Bonn: Frau wegen tödlicher Vernachlässigung ihres Sohnes vor Gericht

Bonn: Frau wegen tödlicher Vernachlässigung ihres Sohnes vor Gericht

Vor dem Bonner Landgericht hat am Freitag der Prozess um den Tod eines neunjährigen behinderten Jungen aus Bad Münstereifel begonnen.

Seiner Mutter (35) und deren inzwischen 18 Jahre alten Tochter wird Aussetzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Die Mutter von fünf Kindern wird beschuldigt, im April 2009 zwei Wochen lang mit einem ihrer Kinder in Spanien Urlaub gemacht zu haben. Sie beauftragte ihre älteste Tochter mit der Versorgung des behinderten Justin und zweier weiterer Kleinkinder im Alter von sechs und drei Jahren. Die 17-Jährige soll jedoch mit der Aufgabe überfordert gewesen sein und Justin im Stich gelassen haben.

Justin befand sich laut Anklage auf dem Stand eines Anderthalbjährigen und konnte sich nicht selbst versorgen. Das Gitterbett, in das er hineingelegt worden war, konnte er nicht alleine verlassen. Als er am 12. April 2009 gefunden wurde, war er fast verhungert und verdurstet. Nur mit einer Windel bekleidet lag er an einem geöffneten Fenster. Im Krankenhaus starb er noch am selben Tag an Unterkühlung, Flüssigkeitsmangel und einer Lungenentzündung.

Am ersten Verhandlungstag erzählte die Mutter an, welche Vorkehrungen sie zur Betreuung des Jungen getroffen hatte. In einer vom Anwalt der Tochter verlesenen Erklärung hieß es, sie sei mit der Situation völlig überfordert gewesen, habe in der Zeit einen Neurodermitis-Schub erlitten und auch Cannabis und Alkohol zu sich genommen. Der Prozess wird am 28. April fortgesetzt.

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