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Bus- und Bahnfahrer aufgepasst: Flächendeckender Warnstreik im Nahverkehr in NRW

Bus- und Bahnfahrer aufgepasst : Flächendeckender Warnstreik im Nahverkehr in NRW

Zu Fuß, Radfahren oder per Fahrgemeinschaft mit dem Auto ans Ziel kommen? Viele Arbeitnehmer und Schüler mussten am Dienstag sehen, wie sie ohne Bus und Stadtbahn in den Alltag starten. Grund ist ein Warnstreik. Auch der Heimweg wird nicht einfach werden.

Wegen eines Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr fallen seit Dienstagmorgen vielerorts Busse und Stadtbahnen in Nordrhein-Westfalen aus. Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Man rechne mit mehr als 10.000 Beschäftigten in NRW, die ihre Arbeit im Laufe des Tages niederlegen würden, sagte Gewerkschaftssprecher Tjark Sauer am frühen Dienstagmorgen. Auch in Aachen im Kreis Heinsberg und im Kreis Düren stehen zahlreiche Busse still. Bei regnerischem Wetter waren das Auto und Fahrgemeinschaften eine Alternative. Im Rheinland und im Ruhrgebiet mussten Autofahrer auf vollen Hauptverkehrsstrecken mehr Zeit einplanen. Andere fuhren mit dem Fahrrad oder gingen zu Fuß.

So warnte das Düsseldorfer Nahverkehrsunternehmen Rheinbahn, dass Straßenbahnen, U-Bahnen und Rheinbahn-Buslinien am Dienstag wegen des Warnstreiks nicht fahren. Es befördert werktags normalerweise 745.000 Fahrgäste in der Region. Auch das Kölner Verkehrsunternehmen KVB erklärte, dass bis Mittwoch 3 Uhr keine Stadtbahnen fahren. Im Busverkehr würden nur die Fahrten stattfinden, die nach Plan durch Subunternehmer durchgeführt werden. Die KVB weist auch darauf hin, dass der Eisenbahnverkehr nicht betroffen ist. „Die Streikmaßnahmen werden den Nahverkehr in Dortmund komplett stilllegen“, warnte das Dortmunder Verkehrsunternehmen DSW21 Fahrgäste auf seiner Homepage.

Auf den Autobahnen und wichtigen Bundesstraßen mussten Fahrer am Dienstagmorgen in den Ballungsräumen mehr Zeit einplanen. Nach einer Übersicht des Landesbetriebs Straßen.NRW kam es am Dienstagmogen an vielen Streckenabschnitten im Ruhrgebiet zu Staus mit 5 bis 20 Minuten Zeitverzögerung für die Autofahrer. In einem Abfahrtsbereich der A46 im Düsseldorfer Süden wurden sogar bis zu 60 Minuten Zeitverzögerung angezeigt. Auch in und um Köln sowie rund um Bonn waren viele Straßenabschnitte in der Stau-Übersicht rot gefärbt.

Verdi verlangt bundesweit einheitliche Regelungen beim Ausgleich von Überstunden und den Zulagen für Schichtdienste. Auf Länderebene wird zudem laut Verdi über Verbesserungen bei Arbeitszeitregelungen und der Eingruppierung verhandelt. Verdi-Chef Frank Werneke will in Wuppertal zu Beschäftigten sprechen. Es sei wegen des Warnstreiks bundesweit mit massiven Beeinträchtigungen im Nahverkehr zu rechnen. Man bedauere die Einschränkungen für die Fahrgäste sehr.

Begonnen hatten die Warnstreiks laut Verdi NRW mit der Frühschicht um 3 Uhr. Die Arbeitgeber hatten den Aufruf zum Warnstreik der Gewerkschaft als „Anschlag auf die Allgemeinheit“ kritisiert. Verdi sagte, die Arbeitgeber hätten mit ihrer Weigerung, über einen bundesweiten Rahmentarifvertrag zu verhandeln, „den Streik provoziert“. Nicht teilnehmen werden am ganztägigen Warnstreik nach früheren Angaben Beschäftigte der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft, der Bahnen der Stadt Monheim und der Stadtwerke Gütersloh.

Ulrich Silberbach, der Chef des Deutschen Beamtenbunds, verteidigte die Streiks bei Bussen und Stadtbahnen. „Wir brauchen einen bundesweiten Rahmentarif für die Nahverkehrsbetriebe. Es kann nicht sein, dass jeder Verkehrsbund für seine Mitarbeiter andere Pausen- und Wegezeiten sowie Überstunden- und Urlaubsregelungen vereinbart“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Er betonte: „Der ganztägige Warnstreik trifft Pendler und Schulkinder, das ist uns bewusst. Doch dafür sind die kommunalen Arbeitgeber verantwortlich, die von einem bundesweiten Rahmentarif nichts wissen wollen.“

(dpa)