Aachen: „Geometry Lab“: 3D-Festival im Aachener Ludwig Forum

Aachen : „Geometry Lab“: 3D-Festival im Aachener Ludwig Forum

Ja, die berühmte „Supermarket Lady“ von Pop-Art-Künstler Duane Hanson darf hier mitspielen, allerdings erstrahlt sie in kräftigem Magenta und ist aus Kunststoff. Nein, der Einkaufswagen kommt nicht aus dem eigens für die Frau im engen Rock mit Lockenwicklern im Haar gebauten 3D-Drucker.

„Das Gitterwerk ist extrem kompliziert, da hätten wir noch viel mehr Zeit gebraucht“, meint Professor Leif Kobbelt, Inhaber des Lehrstuhls für Computergrafik, Multimedia und Computer Vision (Visual Computing Insitute) an der RWTH Aachen.

Professor Leif Kobbelt mit einer ausgedruckten Hand der Supermarket Lady.

Mit dem „Geometry Lab“, einem 3D-Festival im Aachener Ludwig Forum für internationale Kunst, geht das „Future Lab Aachen“ ab Freitag bis zum Sonntag, 5. November, in eine neue Runde. Mit seinem Team hat Kobbelt im Rahmen der Veranstaltungsreihe bereits einigen Impressionen durch „Video Pixel Mapping“ umgesetzt, etwa beim Blick auf die Rathausfassade, ins Theater und auf den Dom.

„Geometrie gehört zu unserem Leben, umgibt uns überall“, sagt der Wissenschaftler, der schon mit Kindern den Satz des Pythagoras erkundet. Auch sonst setzt Kobbelt darauf, die Faszination von Wissenschaft einerseits spielerisch zu dokumentieren, andererseits zu zeigen, wie entscheidend komplexe Computerprogramme (Algorithmen) zur Verbesserung von Anwendungen in der Industrie sind.

Der Eintritt ist frei

Mit „Geometry Lab“ schlägt man einen großen Bogen vom Goldenen Schnitt und der Zentralperspektive in der Malerei bis zu Herausforderungen der Zukunft.

Geometrie zum Anfassen und Mitmachen gibt es an den drei Festivaltagen bei freiem Eintritt im Zentrum des Museums. „Kunst und Geometrie kann man gar nicht getrennt sehen“, betont Museumsleiter Andreas Beitin, der die Festival-Idee hatte. „Wenn wir an die Renaissance denken, müssen wir schon überlegen, ob wir Leonardo da Vinci als Ingenieur, Techniker oder Künstler bezeichnen“, nennt er eines der prominentesten Beispiele.

Beim 3D-Festival können sich die Besucher nicht nur von einer Computer-animierten Erklärung zum Thema Perspektive unterhalten lassen, sie können selbst ausprobieren, was es bedeutet, den „Fluchtpunkt“ zu verlegen. Star zum Thema 3D-Drucken ist die pinkfarbene Lady. Einen passenden Einkaufswagen in der richtigen Höhe von 91,5 Zentimetern hat Museums-Volontärin Ramona Heinlein mit Unterstützung der Hausmeister in einem Lagerraum gefunden.

In Workshops wird zum Mitmachen eingeladen: Es gibt geometrisches „Paper Folding“ mit dem Künstler Rinus Roelofs, die Einführung in den Umgang mit geometrischem Spielzeug, speziell den Elementen von „Zometool“. Aus 1000 Bauteilen wird gemeinsam ein großes Objekt gebaut. Höhepunkt wird der „3D-Printer to go“ sein: Laien bauen unter Anleitung von Mitgliedern des Kobbelt-Teams ihren eigenen funktionsfähigen Drucker (pro Bausatz 199 Euro), den sie mit nach Hause nehmen können.

Schließlich gibt es noch eine griechisch anmutende „Badende“, bei der man Schritt für Schritt das Entstehen der 3D-Kopie verfolgen wird und durch allerlei Effekte die Wirkung von Licht auf der weißen Hautoberfläche erlebt.

„Geometrie gibt es seit 2500 Jahren, und es wird noch immer geforscht”, sagt Kobbelt, der den Besucher im Ludwig Forum vor Augen führen will, was es für optische Täuschungen gibt und wie perfekt sie in die Umwelt — etwa bei der Werbung — integriert werden. Sein Ziel: der Aha-Effekt, der Blick hinter die Dinge und in die Trickkisten der Wissenschaftler und Künstler, etwa im großformatigen Bild des Aachener Künstlers Tim Berresheim, das ein dreidimensionales Eigenleben entwickelt. „Unser Ziel ist es, klassische Geometrie mit dem Blick in die Zukunft zu verbinden“, betont Kobbelt.

Für Beitin ist das „Geometry Lab“ mehr als Hochschulforschung im Museum: „Aachen hat eine der 100 besten Universitäten auf der Welt. Das sollte man viel häufiger demonstrieren.“ „Keine Kunst ohne Wissenschaft, aber auch keine Wissenschaft ohne Kunst“, lautet seine Devise.

Für das Ludwig Forum hat das „Geometry Lab“ einen praktischen Effekt: Ist die „Supermarket Lady“ auf Reisen, wird in Zukunft das Double aus dem Drucker eingesetzt.

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