Region/Düsseldorf: Filmkomponist James Newton Howard auf Deutschlandtournee

Region/Düsseldorf : Filmkomponist James Newton Howard auf Deutschlandtournee

Seit mehr als 30 Jahren schreibt James Newton Howard Filmmusik für die Traumfabrik Hollywood. Er vertonte Blockbuster wie „Pretty Woman“, „The Dark Knight“, „Das Bourne Vermächtnis“, „Die Tribute von Panem“ oder „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“.

Der 66-Jährige fühlt sich in fast allen Genres zu Hause und verknüpft elektronische und sinfonische Elemente mit lyrischen Momenten.

Batman Begins Christian Bale © 2005 Warner Brothers Photo courtesy of Warner Brothers PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 30221_048 Batman BEGINS Christian Bale © 2005 Warner Brothers Photo Courtesy of Warner Brothers PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 30221_048. Foto: imago/ Cinema Publishers Collection

Jetzt präsentiert James Newton Howard seine bekanntesten Melodien mit Sinfononieorchester und Chor auf einer Deutschlandtournee, Ende November kommt er dabei auch nach Düsseldorf. Olaf Neumann besuchte ihn vorab in seinem Studio in Los Angeles.

Film still or Publicity still from Pretty Woman Richard Gere and Julia Roberts © 1990 Touchstone Los Angeles CA USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xAmericanxPictorialxCollectionx 31571130 Film quiet or Publicity quiet from Pretty Woman Richard Gere and Juliet Roberts © 1990 Touchstone Los Angeles Approx USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xAmericanxPictorialxCollectionx. Foto: imago/ Cinema Publishers Collection

Mr. Howard, Sie starteten Ihre Karriere als Keyboarder in der Band von Elton John und gehen nun mit Ihrer eigenen Musik auf Tour. Bewegen Sie sich gerade zurück zu Ihren Wurzeln?

Im Bild: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) begibt sich in der Free-TV-Premiere des finalen Teils der "Tribute von Panem"-Saga in die Höhle des Löwen. #PanemUnite! ProSieben zeigt zum ersten Mal die komplette "Hunger Games"-Reihe im November 2017 Zum ersten Mal im Free-TV: ProSieben zeigt im November die vollständige "Tribute von Panem"-Reihe. Die einflussreichste Filmreihe der vergangenen Jahre startet am 1. November mit "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" und erlebt mit der Free-TV-Premiere von "Die Tribute von Panem: Mockingjay - Teil 2" am 12. November ihren aufregenden Abschluss. Die mit 2,9 Milliarden US-Dollar Einspielergebnis sensationell erfolgreiche Saga machte Jennifer Lawrence über Nacht zum Superstar und löste einen Trend im Kino aus. Gedreht wurde Teil 4 zu großen Teilen übrigens in Deutschland. © TM & 2015 LIONS GATE ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED. Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) Dieses Bild darf bis 13. November 2017 honorarfrei für redaktionelle Zwecke und nur im Rahmen der Programmankündigung verwendet werden. Spätere Veröffentlichungen sind nur nach Rücksprache und ausdrücklicher Genehmigung der ProSiebenSat1 TV Deutschland GmbH möglich. Nicht für EPG! Verwendung nur mit vollständigem Copyrightvermerk. Das Foto darf nicht verändert, bearbeitet und nur im Ganzen verwendet werden. Es darf nicht archiviert werden. Es darf nicht an Dritte weitergeleitet werden. Bei Fragen: Andrea Pernpeintner 089/9507-1193. Voraussetzung für die Verwendung dieser Programmdaten ist die Zustimmung zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Presselounges der Sender der ProSiebenSat.1 Media SE. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/25171 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/ProSieben". Foto: obs/ProSieben

James Newton Howard: Meine ersten Klavierstunden bekam ich bereits als Kind. Später spielte ich in verschiedenen Bands und hatte das große Glück, mit Elton John arbeiten zu dürfen. Ich ging mit ihm nicht nur auf Tournee, sondern auch ins Studio. Es fühlt sich auf jeden Fall vertraut an, jetzt wieder live zu spielen. Ich bin schon sehr aufgeregt, denn meine Tour führt mich sogar in die Royal Albert Hall, wo ich das letzte Mal mit Elton John war.

Wieso beginnen Sie Ihre Tournee in Europa und nicht in Ihrer Heimat?

Howard: Weil mich europäische Veranstalter darum gebeten haben. Eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor, auf Tour zu gehen, weil ich an so vielen Filmen arbeite. Aber der Veranstalter meinte, es könnte doch spannend für mich sein, meine Filmmelodien einmal live aufzuführen. Und jetzt mache ich das einfach. In Amerika hat mich noch niemand gefragt, ich vermute, Filmmusikkonzerte sind hier wahrscheinlich nicht so beliebt wie in Europa. Aber ich kann mich auch täuschen.

Als Komponist verbringt man ja viel Zeit am Schreibtisch und im Studio. Vermissen Sie Live-Auftritte?

Howard: Ich vermisse den Austausch mit dem Publikum. Ich verbringe seit 30 Jahren viel Zeit in dunklen Räumen, in denen ich Musik schreibe, die dann hinaus in die Welt geschickt wird. Ich weiß überhaupt nicht, wen ich damit erreiche. Ich bin erst auf Facebook, seit wir die Tour geplant haben. Dort bekomme ich wundervolle Nachrichten von Menschen, denen meine Musik etwas bedeutet. Jetzt will ich auch raus und diese Leute persönlich treffen.

Vier oder fünf Nominierungen bei der letzten Oscar-Verleihung gingen an jüngere, unabhängige Komponisten wie Hauschka aus Düsseldorf oder Jóhann Jóhannsson aus Reykjavík. Ändert sich gerade etwas an der Art, wie Soundtracks komponiert werden?

Howard: Es ist manchmal schwer zu ergründen, wie die Academy künstlerische Leistungen bewertet. Viele der Oscar-Nominierten haben tolle Soundtracks geschrieben. Mein Eindruck ist, dass heute mehr experimentiert wird als früher. Die Musik ist insgesamt minimalistischer geworden. Eine Entwicklung, die mir gefällt. Alles, was die Story eines Films voranbringt, ist gut. Du kannst einen noch so brillanten Score schreiben, aber wenn du Pech hast, setzt der Regisseur ihn nur sehr leise ein und man kann ihn unter Umständen gar nicht hören.

Bekommen Sie in der Regel freie Hand oder wollen die Produzenten beim Soundtrack immer ein Wörtchen mitreden?

Howard: Alle wollen mitreden. Aber in den meisten Fällen habe ich schon freie Hand. Soundtrack schreiben passiert immer in Partnerschaft. Ich erwarte von einem Produzenten oder Regisseur geradezu, dass er meine Arbeit kommentiert und Änderungsvorschläge macht. Das liegt in der Natur der Sache. Ein Komponist kann nicht im Elfenbeinturm arbeiten.

Wann fängt Ihre Arbeit an?

Howard: Am liebsten so früh wie möglich. Also wenn die Dreharbeiten noch nicht begonnen haben. Ich lese das Drehbuch, spreche mit dem Regisseur und fange an, Ideen zu entwickeln. Die schicke ich dann dem Regisseur und er kommentiert sie. Meistens positiv. Oft entwickelt sich ein Soundtrack aus den ersten Tönen heraus, die ich geschrieben habe. Regisseure arbeiten beim Montieren des Films gern mit fertiger Musik aus anderen Filmen, um zu schauen, ob der Schnitt funktioniert. Erst dann bitten sie einen Komponisten, etwas für ihren Film zu schreiben. Aber es ist schwer, diese fertigen Sachen durch etwas Eigenes zu ersetzen.

Gibt es bestimmte Szenen, für die Sie besonders gerne Musik schreiben?

Howard: Ich mag romantische Szenen, wenn sie dunkel, voller Konflikte und tiefgründiger Gefühle sind. Denn dann sind sie komplexer.

Nach dem Hauptthema des letzten Harry-Potter-Films suchten Sie über ein halbes Jahr. Wie lassen Sie sich in solchen Situationen inspirieren?

Howard: Wenn du als kreativer Mensch nach zahlreichen Versuchen noch immer kein Ergebnis erzielt hast, gibt es nur eine Lösung: Bleib so lange sitzen, bis es einfach passiert! Das mache ich immer, wenn mir nichts einfällt. Das Suchen nach einer Idee ist manchmal eine physische Herausforderung, weil es sehr erschöpfend ist. Es gibt aber keine andere Lösung. Am Strand kommen dir keine guten Ideen. Vielleicht klappt das ja bei anderen, bei mir aber nicht. Mein Job ist nicht besonders romantisch.

Wie wichtig ist den Regisseuren die Musik?

Howard: Ich frage mich manchmal, warum ich überhaupt engagiert wurde, denn es gibt auch Regisseure, die Filmmusik keine große Bedeutung beimessen. Für sie ist Musik nur ein Hintergrundrauschen und kein Mittel, um Geschichten zu erzählen. Solche Filme interessieren mich nicht so sehr. Ich suche immer nach Möglichkeiten, große Klänge zu machen.

Filme wie „Die Tribute von Panem“ oder „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ werden von manchen Kritikern als künstlerisch weniger wertvoll eingestuft, aber hier hat ein Filmkomponist die tollsten Möglichkeiten. Ich arbeite am liebsten mit einem sehr großen Orchester an Filmen, die zwei Stunden Musik benötigen.

Geht es Ihnen immer darum, Musik zu schreiben, die die Handlung vorantreibt und gleichzeitig auch ohne den Film funktioniert?

Howard: Das wäre der Idealfall. Ich lege immer Wert darauf, Musik zu komponieren, die allein bestehen kann. Noch wichtiger ist aber, dass die Musik den Film unterstützt und Teil des Schaffensprozesses ist.

Mit dem von Jennifer Lawrence gesungenen Titel „The Hanging Tree“ aus „Die Tribute von Panem“ gelang Ihnen in Deutschland ein Nummer-1-Hit. War es Ihre Idee, den Song als Single auszukoppeln?

Howard: Es war eher ein glücklicher Zufall. Der Regisseur Francis Lawrence bat mich, Musik für Jennifer Lawrence‘ Stimme zu schreiben — und es hat sehr gut funktioniert. Ich wollte das Lied auf mein eigenes Album packen. Jennifer war damit einverstanden, so lange sie es nicht noch einmal singen musste. Sie singt nämlich nicht so gerne. Nichtsdestotrotz wurde das Lied häufig im Radio gespielt und es entwickelte sich zu einem großen Hit, der einige Remixe nach sich zog.

Wie sehr bestimmt die Arbeit Ihr Leben?

Howard: Ich gehe jeden Morgen um neun Uhr in mein Studio und schreibe bis zum Mittag. Nach einer halbstündigen Pause arbeite ich bis 18 Uhr weiter. Inzwischen versuche ich, an den Wochenenden nicht mehr zu arbeiten. Ich brauche auch Zeit für meine Familie. Manchmal lässt sich das aber nicht vermeiden. Ich gelte als schneller Schreiber. Früher dachte ich immer, schnell geschriebene Musik hat weniger Qualität als langsam geschriebene. Bis ich eine Biografie über den großen Filmkomponisten Bernard Herrmann („Psycho“) las. Er kam auch immer sehr schnell zum Ziel. Seitdem fühle ich mich besser.

Besitzen Sie eigentlich die Rechte an Ihren Soundtracks?

Howard: Große Studios besitzen in der Regel die Rechte an den Soundtracks. Ich schreibe die Musik oft im Auftrag von Sony oder Fox. Ich bekomme zwar einen Anteil an den Einnahmen, aber sie kontrollieren, was mit meiner Musik passiert. Es sei denn, es ist ein kleiner Film. Wenn sie einem nicht viel bezahlen können, geben sie einem dafür die Publishing-Rechte. Für mich ist ausschlaggebend, an einem guten Film mitzuarbeiten. Und manchmal verfügt ein guter Film nur über ein kleines Budget. 25 Millionen Dollar sind nicht viel für eine Produktion, die Hollywood-Filme kosten ja 200 Millionen und mehr.

Sie wurden achtmal für einen Oscar nominiert und mit jeweils einem Emmy und einem Grammy ausgezeichnet. Braucht man ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, wenn man sich im Haifischbecken von Hollywood durchsetzen will?

Howard: Ich hatte großes Glück, ich fühle mich privilegiert, dass ich seit über 30 Jahren Musik für Filme schreiben darf. Ich habe mit brillanten und liebevollen Menschen zusammengearbeitet. Aber es ist schon ein schwieriges Milieu. Man muss sehr geduldig sein, wenn man es hier schaffen will. Ein Komponist fungiert für den Regisseur wie ein Psychologe oder ein Bruder, indem er ihn seelisch unterstützt.

Die Musik ist ein Teil des Films, mit dem man einen Regisseur sehr ängstigen kann, denn er spricht in der Regel nicht die Sprache der Musik. Er weiß oft nicht zu beschreiben, was er will. Als Komponist muss ich ihm dabei helfen, seine Gefühle zu artikulieren. Ich muss geduldig sein und Anteilnahme zeigen können.

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