Hein Gottfried Fischer: Für diesen Rentner ist die Bürgermeister-Kandidatur ein Hobby

Hein Gottfried Fischer : Für diesen Rentner ist die Bürgermeister-Kandidatur ein Hobby

Nun also Frankfurt. Hein Gottfried Fischer ist erstmals Kandidat für einen Oberbürgermeisterposten. Bislang hat es den 74-jährigen eher in kleinere Kommunen gezogen. Wann immer ein Bürgermeister gesucht wurde, Fischer stand regelmäßig auf dem Zettel. Jetzt zieht es ihn in die Metropole am Main.

Der Diplom-Sozialpädagoge aus Gangelt-Birgden hat seine Zulassung seit ein paar Tagen schriftlich. Er ist bislang der neunte und wohl auch der aussichtsloseste Aspirant für den Chefsessel im Römer.

„Man muss sich auf das Positive konzentrieren“, sagt Hein Gottfried Fischer trotz vieler Misserfolge. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Noch ist die Bewerbungsliste für die Wahl am 25. Februar 2017 nicht geschlossen. Die Frankfurter Rundschau kündigte den mehr als 500.000 Wahlberechtigten schon einmal einen „Lachtherapeuten als neuen OB-Bewerber“ an. Den Titel hat Fischer selbst geführt, ebenso war er Bofrost-Fahrer, Zollbeamter, oder Seminarleiter für Entspannungspädagogik und Yoga-Lehrer. Er selbst findet, dass er bei jeder Aufgabe Qualifikationen gelernt hat, die er bei seiner angestrebten neuen Aufgabe verwenden kann. Die Kandidatur in Frankfurt bezeichnet er selbst als seinen „Karrierehöhepunkt“.

Optimist trotz Misserfolgen

Man kann sagen, dass Hein Gottfried Fischer Bewerbungen für das Amt zum Verwaltungschef zu seinem Hobby gemacht hat. So wie sich andere Menschen auf einen jährlichen Marathonlauf in immer einer anderen Stadt vorbereiten, kandidiert Fischer einmal im Jahr in immer einer anderen Stadt. Der Rentner hat bereits Kandidaturen in Gangelt (2014/14,1 Prozent), Selfkant (2015/2,58 Prozent) und Halstenbek (2016/Schleswig-Holstein/1,9 Prozent) hinter sich. In März dieses Jahres versuchte er sich in Dieburg im Landkreis Darmstadt-Diebur (0,5 Prozent/16 Stimmen). Misserfolge pflastern den Weg des parteilosen Kandidaten, aber Fischer ficht das nicht an. „Man muss sich immer auf das Positive konzentrieren und negative Erlebnisse ausblenden.“

Es gibt nicht wenige, die seinen kommunalpolitischen Ehrgeiz mindestens skurril finden. Wenn am Jahresende der Deutsche Städte- und Gemeindetag einen „Kauz des Jahres“ suchen würde, hätte er wohl gute Chancen. Als die Frankfurter Rundschau ihn vor ein paar Tagen vorstellte, hagelte es hämische Kommentare. Fischer kennt solche Vorbehalte, sie begleiten ihn seit Jahren - und prallen an ihm ab. Er weiß, dass seine Kandidaturen ihn oft als freakig erscheinen lassen. Auch seine beiden Töchter waren nicht immer begeistert, räumt er ein.

Für ihn aber ist die ständige Bewerbung eine Art „geistiges Fitness-Training“. Er wirkt auch nicht wie ein Eulenspiegel, der der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und demonstrieren will, was für Möglichkeiten das Wahlrecht bietet. „Meine Botschaft ist mehr Gerechtigkeit und Toleranz.“

Vielleicht ist Heinrich Aretz „Schuld“ an seinem Hobby. Der war zwischen 1964 bis 1997 Bürgermeister der Gemeinde Gangelt, einer der dienstältesten in der gesamten Republik. Nach dem Ehrenortsvorsteher von Birgden und Ehrenbürger der Gemeinde Gangelt sind bereits Straßen benannt. Fischer nennt Aretz „ein großes Vorbild“. Die Männer aus Birgden kennen sich gut, und als Fischer vor ein paar Jahren gesundheitliche Probleme hatte, kam ihm Aretz in den Sinn. „Als Bürgermeister kann man sich einfach nicht hängen lassen.“ Das hat er auch für sich als gutes Motto empfunden.

Zu Frankfurt hat er keinen großen Bezug, außer, dass er im Stadtteil Sachsenhausen früher häufiger eine Tante besuchte. Vielmehr ist Fischer auf den Termin bei einer Internet-Recherche gestoßen, die unter dem Motto stand: „Wo kann ich mich denn in diesem Jahr bewerben?“ Frankfurt also. Etwa ein Dutzend Mal ist Fischer dann mit dem Flixbus an den Main gefahren, um Stimmen für seine Kandidatur zu fischen. Montag für Montag. Am Ende hatte er 186 Unterstützer zusammen, sieben mehr als nötig. Das reicht für die amtliche Zulassung. Auch in Frankfurt ist er nun ein Kandidat.

Fischer hat sich einen kleinen Werbefilm — aufgenommen in Erkelenz — schneiden lassen, ein paar wichtige Punkte für sein Programm hat er aufgeschrieben. „Mehr Blutspendetermine, Beseitigung der Kinderarmut, Mindestlohn anheben, bessere Alkohol- und Drogenkontrolle, Spielplätze verschönern und bessere Radarkontrollen.“ Damit will er auf sich aufmerksam machen. Das Wort Wahlkampf vermeidet er. Was ihn qualifiziert? „Ich bin den Menschen sehr zugewandt, habe viel soziale Kompetenz und Konfliktfähigkeit.“ Das seien Eigenschaften, die zunehmend in einer Metropole gefragt seien. Und für die Fachfragen habe jede Verwaltung Experten, die „ viel mehr Detailwissen besitzen“. Ein gutes Beispiel beobachtet Fischer in der Nachbarschaft. „Beim parteilosen Bürgermeister in Geilenkirchen Georg Schmitz klappt das ja auch.“

Kosten soll auch dieser Wahlkampf möglichst wenig, sagt der Rentner. „Ich investierte nur Zeit, kein Geld.“ In den nächsten Monaten will er Weihnachtsmärkte und Karnevalssitzungen in Frankfurt besuchen, „um auf mich aufmerksam zu machen“. Der Kandidat reist dann meistens mit einem roten T-Shirt an, das ihn als Kandidaten ausweist. Fischer strebt ein Ergebnis von etwa zehn Prozent in Frankfurt an. Klappt das nicht, macht das nichts. Das nächste Projekt hat er schon ins Auge gefasst. Die Landratswahl im Kreis Heinsberg 2020.