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Waschen, Schneiden, Abstand halten: Friseure planen Wiedereröffnung

Waschen, Schneiden, Abstand halten : Friseure planen Wiedereröffnung

Wem die Locken ungeschnitten in Gesicht und Nacken wuchern, wartet schon sehnsüchtig: Ab Montag dürfen Friseure wieder öffnen - unter strengen Auflagen. Das hat auch zur Folge, dass einige Kunden noch Wochen bis zum frischen Haarschnitt warten müssen.

„Wir freuen uns alle sehr, dass wir nach so langer Zeit wieder arbeiten können“, sagt Friseurmeister Norbert Migge. Genau wie die mehr als 16.000 anderen nordrhein-westfälischen Friseurbetriebe darf er ab Montag wieder Kunden frisieren - unter strengen Hygiene- und Sicherheitsstandards. Damit er öffnen kann, hat Migge für sein Team und die Kunden Mund-Nasen-Schutz besorgt und die Abläufe umstellen müssen. Desinfektionsmittel steht bereit. Er wird um jeden Stuhl in seinem Salon den nötigen Sicherheitsabstand markieren.

Migge ist gespannt auf das, was ihn erwartet. Nicht nur, weil er einiges an Reparaturarbeiten auf sich zukommen sieht, wie er lachend sagt, wenn Leute schon mal selbst Hand angelegt hätten. Vieles, was zum Beruf dazugehöre, werde einfach anders ablaufen als vor der Krise: „Wir sind ja angehalten, möglichst wenig mit den Kunden zu reden. Das wird eine ziemliche Umstellung“, sagt er. Ganz zu schweigen von der Frage, wie es sei, Neukunden, deren Gesicht unter einer Maske verborgen ist, vernünftig zu beraten und zu frisieren.

All das schrecke die Kundschaft nicht, berichtet Migge: „Seit klar ist, dass wir wieder öffnen können, glüht das Telefon.“ Die Sehnsucht vieler Menschen nach Profis zur Bewältigung außer Form gewachsener Haarschnitte und wuchernder Locken oder der Bekämpfung grauer Haaransätze ist riesig.

„Die Leute wollen unbedingt wieder zu ihrem Friseur“, berichtet Marc Ringel, Geschäftsführer des Friseurverbandes NRW. Doch er dämpft die Erwartungen: „Viele Betriebe können viel weniger Kunden bedienen als sonst“, sagt er. Der Grund: Insbesondere die Vorschrift, mindestens 1,50 Meter Abstand um jeden Frisier-Stuhl zu halten, stelle gerade kleinere Betriebe vor große Herausforderungen, so Ringel. In engen Salons könne daher nur jeder zweite Bedienstuhl genutzt werden. Weil das Personal möglichst in getrennten Schichten arbeiten soll, um eine potenzielle Ansteckung des gesamten Teams zu vermeiden, sind die Kapazitäten weiter eingeschränkt. „In dieser Situation werden viele, viele Kunden wahrscheinlich noch mehrere Wochen auf einen Termin warten müssen“, erklärt Ringel.

Entsprechend eines von der Berufsgenossenschaft des Friseurhandwerks erarbeiteten Arbeitsschutzstandards gilt in den Salons demnächst bis auf Weiteres eine Maskenpflicht für Mitarbeiter und Kunden. Utensilien wie Kämme und Scheren müssen nach jedem Kunden gereinigt werden. Außerdem bleiben Arbeiten in der Nähe des Gesichts, wie Augenbrauenzupfen, Gesichtskosmetik, Rasieren oder Bartpflege untersagt.

Kunden oder Mitarbeiter mit Symptomen einer Atemwegsinfektion dürfen nicht in den Salon. Zur Nachvollziehbarkeit möglicher Ansteckungsketten müssen die Friseure zudem die Kontaktdaten ihrer Kunden dokumentieren. Das sechsseitige Papier der Berufsgenossenschaft sieht außerdem vor, dass Haare vor dem Frisieren gewaschen werden müssen. Selbst föhnen - wie manche Salons es sonst anbieten - dürfen die Kunden ebenfalls nicht mehr.

„Es wird ein anderes Arbeiten sein als vorher“, sagt Harald Esser, Verbandsvorsitzender in NRW und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. Weniger Kunden, höherer Aufwand, kein Service, „noch nicht einmal ein Klatschblatt können wir auslegen“ - sagt Esser. Und doch appelliert er an die Friseure, die Standards genau zu befolgen: „Haltet euch dran! Es ist jetzt für uns eine Chance zu öffnen“.

Die Regeln dürften von niemandem umgangen oder ignoriert werden, mahnt auch Ringel - auch aus eigenem Interesse. „Das Schlimmste, was der Branche passieren kann, wäre eine erneute Schließung. Deswegen ist es wichtig, dass alle mithelfen, Ansteckungen zu vermeiden - auch wir als Friseurhandwerk - auch wenn das unter Umständen heißt, dass weniger Umsatz gemacht werden kann. Aber kostendeckendes Arbeiten ist allemal besser als gar keine Umsätze“.

(dpa)