Brüssel/Lüttich: „Frittenrevolution” für die Einheit Belgiens

Brüssel/Lüttich: „Frittenrevolution” für die Einheit Belgiens

Acht Monate ohne gewählte Regierung: Belgiens Studenten platzt der Kragen. Allein in der Universitätsstadt Löwen vor den Toren Brüssels protestierten am Donnerstag rund 1500 junge Menschen unter dem ironischen Motto „Die Frittenrevolution hat begonnen.” Einige Studenten teilten laut Medienberichten Pommes frites aus, die als belgisches Markenzeichen gelten.

Studenten gingen auch in Löwen, Lüttich, Gent und Antwerpen auf die Straße. Umstritten ist, ob das Königreich im Herzen Europas bereits den „Krisen-Weltrekord” erreicht hat. In Irak hatte es im vergangenen Jahr acht Monate gedauert, bis es eine Vereinbarung für eine Regierung gab.

Dieser „Rekord” von 249 Tagen sei nun eingestellt, berichteten Medien. Allerdings hatte es in Bagdad 2010 dann noch weitere 40 Tage gedauert, bis die Regierung endgültig stand. „Wir haben also im Grunde noch weitere 40 Tage Zeit”, hieß es im belgischen Radio.

Die Gespräche zwischen sieben Parteien aus dem Niederländisch sprechenden Norden und dem französischsprachigen Süden des Landes sind seit Monaten blockiert.

Es geht um eine Staatsreform, die mehr Kompetenzen für die Regionen bringen soll. Sie ist Vorbedingung für die Bildung einer Regierung. Die Zeitung „La Libre Belgique” (Donnerstag) erinnerte daran, dass die Finanzmärkte auf eine neue Regierung warten - Belgien ist hochverschuldet und gilt als möglicher Wackelkandidat der Eurozone.

Der US-Universititätslehrer Robert Mnookin schlug in der Tageszeitung „LEcho” vor, einen ausländischen Vermittler einzuschalten. Der Harvard-Professor nannte den Namen des finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari, der bereits auf dem Balkan vermittelt hat.

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