Prinz trifft Papst: Franziskus empfängt die Aachener Narren

Prinz trifft Papst : Franziskus empfängt die Aachener Narren

Aachens Karnevalsprinz Martin I. bei Papst Franziskus

Das hat es noch nie gegeben, seitdem die Aachener Karnevalsprinzen ab dem Jahr 1881 aktenkundig sind. Nach der Generalaudienz des Papstes vor tausenden Gläubigen am Petersdom wird die bunt kostümierte Narrenschar von Franziskus persönlich begrüßt.

Die Sicherheitsschleuse ist in Alarmstimmung. Alaaf! Es fiept, piept und klingelt. Zu viele Orden, zu viel Metall am Ornat. Als Prinz Martin I. auf dem Weg zu Papst Franziskus den Detektor der Schweizer Garde passiert, zuckt der Sicherheitsbeamte nur mit den Schultern, lächelt und winkt den Mann mit den gewaltigen Federn auf dem Kopf durch. Der bewaffnete Uniformierte ist einigermaßen fassungslos. Was für eine kurios gekleidete Pilgergruppe. Die Schlange dahinter lacht sich schlapp. Eine Stunde später, Mittwoch, 10.27 Uhr, ist die Mission Rom geglückt. Aachens Narrenherrscher schüttelt dem Heiligen Vater die Hand.

Das hat es noch nie gegeben, seitdem die Aachener Prinzen ab dem Jahr 1881 aktenkundig sind. Unmittelbar nach der Generalaudienz des Papstes vor tausenden Gläubigen am Petersdom wird die bunt kostümierte Narrenschar, am Vorabend eilig in die Ewige Stadt eingeflogen, von Franziskus persönlich begrüßt. Beim Prinzen fließen Tränen der Rührung.

Prinzengardenkommandant Dirk Trampen, Prinzenberater Alwin Fiebus, Hofmarschall Wilfried Mandelartz, Monsignore Heribert August, die Hofstaatler Alexander Gilson, Jürgen Eschweiler, German Gonzales Arias sowie Hühnerdieb Volker Lauven und Adjutant Andree Brüning sind hautnah dabei. Die Vizepräsidenten des Aachener Karnevalsvereins Roger Lothmann und Wolfgang Hyrenbach sprechen später von einem „historischen Moment“.

Hühnerdieb und Adjutant haben den päpstlichen Coup eingefädelt. Sie ließen alle Drähte Richtung Vatikan glühen, monatelang im Vorfeld. So gelingt es den Jecken, ganz ohne Unterstützung des Bistums Aachen, ihr geradezu unmögliches Vorhaben zu realisieren. Ein persönliches Treffen mit dem Papst.

Das Kölner Dreigestirn war im vergangenen Jahr beim Papst, da hatte Kardinal Rainer Maria Woelki wohlwollend die Türen geöffnet. Die Aachener Narren schaffen es selbst. Prinz Martin I überreicht eine Collage mit Orden, erläutert in der rund drei Minuten langen Begegnung, was ihm am Herzen liegt. „Zesame fiere, all inclusive.“

Der Aachener Karnevalsprinz Martin I. (rechts) traf am Mittwoch Papst Franziskus im Vatikan. Von höchster Stelle erhielt er den Segen für sein Anliegen, die Inklusion im Karneval. Foto: AKV

Das Thema Inklusion erweitert er im Gespräch mit dem Papst um die Flüchtlingsdramatik im Mittelmeer. Martin Speicher, Aachens Narrenherrscher, nimmt ausdrücklich alle Menschen mit. Buchstäblich, auch weil er erstmals mit seinem Hofstaat für den Rosenmontagszug einen eigens für Rollstuhlfahrer konstruierten Karnevalswagen bauen lässt.

Das gefällt dem Papst. Er lächelt, lacht. „Zesame fiere?“, wiederholt er und grinst. „Beten Sie für mich“, gibt er dem Prinzen mit auf den Weg. „Meine Aufgabe hier ist so schwierig“, fügt er hinzu. Dann zieht die jecke Delegation aus. Abmarsch.

Treffpunkt Petersplatz. Ungezählte Touristen bestürmen Prinz und Hofstaat. Die singen ihr Sessionslied. Die Touristen zücken die Handys. Dann werden Orden verteilt. „Genau darum geht es. So viele Menschen wie möglich wollen wir mit unserem Thema Inklusion über den Karneval erreichen. Das ist hier kein PR-Gag, es ist uns ein tiefes Anliegen“, sagt Martin, immer noch gerührt.

Seit Silvester liegt seine jüngste Tochter krank zu Hause, ist nur noch im Rollstuhl mobil. „Ich habe für meine Tochter und für alle Kinder dieser Welt gebetet. Ich spüre die Kraft, die uns dieser Besuch beim Heiligen Vater gibt“, strahlt er. Martin ist tief gläubig, sein Adjutant Andree wollte eigentlich Priester werden, studierte Theologie. Karneval und Christsein, Lachen und Beten.

Für die jecke Abordnung aus Aachen passt das perfekt zusammen. Noch 26 Tage, 168 Auftritte, dann der Rosenmontagszug. Es steht noch so viel an. In vollem Ornat geht's zurück zum Flughafen, die nächste Sicherheitsschleuse. Wieder piept es wie verrückt.

Der nächste Auftritt nach dem Papst wird besprochen. Es geht zur Lebenshilfe Wiesental, eine Wohngemeinschaft spezialisiert auf Autismus-Spektrumsstörungen. Man hat viel zu erzählen. Vom Papst und über Inklusion. Über Alaaf und Amen. Franziskus sei Dank.