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„Grabesstimmung“: Gastronomie vor düsterer Zukunft

„Grabesstimmung“ : Gastronomie vor düsterer Zukunft

Wer am Montag lecker Essen gehen will, der steht vor verschlossenen Türen: Die Gastronomie ist geschlossen wegen der Corona-Pandemie. Und wie war der Kundenandrang in den Lokalen am Wochenende davor?

Viele Menschen sind am Wochenende in Nordrhein-Westfalen noch einmal in einem Restaurant oder einem Café eingekehrt, bevor die Lokale ab Montag wegen der Corona-Regeln geschlossen bleiben. „Es war zum Abschied ein gutes Wochenende für viele Restaurants, Cafés und andere Gaststätten“, sagte Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW am Sonntag in Neuss. „Die Reservierungsbücher waren häufig voll, das Wetter hat mitgespielt.“ Das Geschäft sei aber getrübt gewesen von einer „Abschiedsstimmung“ und der Ungewissheit, ob und wann es nach November weitergehen wird.

Wegen steigender Coronavirus-Infektionen sind die staatlichen Pandemiemaßnahmen verschärft worden, ab Montag muss die Gastronomie mit Ausnahme von Kantinen geschlossen bleiben. In Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende schlafen und keine Touristen. In der Branche stieß der zweite Lockdown seit dem Frühjahr auf Unverständnis - die Gastronomen und Hoteliers verweisen darauf, dass sie viel investiert haben in Hygienekonzepte samt Plexiglasscheiben und Desinfektionsspendern.

„Unsere Läden waren voll am Wochenende“, sagt Christian Bickelbacher, Geschäftsführer der Gastronomiegruppe BJW und Vorstand der Standortgemeinschaft Bermuda3Eck Bochum. Das Bermuda3Eck ist eine Ausgehmeile in der Ruhrgebietsstadt. Einige Stammgäste seien aus Vorsicht zwar nicht gekommen, andere treue Kunden hätten hingegen noch einmal die Möglichkeit zum Ausgehen genutzt. „Niemand weiß, wann die Lokale wieder offen sein werden.“ Wirklich ausgelassen sei es nicht hergegangen. „In einem Restaurant war die Stimmung besonders gedämpft, man könnte sogar von einer Grabesstimmung reden – als ob die Anwesenden befürchteten, dass eine ganze Branche zu Grabe getragen wird.“

Bickelbachers BJW-Gruppe betreibt ein Hotel, drei Restaurants und drei Bars in Bochum, Oberhausen und Bielefeld. Seine rund 100 Festangestellten schickt er nun in Kurzarbeit, die acht Azubis kümmern sich um das Bochumer Hotel und die dortigen Geschäftsreisenden. Der Gastronom hält es für „illusorisch“, dass die Politik die Lokale schon im Dezember wieder aufmacht. „Es ist nun mal Winter, die Infektionswerte werden nicht so deutlich sinken wie beim ersten Lockdown im Frühjahr.“ Dass er seine Standorte nun dichtmachen muss trotz umfangreicher Hygieneinvestitionen, findet er ungerecht.

Der Dehoga NRW appelliert an die Politik, der Branche Perspektiven aufzuzeigen. „Das Gastgewerbe kann nicht mehr tun als in der Vergangenheit“, sagte Verbandssprecher Hellwig. Die Politik müsse dafür sorgen, dass nach der bisher für Dezember geplanten Wiedereröffnung das Infektionsgeschehen nicht wieder so rasant zunehme „und wir durch erneute Schließungen wieder die Leidtragenden sind“, so Hellwig. Zu Infektionen komme es vor allem im privaten Bereich und eben nicht in der Gastronomie, die strenge Hygienestandards habe.

Am letzten Wochenende vor der Gastroschließung wurde Halloween gefeiert. Dies hatte in der Politik zu Sorgen geführt, dass viele Menschen über die Stränge schlagen könnten und es zu zahlreichen Neuinfektionen kommen könnte. Doch nach Polizeiberichten aus den verschiedenen Landesteilen war es ein insgesamt eher ruhiger Gruseltag, mancherorts gab es Ärger über Eierwürfe gegen Häuserwände und anderen Unfug. Viele Kinder hatten wohl tatsächlich darauf verzichtet, von Tür zu Tür zu ziehen und um Süßigkeiten zu bitten.

Nicht überall verlief das Wochenende glimpflich. So löste die Polizei in Pulheim bei Köln in der Nacht zu Sonntag eine Hochzeit aus, auf der rund 100 Leute feierten – es hätten nur maximal 50 sein dürfen. Im benachbarten Frechen lösten Einsatzkräfte eine illegale Rave-Party auf. Laut der Polizei hatten dort in einer Bahnunterführung im Waldgebiet 40 Menschen zusammen gefeiert.

(dpa)