Maastricht: „Fashion My Religion!“: Maastrichter Modefestival „Fashionclash“ startet

Maastricht : „Fashion My Religion!“: Maastrichter Modefestival „Fashionclash“ startet

Kleider oder Kuchen? Beides kann Suchtpotenzial haben, beides kann man teilen. In diesem Sinne erhebt das 10. Maastrichter Modefestival „Fashionclash“ Mode zur Religion. Unter dem herausfordernden Motto „Fashion My Religion!“ geht es nicht nur um den schönen Schein, sondern auch um den Grundgedanken von Religion: das Zusammenkommen von Menschen, das Teilen in Gemeinschaft.

Dass auch äußere Wahrheiten wie Kleider dabei eine Rolle spielen, ist nichts Neues. Religiöse Reliquien und Schätze haben Modemacher schon immer inspiriert. So sind auch jetzt die Lieblingskleidungsstücke der „Fashionclash“-Organisatoren zu Ehren gekommen: Für die Plakate des Festivals hat ein niederländisches Designerbüro Bluse, T-Shirts, Schuhe und Strümpfe von Laurens Hamacher, Nawie Kuiper, Branko Popovic und vier anderen Organisatoren als knallbunte köstliche Marzipantorten gestaltet und fotografiert.

Was vor zehn Jahren mit etwa 50 vornehmlich regionalen Designern begann, hat längst Kultstatus bekommen — sowohl bei den teilnehmenden Designern als auch beim Publikum. „Wir sind sehr gewachsen in den letzten Jahren“, sagt Laurens, der zusammen mit Nawie und Branko das Festival ins Leben gerufen hat. Die Teilnehmer reißen sich heute ums Mitmachen, rund 400 Bewerbungen gab es in diesem Jahr. Ausgewählt wurden rund 100 — und zwar solche, die am besten zum Motto passen.

„Für uns zählt nicht die Masse, sondern die Klasse“, sagt Laurens. Das Motto „Fashion My Religion!“ kommt nicht von ungefähr. Eigentlich hatte man vor mehr als einem Jahr längst ein anderes Thema für das zehnte Festival ausgesucht, „doch dann fanden wir, dass Religion zurzeit eines der relevantesten Themen in der Welt ist“, sagt Laurens. „Wir wollten einen Anstoß geben und haben gefragt: Was sind die Gedanken von Designern zu dem Thema?“

So ist eine wohlkalkulierte Atmosphäre der Anspannung entstanden: Mode versus Religion, Innovation versus Tradition. Historischen Absolutheiten werden moderne Wahrheiten gegenübergestellt, indem das Festival jenseits des schönen Scheins tief in soziale Themen wie Feminismus und Menschenrechte einsteigt.

Mutig widmet sich „Fashionclash“ einem der kontroversesten Themen der heutigen Zeit: Religion und ihre Beziehung zu Geschlecht, Kleidung und Haartracht. Teilnehmer und Besucher sind herausgefordert, bestehende religiöse Traditionen und Tabus im Rahmen von Mode zu erforschen, aufzudecken und zu durchbrechen.

Wie das gehen kann, zeigt zum Beispiel das „Koorkappen Projekt“: Geschaffen wurden moderne Designerstücke, die von Chorgewändern aus dem 18. Jahrhundert inspiriert sind. Beides zusammen ist noch bis 24. Juni im Bonnefanten Museum zu sehen.

Die Idee dazu ging einher mit der Heiligtumsfahrt, die Maastricht in diesem Jahr ausrichtete. Sie wurden dort bei einem Umzug gezeigt. Womit man wieder bei der Tradition wäre. Und bei der Kleidung. Und bei der Mode.

Ein Wochenende im Zeichen der Mode

Das 10. Fashionclash-Festival findet noch am Samstag und Sonntag unter dem unter dem Motto „Fashion my Religion!“ in Maastricht statt.

Hauptprogramm ist „The Route“, eine inspirierende Pilgertour durch die Innenstadt, die verschiedene Aktivitäten, Aufführungen und Events an 26 Orten bietet, unter anderem im Centre Ceramique, im Bonnefantenmuseum, im Kaufhaus De Bijenkorf oder im Mosae Forum.

Im Bonnefanten Museum ist zum Beispiel das „Koorkappen Projekt“zu sehen (bis 24. Juni). Es zeigt moderne Designerentwürfe, die auf der Grundlage von traditionellen Chorgewändern entstanden sind, die ebenfalls ausgestellt sind.

Ein Folder mit den teilnehmenden Stationen liegt in der Innenstadt an vielen Orten aus.

Das Programm im Internet: www.fashionclash.nl

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