Köln: Flüchtlings-Integration in NRW: Weniger Helfer, größere Last

Köln : Flüchtlings-Integration in NRW: Weniger Helfer, größere Last

Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee in dem Jugendzentrum im Kölner Stadtteil Nippes. Kinder toben durch den schmucklos wirkenden Raum. Die Eltern unterhalten sich lachend auf Deutsch oder Arabisch. Hinter einer kleinen Theke schneidet Claudia Kühn selbst gebackenen Käsekuchen.

Es ist ein typischer Sonntag im Café International, dem Angebot einer Kölner Flüchtlingsinitiative. Geflüchtete und Nachbarn kommen dort jeden Sonntag zusammen.

Die aus dem Iran stammenden Flüchtlinge Ahmar, Mohammad und Emir spielen zusammen Backgammon im Café International. Foto: Bernd Thissen/dpa

Im August 2015 fand das Café zum ersten Mal statt. Es war jener Sommer, in dem Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Es war die Zeit, in der der Begriff der Willkommenskultur geprägt wurde. „Am Anfang war die Hilfsbereitschaft wirklich überwältigend”, erzählt die 42-Jährige, die seit April 2015 dabei ist.

Ernüchtert skizziert sie die Situation heute: Von den Hunderten, die mal Interesse an einer Mitarbeit hatten, ist ein harter Kern von rund 25 Ehrenamtlern geblieben. „Die Menschen müssen sich klar machen, dass mit den Sammelunterkünften nicht die Herausforderungen verschwinden. Das vergessen viele”, sagt Kühn.

Eine repräsentative Umfrage des Bundesfamilienministeriums zeigt, dass das Engagement in der Flüchtlingshilfe tatsächlich abgenommen hat: Im September 2015 gaben 16 Prozent der Bevölkerung in NRW an, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Im April 2017 waren es noch 11 Prozent, die sich aktiv für Geflüchtete einsetzten. Auch Initiativen, die vom Ministerium unterstützt werden, bekommen das zu spüren, wie ein Sprecher bestätigt. Es sei schwieriger geworden, neue Paten zu finden.

Auch der Flüchtlingsrat NRW kennt das Problem. „Vor allem bei Patenschaften von Flüchtlingen, die oft sehr zeitintensiv sind, können noch mehr Leute gebraucht werden”, sagt Geschäftsführerin Birgit Naujoks. Auch wenn es immer noch sehr viele Helfer im Land gebe. „Insgesamt kann man sagen, dass die Entwicklung Bestand hat.”

Bestand hat auch das Engagement von Kristina Koch und Dennis Müller bei der Kölner Willkommensinitiative: „Wir sind hier, weil die anderen aufgehört haben”, sagt die Frau - und weil sie beide Freunde gefunden haben, wie sie lachend mit Blick auf zwei junge Männer sagen, die neben ihnen auf der Couch sitzen: Mowafaq Abdulamati (29) aus dem Irak und Ghaith Almahmoud (27) aus Syrien treffen sich mehrmals die Woche mit ihren deutschen Freunden in den Räumen der Initiative.

Das NRW-Integrationsministerium betont zentralen Rolle der ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingshilfe. „Insbesondere beim Kennenlernen deutscher Bürokratie ist die Unterstützung von Ehrenamtlern mit Empathie wichtig”, betont NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP).

Dafür müsste aber mehr Unterstützung von hauptamtlichen Sozialarbeitern kommen, meint Claudia Kühn. Die Ehrenamtlichen seien mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert: „Die Menschen müssen bei Wohnungs- und Jobsuche, Behördengängen und generell bei der Auseinandersetzung mit den Ämtern unterstützt werden.” Sie hofft, dass sich in Zukunft wieder mehr Menschen engagieren. Schließlich habe die wichtigste Aufgabe ja erst begonnen: Die Integration.

(dpa)