Frühjahr 2016 ergab, dass sich das Ehepaar H., Sven L. und Marlene M. damals verabredeten, Christian L. in eine Falle zu locken und die persönliche Konfrontation zu suchen. Der Waffensammler Sven L. hatte verschiedene Messer, einen Würgedraht und einen Schlagring mit zum Tatort gebracht, mit einem der Messer hatte Karl-Heinz H. auf Christian L. eingestochen, der in kurzer Zeit verblutete. Nadine H. und Sven L. warteten in der Nähe des Tatortes, hörten, wie Karl-Heinz H. das Opfer anschrie.

Dass sie aber wussten oder davon ausgingen, Karl-Heinz H. würde Christian L. tatsächlich ermorden, ließ sich durch nichts erhärten. Dennoch wurden sie wie Karl-Heinz H. wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, und genau hier setzt der BGH an. „Die Beweiswürdigung“ der Aachener Richter halte „in mehrfacher Hinsicht rechtlicher Prüfung nicht stand“, heißt es im Beschluss des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshofs.

Dass unsere Zeitung in der Berichterstattung darauf hingewiesen hatte, der Prozess habe keinerlei Beweise für eine Verabredung zum Mord ergeben, hatte der damalige Vorsitzende der Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts, der mittlerweile pensionierte Richter Arno Bormann, in der mündlichen Urteilsbegründung kritisiert. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Zwar räumte er ein, keine Beweise für die Verabredung zum Mord zu haben, jedoch stütze er sich auf Indizien „und allgemeine Lebenserfahrung“.

Die BGH-Richter werfen den Aachener Richtern nun eine „lückenhafte Beweisführung“, „nicht tragfähige (...) Annahmen“ und „rechtsfehlerhafte Erwägungen“ vor. Die Konsequenz ist, dass die zweite Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke den Prozess gegen Sven L. und Nadine H. neu aufrollen muss. Ein Termin sei bislang noch nicht festgesetzt worden, erklärte das Aachener Landgericht am Montag.

Mehr von Aachener Nachrichten