Monschau: Feuersbrunst verwüstet das Hohe Venn

Monschau: Feuersbrunst verwüstet das Hohe Venn

Ein Großbrand hat rund ein Fünftel des belgischen Naturschutzgebietes Hohes Venn bei Aachen vernichtet. Das Feuer in dem Hochmoor sei unter Kontrolle, sagte Einsatzleiter Claudy Marchal am Dienstag. Zwei Feuerwehrmänner seien bei den Löscharbeiten leicht verletzt worden. Es sei der größte Brand dort seit 60 Jahren. Rund 1000 Hektar seien vernichtet.

„Zur Brandursache kann man noch nicht viel sagen. Offensichtlich war es eine Unachtsamkeit”, sagte Marchal. Die Behörden schließen Brandstiftung nicht aus. Wegen der extremen Trockenheit war das Venn für Wanderer gesperrt, an den Randbereichen aber begehbar. Nach Angaben des flämischen Rundfunks VRT sind rund 300 Feuerwehrleute im Einsatz. Sie versuchten auch mit Löschhubschraubern, die Flammen zu bekämpfen.

Hilfe aus Nordrhein-Westfalen

300 belgische und deutsche Feuerwehrleute aus der gesamten Region kämpften die ganze Nacht gegen den Brand und konnten die Flammen schließlich unter Kontrolle bringen. Unter ihnen waren auch Brandbekämpfer aus Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben der zuständigen Bezirksregierung Köln waren bis zum frühen Dienstagmorgen 237 Feuerwehrkräfte aus Monschau, Aachen und benachbarten Städten und Gemeinden im Einsatz. Für ihre Ablösung rückten am Dienstagmorgen 179 Feuerwehrleute aus Köln und dem Rhein-Erft-Kreis sowie ein Versorgungszug des Deutschen Roten Kreuzes nach.

Allerdings stellte sich im Laufe des Dienstag heraus, dass sie nicht mehr benötigt werden. Die Anforderung der deutschen Feuerwehrleute erfolgte nach einem vorab festgelegten überörtlichen Notfallplan.

„Das Feuer weitet sich nicht mehr aus. Es wird aber noch Tage dauern, die Flammen zu löschen”, zitierte die Nachrichtenagentur Belga Feuerwehrsprecher Vincent Bastin am Dienstag. In der Nacht hatte die hunderte Meter lange Feuersbrunst den Himmel über der Region erleuchtet.

Die Brandbekämpfung erwies sich als sehr schwierig, da das Feuer das Hochmoor erfasste, was nur sehr schwer zu löschen ist. Es soll sich um den größten Brand im Hohen Venn seit 60 Jahren handeln.

Die Feuerfront hatte sich am Montag bei Nord-Ost-Wind in Richtung der belgischen Ortschaft Sourbrodt ausgedehnt. Sie war auf belgischer Seite im wallonischen Teil des Venns entstanden, ist aber mittlerweile unter Kontrolle.

Der Brandherd lag nach Angaben der wallonischen Natur- und Waldbehörde (DNF) in der Nähe des Mockel-Kreuzes in der Gemeinde Baelen. Für die Provinz Lüttich wurde der Katastrophenzustand ausgerufen. Das Löschgerät musste mühsam kilometerweit zum Einsatzort transportiert werden. Auch ein belgischer Löschhubschrauber war im Einsatz.

Um die Löscharbeiten zu forcieren, hatte die Monschauer Wehr, die bis auf einen Zug komplett ausgerückt ist, zur Unterstützung das Großtanklöschfahrzeug aus Eicherscheid und den Schlauchwagen aus Lammersdorf angefordert. Auch ein Kommandowagen der Stolberger Feuerwehr wurde hinzugezogen.

Zwischenzeitlich war auch ein Rettungshubschrauber im Einsatz, der über dem Brandgebiet kreiste und - zum Glück vergeblich - nach Wanderern Ausschau hielt, die dort allerdings nicht hätten sein dürfen. Denn wegen der akuten Waldbrandgefahr ist das Hohe Venn bereits seit Tagen mit roten Fahnen gesperrt. Das Feuer wird weiterhin mit Hubschraubern aus der Luft überwacht.

In der Nacht zum Dienstag haben hunderte Schaulustige auf belgischer Seite teilweise die Zufahrt ins Venn und damit die schwierigen Löscharbeiten behindert.

Das traumhafte Frühsommerwetter der vergangenen Tage mit hohen Temperaturen und Sonne satt hat das Gras und Gestrüpp im Venn völlig ausgetrocknet. Ein kleiner Funke reicht aus, um ein Feuer dieses Ausmaßes zu entfachen.

Eine Bilanz lag am Dienstag zunächst nicht vor. Aber es sei gelungen, ein Übergreifen der Flammen auf den staatlichen Forst zu verhindern, sagte DNF-Sprecher Léo Schlembach laut Belga. Auch die Tierwelt sei nicht dramatisch betroffen worden. Insgesamt sei das Ausmaß nicht so schlimm wie befürchtet.

Hintergrund: Hohes Venn ist Natur pur

Das Naturschutzgebiet Hohes Venn in der Eifel ist eine Hochebene mit Mooren und Heide. Es liegt in einem Dreieck zwischen Eupen und Malmédy auf belgischer und Mützenich auf deutscher Seite. Diese in Europa rar gewordene Landschaft bietet Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen: Das Birkhuhn, die Hochmoor-Mosaikjungfer - eine Libellenart - sowie Wollgras oder Torfmoos. Unzählige Sträucher mit Preisel- und Blaubeeren wachsen im Hohen Venn. Das etwa 5000 Hektar große Areal erstreckt sich zum größten Teil auf belgischem Gebiet; es ist Belgiens größtes Naturschutzgebiet.

Das Naturschutzgebiet Hohes Venn ist Teil des Naturparks Hohes Venn Eifel. Im Hohen Venn sind die Vorschriften strenger als im Naturpark: Es ist nicht bewohnt und dort darf nicht gebaut oder gejagt werden. „Das ist Natur pur”, sagt Didier Mackels vom Naturparkzentrum im belgischen Robertville. Pro Jahr besuchen etwa 200.000 Menschen, meist Wanderer aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden, das Gebiet.