Aachen/Düsseldorf: Flüchtlingszahlen steigen leicht: Ein Viertel der Asylanträge in NRW gestellt

Aachen/Düsseldorf : Flüchtlingszahlen steigen leicht: Ein Viertel der Asylanträge in NRW gestellt

Im Juli sind so viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen wie seit vergangenem Herbst nicht mehr. In einem Bericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wurden 15.199 Asylanträge erfasst, die im Juli in Deutschland gestellt wurden. Damit wurden 2018 bislang insgesamt 110.324 Asylanträge in Deutschland gestellt — 15,1 Prozent weniger als in den ersten sieben Monaten 2017.

Fast ein Viertel der Anträge wurde 2018 in NRW gestellt. Das lässt den Rückschluss zu, dass etwa jeder vierte Asylbewerber über die kaum gesicherte Westgrenze in die Bundesrepublik einreist, insbesondere über den belgisch-deutschen Grenzübergang an der A44.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hat in einem diese Woche veröffentlichten Bericht festgestellt, dass die Hauptmigrationsroute nicht mehr über östliches und zentrales Mittelmeer, sondern seit kurzem über das westliche Mittelmeer von Marokko nach Spanien führt. Die Zahl der Flüchtlinge, die allein im Juli 2018 von Marokko aus nach Spanien in die EU gelangt sind, 8800, habe sich gegenüber Juli 2017 vervierfacht. Die Aachener Bundespolizei geht davon aus, dass sich zumindest ein größerer Teil der in Spanien ankommenden Flüchtlinge über Frankreich und Belgien auf den Weg nach Deutschland macht.

Das bestätigt auch ein interner Bericht der nordrhein-westfälischen Polizei, der unserer Zeitung vorliegt. Die ehemals stark frequentierte Balkanroute gehört im Moment nicht zu den Hauptmigrationsrouten. Flüchtlinge „reisen jetzt vermehrt über die Benelux-Staaten nach Deutschland ein“, sagte ein ranghoher Sicherheitsbeamter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Während die Außengrenzen zu Bayern durch die Bundespolizei gut geschützt werden, sind die Grenzen in NRW so gut wie unbewacht. Das wissen die Schlepperbanden und nutzen es aus“, sagte der Experte im Gespräch mit unserer Zeitung. Und längst nicht alle ließen sich registrieren. „Wir wissen im Prinzip gar nicht, wer alles hier im Land ist.“

Dem Bericht zufolge begehen Zuwanderer in NRW mehr Straftaten als vor einem Jahr. So zählte die Polizei im Juni 4569 Delikte — und damit 506 Fälle mehr als im Juni 2017, als die Zahlen erstmals erhoben wurden. In diesem Zeitraum wurde im Juni 2018 allerdings die geringste Zahl an Polizeieinsätzen mit Zuwanderungsbezug verzeichnet: 21.015 und damit rund 1400 weniger als im Juni 2017.

(gego/csh)
Mehr von Aachener Nachrichten