Feuer im Gymnasium Schleiden: 15-Jähriger aus Kreis Euskirchen gesteht

Millionenschaden am Gymnasium Schleiden : Ein 15-Jähriger soll der Serienbrandstifter sein

Monatelang fahndete die Ermittlungskommission „Blume“ nach einem Serienbrandstifter im Kreis Euskirchen. Er soll alleine drei Feuer im Gymnasium Schleiden gelegt haben. Nun wird ein Jugendlicher dem Haftrichter vorgeführt.

Um 1.38 Uhr rannten zwei Polizistinnen zusammen vom Tatort weg, obwohl ihre Arbeit dort gerade erst begonnen hatte. Die Feuerwehrleute zuckten die Schultern, Zeugen schüttelten den Kopf, dann waren die Beamtinnen nicht mehr zu sehen. Ein Carport, der gleich neben ein Mehrfamilienhaus in Schleiden-Oberhausen gebaut worden war, stand in Flammen, das Feuer drohte, auf das Wohnhaus überzugreifen. Was zum Teufel war nur in die beiden Frauen gefahren?

Kurz zuvor hatten Zeugen der Polizei in Euskirchen mitgeteilt, dass sie einen Fahrradfahrer vom Tatort hatten wegfahren sehen, kurz nachdem der Carport um 1.20 Uhr in der Nacht zum Freitag Feuer gefangen hatte. Streifenwagen suchten in der Nähe des Tatortes nach dem Fahrradfahrer und fanden ihn um 1.38 Uhr. Als sie ihn überwältigt hatten, riefen sie Verstärkung, die beiden Polizistinnen vom Tatort rannten zur Hilfe.

Der Fahrradfahrer ist 15 Jahre alt und wohnt in der Gemeinde Hellenthal, im Laufe des Freitagvormittags gestand er, den Carport in Oberhausen angezündet zu haben. Außerdem gestand er, sechs weitere Brände gelegt zu haben, unter anderem drei am Sturmius-Gymnasium in Schleiden vergangenen Herbst. Sie hatten einen Schaden in Millionenhöhe verursacht, wie Katja Schlenkermann-Pitts am Nachmittag mitteilte, die Sprecherin der Aachener Staatsanwaltschaft.

Seit Herbst sind in Hellenthal und Schleiden zehn Brände gelegt worden, betroffen waren Wohnhäuser, Schuppen, eine Kirche und ein Sägewerk. Die Euskirchener Polizei richtete die Ermittlungsgruppe „Blume“ ein, schon früh gelang es den Beamten, mit Fotos nach dem Täter zu fahnden. Die Fotos zeigen einen dünnen, eher kleinen Menschen in dickem Anorak mit vermummtem Gesicht. Hinweise gab es, doch der Täter wurde zunächst nicht gefunden.

Eine Brandstiftung folgte auf die nächste, immer wieder wurden die Tatorte aufwendig nach Spuren abgesucht, Zeugen gesucht, Zeugen befragt, doch die Suche blieb vergebens.

Das Foto des Brandstifters entstand vergangenen Herbst im Sturmius-Gymnasium in Schleiden. Dennoch dauerte es noch fast ein halbes Jahr, bis die Polizei ihn festnehmen konnte. Foto: Polizei/Küpper, Franz

Am Freitag dann gestand der 15-Jährige, sieben dieser Brände gelegt zu haben. Drei Fälle sind demnach noch ungeklärt, unter anderem der Brandanschlag am 7. Februar auf das Sägewerk in Schleiden-Harperscheid, der einen Schaden in Höhe von etwa fünf Millionen Euro verursacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft hält es nicht für ausgeschlossen, dass der 15-Jährige auch diese drei Taten noch gestehen könnte. Das Motiv des Jugendlichen sei völlig offen, sagte Oberstaatsanwältin Schlenkermann-Pitts, er habe dazu „keine brauchbaren Aussagen“ gemacht. Allerdings sei er weder polizeibekannt noch vorbestraft.

Wegen der Schwere der Brandstiftungen beantragte die Aachener Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den 15-Jährigen, über den das Amtsgericht Schleiden wahrscheinlich noch am Freitag entscheiden wird. Auf die Frage, ob der Jugendliche gesundheitlich beeinträchtigt sei, wollte Schlenkermann-Pitts am Freitag keine Antwort geben.

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