Würselen: Flugplatz Merzbrück: Große Pläne, unklare Finanzierung

Würselen: Flugplatz Merzbrück: Große Pläne, unklare Finanzierung

Die Pläne für das Gelände des Flugplatzes in Merzbrück sind imposant. „Ein multimodaler Standort und ein Gewerbegebiet der Zukunft“ sollen dort entstehen, sagt Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU).

Die Städteregion Aachen ist neben der Stadt Eschweiler, der Stadtentwicklung Würselen GmbH (SEW) und der Fluggemeinschaft Aachen Gesellschafter der Flugplatz Aachen Merzbrück GmbH (FAM), die den Flugplatz betreibt. Abseits der geplanten neuen Start- und Landebahn soll eine Kombination aus Forschungsflugplatz, einem Technologiezentrum mit Forschungsflächen und einem circa 18 Hektar großen Gewerbegebiet entstehen.

Die Erwartungen sind groß, denn RWTH und FH Aachen planen auf dem Gelände ein Pilotprojekt, mit dem sie laut Professor Günther Schuh, Professor an der RWTH und Geschäftsführer der Aachen Campus GmbH, „die Zubringerluftfahrt revolutionieren wollen“.

Lange Vorgeschichte

Bereits vor mehr als 20 Jahren hat die IHK Aachen nach einer Bedarfsuntersuchung gefordert, die Landebahn des Flugplatzes Merzbrück zu verlängern. Aufgrund der seit 2005 geltenden europäischen Sicherheitsnormen ist Geschäftsflugverkehr in Merzbrück nur eingeschränkt möglich. Seither stehen die Gesellschafter unter Druck. Um den Geschäftsflugverkehr wieder — unter Vorgabe des Höchstabfluggewichts der Maschinen — uneingeschränkt zu ermöglichen, soll die Landebahn von 550 auf 1160 Meter ausgebaut werden.

Dafür ist auch eine Schwenkung um zehn Grad erforderlich. Der dazugehörige Planfeststellungsbeschluss ist seit Mai 2017 rechtskräftig, aber noch verhindern zwei Klagen und Unklarheiten bezüglich der Finanzierung die Umsetzung der Baupläne. Der Geschäftsführer der FAM, Uwe Zink, geht mittlerweile von Kosten in Höhe von rund 6,68 Millionen Euro für die Erneuerung der Landebahn aus. 2006 lag die Schätzung der Kosten noch bei 4,6 Millionen Euro.

Ein Mammut-Projekt

Die Entwicklung des Geländes ist ein Mammut-Projekt. Allein die Erschließung des nördlichen Gewerbegebiets kostet etwa sieben Millionen Euro. Wenn der Bebauungsplan von der Stadt Würselen verabschiedet und der Anschluss an Infrastruktur und Versorgungsleitungen abgeschlossen ist, sollen Anfang 2019 die ersten Grundstücke verkauft werden. Ein Teil des Gebiets könne laut Manfred Zitzen, Geschäftsführer der SEW und der Aachener Kreuz Merzbrück GmbH (AKM), jedoch erst dann erschlossen werden, wenn die neue Landebahn fertiggestellt ist. Bis 2025 sollen dann Technologiezentrum, Forschungsflächen und Gewerbegebiet fertiggestellt sein.

Auch südlich der Landebahn sollen Gewerbegebiete entstehen. Die AKM hat bereits 17 Hektar Land gekauft, weitere 20 sollen hinzukommen. Die Erschließung dieser Gebiete soll etwa acht Millionen Euro kosten. Dafür rechnet Manfred Zitzen mit 750 bis 1000 neuen Arbeitsplätzen. Die Unternehmen aus dem Bereich Mobilität, die sich nach Hoffnung der Gesellschafter dort ansiedeln werden, sollen Fachkräfte in die Region locken, Absolventen der Hochschule eine Perspektive bieten und das Image der Region als innovatives Zentrum schärfen. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) versprach, sich innerhalb der Landesregierung für die Förderung des Hochschulprojekts einzusetzen, ohne jedoch konkrete Zugeständnisse zu machen.

In Richtung Strukturwandel

Die Fraktionen von CDU, Grünen und FDP im Städteregionstag unterstützen die Pläne für das Gewerbegebiet. Ulla Thönnissen, Vorsitzende der CDU-Fraktion, sieht „angesichts des bevorstehenden Strukturwandels die Potenziale der Entwicklung für die Förderung der Wirtschafts- und Wissenschaftsregion Aachen“. Ob die Landesregierung einen Teil der Kosten für die neue Landebahn trägt, ist noch nicht entschieden. Falls dies nicht der Fall sein sollte, sind die FAM-Gesellschafter selbst gefordert. Uwe Zink hat ihnen bereits eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage vorgelegt. Über die muss nun jeder Gesellschafter entscheiden.

Besonders prestigeträchtig ist in diesem Konglomerat das Projekt, das RWTH und FH Aachen gemeinsam planen. Sie wollen kleine, umweltfreundliche und automatisierte Flugzeuge mit Hybridantrieb entwickeln — sogenannte Silent-Air-Taxis, was übersetzt so viel heißt wie stille Luft-Taxis. Dafür soll auf dem Flugplatzgelände die einzige Außenstelle des Campus von RWTH und FH Aachen mit dem Namen „Forschungsflugplatz Aachen-Merzbrück“ eröffnen.

Für die Entwicklung des Prototyps und die geplante serielle Produktion des Hybridfliegers ist nördlich der Landebahn der Bau von bis zu 16 Forschungs-Hangars geplant. Mit einer „europaweit einzigartigen Forschungslandschaft rund um das globale Megathema der Mobilität“ werben die Verantwortlichen.

RWTH hat drei Millionen Euro beantragt

Das Luftfahrttechnische Center der RWTH hat beim Land NRW für das Projekt bis zu drei Millionen Euro beantragt. Schuh drängte die Landesregierung auf eine Zusage bis März. Ansonsten drohen die Wissenschaftler, das Projekt nach Stuttgart zu verlegen. Voraussetzung für die Ansiedlung des Forschungs-Clusters sei, dass die neue Landebahn bis Ende 2019 fertiggestellt ist. Ob das gelingt, ist offen.

Innerhalb von fünf Jahren nach der Zulassung sollen 1000 Air-Taxis gebaut werden. Bisher sind weltweit erst 800 Hybridflugzeuge im Einsatz. Über das genaue Aussehen und die Ausstattung will sich Markus Wellensiek, Geschäftsführer der Air s.Pace GmbH, vor März nicht äußern.

Günther Schuh verspricht lediglich, dass die Flieger „eine ganz neue Dynamik in die Wirtschaft bringen“ sollen. Die kleinen Flieger könnten den Verkehr in Innenstädten und auf Autobahnen entlasten. Vor allem aber soll die Region nicht länger im Schatten größerer Städte stehen. „Wir sind längst nicht Provinz, aber noch liegen wir in einer“, sagte Schuh.

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