Kreis Düren/Jülich: Gefährliche Bakterien: Warnung vor Legionellen in der Rur

Kreis Düren/Jülich : Gefährliche Bakterien: Warnung vor Legionellen in der Rur

Seit Monaten werden auf der Kläranlage Düren immer wieder erhöhte Legionellen-Konzentrationen gemessen. Fakt ist: Die Kläranlage selbst scheidet als Verursacher aus, das haben frühere Untersuchungen ergeben.

Die Legionellen stammen von einem der vielen Tausend Einleiter aus dem Zulauf der Kläranlage. Und weil das Wasser im Kanal aufgrund der vielen industriellen Einleiter sehr warm ist, finden die Legionellen dort ideale Bedingungen.

Trotz regelmäßiger Messungen im Einzugsgebiet der Kläranlage Düren ist der Verursacher auch nach neun Monaten noch nicht gefunden. „Wir haben ein Verdachtsmoment, können zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht mehr sagen“, erklärt Marcus Seiler, Sprecher des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) auf Nachfrage.

Noch können die Legionellen auf der Kläranlage Düren nicht abgetötet werden. Der Bau einer großtechnischen UV-Behandlungsanlage zur Desinfektion des Abwassers werde trotz eines beschleunigten Verfahrens bei Planung und Bau noch ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, teilt der WVER mit. Derzeit geht der Verband davon aus, die technisch anspruchsvolle Anlage im Spätsommer oder Herbst in Betrieb nehmen zu können. Sie wird mit 1700 Litern pro Sekunde auf die maximale Kapazität der Kläranlage Düren ausgelegt sein. Ihre positiven Effekte erreicht die UV-Anlage erst nach einer vorherigen konventionellen Abwasserreinigung, wenn alle hinderlichen Schwebstoffe herausgefiltert worden sind. Nur dann sei eine ausreichende Durchleuchtung des Abwasserstroms mit UV-Licht zur Abtötung der Bakterien gesichert.

Bis die Anlage in Betrieb geht, kann nicht ausgeschlossen werden, dass stromabwärts, unterhalb der Einleitung der Kläranlage Düren, erhöhte Legionellenwerte auftauchen. Das haben Messungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ergeben. Zeitweise wurden Belastungen in der Rur und im Jülicher Mühlenteich bis in die Herzogstadt nachgewiesen. Ob auch im weiteren Verlauf der Rur noch erhöhte Werte vorhanden sind, werde aktuell untersucht, teilt der Verband weiter mit.

Von mit Legionellen belastetem Wasser geht zunächst keine Gefährdung aus. Wassersportler oder Angler brauchen die Rur also nicht zu meiden. „Wird das Wasser aber mit Druck versprüht, können feine Tröpfchen entstehen, die bei tiefer Einatmung, insbesondere bei alten und vorerkrankten Menschen, zu einer Lungenentzündung führen können“, erklärt Seiler.

Bis der Verursacher der Legionellenbelastung endgültig identifiziert ist, beziehungsweise die UV-Desinfektion in Betrieb geht, raten der WVER und das Gesundheitsamt des Kreises Düren daher davon aus, unterhalb der Kläranlage Merken Wasser aus der Rur und aus dem Mühlenteich zu versprühen.

„Insbesondere mit Blick auf das schöne Wetter und die jetzt beginnende Gartensaison, betrifft das die Verwendung des Flusswassers zum Beispiel für Hochdruckreiniger oder zum Rasensprengen mit Sprühdüsen“, erklärt Marcus Seiler. „Um auch unbeabsichtigtes Versprühen zu vermieden, sollte das Wasser nicht unter Druck gesetzt werden.“ Absolut unbedenklich hingegen sei es, Flusswasser mit Eimern oder Gießkannen zu nutzen, betont der WVER.

(ja)
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