„Fridays for Future“-Demos in Aachen: Anna Moors im Interview

„Fridays for Future“-Demos in Aachen: „Die Politiker müssen lernen, uns zuzuhören.“

Anna Moors ist 17 Jahre alt. Sie organisiert mit anderen die Aachener „Fridays for Future“-Demos. Auch am Freitag geht sie wieder auf die Straße. Was treibt sie auf die Straße und was müssen die Politiker besser machen?

Sie ist jung, selbstbewusst, eloquent. Und sie macht sich Sorgen um die Zukunft des Planeten. Deshalb demonstriert Anna Moors seit Monaten jeden zweiten Freitag in Aachen für einen besseren Klimaschutz. Über ihre Hoffnungen, ihre bisherigen Erfahrungen und die Gründe, warum sie auch am heutigen Tag statt die Schulbank zu drücken wieder auf die Straße geht, darüber sprach die 17-jährige Gymnasiastin mit Joachim Zinsen.

Frau Moors, warum demonstrieren Sie während der Schulzeit für eine bessere Klimapolitik und nicht in ihrer Freizeit?

Anna Moors: Wegen der Aufmerksamkeit. Wenn wir in unserer Freizeit protestieren würden, vielleicht sogar an einem Sonntag, kämen zwar möglicherweise noch mehr Schüler zu unseren Demonstrationen. Aber kaum jemand würde über uns berichten. Interessant sind wir für viele Medien doch nur, weil wir nicht da sind, wo wir eigentlich sein sollten.

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Ihnen und ihren Mitstreiter wird deshalb vorgeworfen, sie seien „Schulschwänzer“.

Moors: Das höre ich häufiger. Ich zitiere dann immer eine Freundin. Sie sagt: Auf den Demos lernen wir mehr fürs Leben als in der Schule. Wenn ich mir ansehe, was uns teilweise beigebracht werden soll, zum Beispiel im Fach Mathematik – das werde ich in meinem Leben nie brauchen. Was ich aber brauche, ist eine lebenswerte Zukunft. Wenn mir die verwehrt wird, warum soll ich dann zur Schule gehen? Übrigens engagiere ich mich auch in meiner Freizeit für „Fridays for Future“ – jede Woche sicherlich vier bis fünf Stunden. Zudem bin ich in meiner Schule im Bereich Nachhaltigkeit aktiv.

Viele Politiker haben sich zu den Protesten der Schüler bereits geäußert. FDP-Chef Christian Lindner hat beispielsweise erklärt, das Thema Klimawandel sei so komplex, dass die Schüler es „Profis“ überlassen sollten. Wie ist dieser Spruch bei Ihnen angekommen?

Moors: Ich war empört. Würden die „Profis“ ihren Job richtig machen, müssten wir „Amateure“ nicht auf die Straße gehen. Zudem waren es in der Geschichte immer die „Amateure“, die etwas erreicht haben. Sie haben das Frauenwahlrecht oder die gleichgeschlechtliche Ehe erkämpft. Jetzt müssen „Amateure“ die Zukunft retten.

Was wollen Sie genau mit ihrem Protest erreichen?

Moors: Die Politiker müssen lernen, uns zuzuhören. Viele von ihnen sitzen auf einem hohen Ross und denken, sie seien unantastbar. Aber in der Demokratie liegt die Macht beim Volk. Wenn es Politikern keine Angst macht, dass wir Angst um unsere Zukunft haben, dann müssen wir ihnen Angst machen, dass sie in Zukunft ihren Job verlieren könnten.

Was fordern Sie von der Politik konkret in Sachen Klimaschutz?

Moors: Das Pariser Klimaabkommen muss konsequent eingehalten werden. Zudem dauert der Kohleausstieg viel zu lange. Die Politik sollte endlich stärker auf die Warnungen von Wissenschaftlern hören und deren Vorschläge beispielsweise zur CO2-Verminderung umsetzen. Das wird aber nicht gemacht, weil es für einige Wirtschaftszweige weniger Profit bedeuten würde. Wir müssen deshalb die Notbremse ziehen. Wer unseren Protest lächerlich macht, hat nichts verstanden. Wir kämpfen für nichts geringeres als den Fortbestand der Menschheit.

Wie lange wollen Sie den Protest fortsetzen?

Moors: Bis sich etwas ändert. Oder – für mich ganz persönlich gesprochen – bis es keine Hoffnung mehr gibt. Noch haben wir die Möglichkeit, das Ruder herumzureißen. Aber wir müssen sehr konsequent und zielstrebig handeln.

Wie hat ihre Schule bisher auf den Protest reagiert?

Moors: Im Januar wurden wir für den Protest beurlaubt. Das war sehr schön, aber leider nur eine einmalige Aktion. Menschlich können viele unserer Lehrer den Protest nachvollziehen. Sie wissen, dass wir nicht gegen die Schule arbeiten, sondern für unsere Zukunft kämpfen. Aber als Beamte unterliegen die Lehrer gewissen Rahmenbedingungen. Ihr Dienstherr, die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, arbeitet aktuell sehr stark gegen „Fridays for Future“. Sie will unseren Schulstreik beenden.

Sind Sie bereit, für ihr Engagement auch persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen?

Moors: Das mache ich bereits. Wenn ich freitags demonstriere, verpasse ich meinen Leistungskurs Englisch. Den Stoff muss ich in der Freizeit nacharbeiten.

Geht das so einfach? Haben Sie keine Angst, durch den Schulboykott wichtigen Unterrichtsstoff zu verpassen, und dass Ihnen das beim Abitur schaden könnte?

Moors: Ich persönlich habe das Glück, dass Mitschülerinnen und Mitschüler mir das Unterrichtsmaterial nachreichen. Überhaupt unterstützen wir uns sehr stark gegenseitig. Diese Solidarität ist eine tolle Erfahrung.

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