Fridays for Future: Demos in Aachen, Düren, Geilenkirchen, Jülich

„Fridays for Future“-Aktionstag : Weltweit streiken Hunderttausende für Klimaschutz

"Alle fürs Klima": Tausende demonstrieren in der Region

Hunderttausende Menschen sind weltweit am Freitag auf die Straße gegangen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Alleine in Berlin waren es bis zu 270.000, in Aachen immerhin 8000 Teilnehmer. Weitere Demos gab es unter anderem in Düren und Jülich.

#allefürsklima: Unter diesem Motto sind am Freitag weltweit Demonstranten auf die Straße gegangen, um sich für den Klimaschutz auszusprechen. Alleine in Deutschland waren mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen geplant. Weltweit sind für die kommende Aktionswoche Demos in mehr als 2600 Städten in mehr als 150 Staaten angemeldet.

In Aachen trafen sich die Aktivisten um 10 Uhr am Elisenbrunnen zur Auftaktkundgebung, um 11 Uhr startete der Demonstrationszug über den Europaplatz bis zum Kennedypark zur Abschlusskundgebung bis 18 Uhr.

Die Veranstalter sprachen am Mittag von rund 8000 Teilnehmern. Polizeisprecher Paul Kemen hielt am Nachmittag eine Zahl von 6000 Demonstranten nicht für unrealistisch.

Um kurz vor 12 Uhr erreichten die Demonstranten den Europaplatz, wo der Verkehr zum Erliegen kam. Autos konnten nicht mehr von der Autobahn A544 in Richtung der Aachener Innenstadt fahren. Gegen 13 Uhr erreichte der Demonstrationszug schließlich den Elsassplatz - von dort aus ging es zu den Abschlusskundgebungen in den Kennedypark. Die Polizei vermeldete gegen 13 Uhr einen bislang friedlichen Ablauf der Demonstrationen.

In Düren startete die Demonstration um 10.30 Uhr auf dem Hoeschplatz. Die Kundgebung lief bis gegen 12 Uhr auf dem Marktplatz. Ersten Schätzungen nach sollen sich an der Demo etwa 800 Menschen beteiligt haben. Aufgerufen hatten die Schulen, aber diesmal waren ausdrücklich „alle Generationen“ angesprochen.

In Düren waren nach ersten Schätzungen etwa 700 Demonstranten unterwegs. Foto: ZVA/Patrick Nowicki

In der Jülicher Innenstadt findet der Klimastreik ab 16 Uhr am Schlossplatz statt. Dort werden im Anschluss an die Demo auch Reden gehalten, geplant ist unter anderem ein Vortrag von Wissenschaftlern aus dem Forschungszentrum, da die Jugendlichen von den „Scientists for Future“ unterstützt werden.

In Geilenkirchen ging es um 8 Uhr an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule los. Schüler der Realschule, der Gesamtschule und des Gymnasiums trafen sich hier gemeinsam mit einigen wenigen älteren Bürgern. Von dort zog der Demonstrationszug mit rund 50 Teilnehmern lautstark und mit Bannern in Richtung Bahnhof. Ein Teil der Gruppe reiste weiter nach Aachen, um an der dortigen Demo anlässlich des globalen Klimastreiks teilzunehmen.

In Geilenkirchen hatten sich die Demonstranten um 8 Uhr an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule getroffen. Ein Teil der Gruppe fuhr anschließend weiter nach Aachen. Foto: Dettmar Fischer

Zufällig fällt mit dem Klimastreik eine andere Aktion zusammen: Zum Weltkindertag am Freitag dürfen Kinder bis 14 Jahre in NRW ohne Fahrschein Busse und Bahnen benutzen.

Die Ziele der Protestbewegung

Auch in anderen NRW-Großstädten hatten die Demonstrationen die Erwartungen der Veranstalter deutlich übertroffen. Die Kölner Polizei erklärte, dass es „voll“ sei und eine Hauptstraße gesperrt wurde. Dort wollten sich weitere Teilnehmer des Aktionstages aufstellen. Die Polizei schloss nicht aus, dass noch weitere Straßen gesperrt werden müssen.

Auch in Köln übertraf der Klimastreik die Erwartungen von 20.000 Teilnehmern. „Es sind auf jeden Fall deutlich mehr, als wir erwartet haben“, sagte Sprecherin Leonie Bremer. Die Polizei wollte keine konkreten Zahlen nennen. Eine Sprecherin bestätigte aber, die Demonstration lägen „mit ihrer Anmeldung ziemlich gut“.

Auch in Bonn gingen nach deren Angaben am Freitag 15.000 Menschen für das Klima auf die Straße. Angemeldet worden waren 10.000 Demonstranten.

An der Düsseldorfer Demo nahm auch Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) teil, der Anfang der Woche seine Mitarbeiter animiert hatte, an den Aktionen teilzunehmen. Wie eine Stadtsprecherin am Freitag sagte, seien dem Aufruf viele Mitarbeiter gefolgt - eine konkrete Zahl gebe es noch nicht

In Essen beteiligten sich nach Polizeiangaben mehrere tausend Menschen am Demonstrationszug durch die Innenstadt - ebenfalls deutlich mehr als von den Veranstaltern erwartet.

In Münster hatte man zuvor mit etwa 10.000 Demonstranten gerechnet. Dort gingen dann allerdings deutlich mehr als 20.000 Teilnehmer auf die Straße. „Wir haben mehr als doppelt so viele mobilisieren könne wie erhofft“, freute sich Sprecherin Sophia Kegel von Fridays for Future in Münster.

Auch weltweit wurde demonstriert.Dem Aufruf der Jugendbewegung Fridays for Future zum globalen Streik folgten etwa in Australien rund 300.000 Menschen, wie die Veranstalter mitteilten. Auch in anderen Städten in Deutschland war der Zulauf groß: In Berlin gingen nach Angaben der Aktivisten rund 270.000 Menschen auf die Straße, in Hamburg waren es laut Polizei 70.000, bundesweit nach Veranstalterangaben 1,4 Millionen.

Die von der Schwedin Greta Thunberg angestoßene Klimabewegung wird von Schülern und Studenten getragen. Sie fordern von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung und die drohende Klimakatastrophe. Vor allem müsse gemäß dem Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eingedämmt werden.

Adressat der Protestaktionen in Deutschland war auch das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag Eckpunkte für mehr Klimaschutz vorlegte. Unter anderem enthält es einen Preis auf den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids, jedoch auf niedrigem Niveau. Zugleich sollen aber auch Fernpendler entlastet werden. Auf die Beschlüsse reagierte Fridays For Future auf Twitter mit Kritik. Die Aktivistin Luisa Neubauer schrieb: „Während Hunderttausende klimastreiken, einigt sich die GroKo anscheinend auf einen Deal, der in Ambitionen und Wirksamkeit jenseits des politisch und technisch Machbaren liegt.“ Und weiter: „Das ist heute kein Durchbruch, das ist ein Skandal.“

Zwei Drittel der Deutschen wollen Vorrang für Klimaschutz

Für Deutschland fordert Fridays for Future unter anderem, schon bis Jahresende alle Subventionen für fossile Energieträger wie Öl und Kohle zu streichen, ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen zu erheben. Die Bewegung bekommt breite Unterstützung. Mit dabei sind Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wie Greenpeace und Brot für die Welt, aber auch die Evangelische Kirche, die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Kulturrat.

Auch viele Bürger wünschen sich ein Umsteuern in der Kliampolitik. Laut ARD-„Deutschlandtrend“ sind knapp zwei Drittel der von Infratest-dimap befragten Bundesbürger (63 Prozent) der Meinung, dass der Klimaschutz Vorrang haben sollte, selbst wenn dies dem Wirtschaftswachstum schadet.

Begonnen hatte der globale Streik in der Nacht mit Demonstrationen in Australien. Zehntausende Schüler blieben dort dem Unterricht fern. In der Stadt Alice Springs legten sich Hunderte Menschen auf den Boden und stellten sich tot.

Die Schwedin Thunberg, die zurzeit in den USA ist, demonstriert seit vergangenem Sommer jeden Freitag - also meistens während der Schulzeit - für mehr Klimaschutz. Ihr Schulstreik hat weltweit Menschen zu Demonstrationen inspiriert.

Vor der Aktivistin liegen eine Reihe von Klimakonferenzen, Protesten und weiteren Terminen. Der Jugend-Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York startet an diesem Samstag, ihm folgt zwei Tage später der UN-Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs vor der UN-Generalversammlung.

Zum globalen Klimastreik wiesen Umweltaktivisten von Scientists for Future auf wissenschaftliche Fakten zur Erderhitzung hin. So sei weltweit die Durchschnittstemperatur bereits um ein Grad gestiegen, relativ zum Zeitraum 1850 bis 1900, schrieben die Wissenschaftler auf Twitter. Und die vergangenen vier Jahre seien die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Auch sei es erwiesen, dass der Mensch mit seinen Treibhausgasemissionen nahezu vollständig verantwortlich sei für dieses Temperaturplus. Schon jetzt verursache die Erderwärmung in vielen Regionen Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Starkregen.

(red/dpa)