Fahrradklima-Test 2018: Aachen schneidet schlecht ab

Bundesweiter Vergleich : Aachen schneidet in Rad-Umfrage schlecht ab

Münster ist nicht mehr die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, aber die Stadt nimmt es sportlich. Aachen schneidet dagegen in dem bundesweiten Vergleich schlecht ab – ein Abwärtstrend, der seit 2012 anhält.

Radfahrer in Nordrhein-Westfalen haben ihrem Bundesland für seine Radwege eine Vier gegeben und sind damit unzufriedener als zuvor. Das ergab das neue Ranking des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), das am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt wurde. Bei der Umfrage vor zwei Jahren hatte NRW noch eine 3,9 erreicht, wie der ADFC-Landesvorsitzende NRW, Thomas Semmelmann, sagte. Nun erhielt das Land eine 4,1.

Noch schlechter als der ohnehin schon schlechte Landesschnitt steht auch Aachen da. Es reicht mit einer Note von 4,3 nur für ein Ausreichend. Im bundesweiten Vergleich landet Aachen auf Platz 21 von 25 Städten mit ähnlicher Größe. Besonders bemängelt wurden die Fahrradmitnahme im Öffentlichen Vekehr, die Breite der Radwege und die Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Mit „gut“ wurde hingegen die geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung bewertet. Seit 2012 hat sich die Bewertung Aachens von 3,8 auf 4,3 verschlechtert.

Der ADFC Aachen hat die leichte Verschlechterung zum letzten Fahrradklimatest so erwartet. „Es hat sich viel zu wenig getan, und den Radfahrern wird nach wie vor zu wenig Raum im Straßenverkehr eingeräumt“, sagte Monika Volkmer vom ADFC Aachen auf Anfrage. Schwere Fahrradunfälle – dieses Jahr gab es bereits einen tödlichen Unfall – führen immer wieder zu Diskussionen um die Fahrradfreundlichkeit der Stadt.

Nur wenig besser schnitten Würselen und Düren mit der Note 4,2 und Kreuzau mit 4,0 ab. Ein Befriedigend schaffte nur Erkelenz mit einer Note von 3,66. In Erkelenz wurde besonders die Wegweisung für Radfahrer, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und das zügige Radfahren gut bewertet. Schlusslicht aus der Region ist Wegberg mit 4,39.

Münster, das seit sechs Jahren als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands ausgezeichnet wurde, landete dieses Mal nicht auf Platz eins. In der Kategorie der Städte mit 200.000 Einwohnern wurde Münster (Note 3,25) von Karlsruhe (3,15) überholt. „Münster hat es verschlafen weiterhin an seiner Infrastruktur zu arbeiten. In den letzten 15 Jahren wurden die Bewertungen kontinuierlich schlechter“, sagte Semmelmann.

Der Oberbürgermeister der Stadt, Markus Lewe (CDU), gab zu: „Wir wissen, dass die Infrastruktur mit Blick auf die steigende Zahl der Radfahrerinnen und Radfahrer nicht mehr überall zeitgemäß ist.“ Die Stadt wolle etwa weitere Fahrradstraßen ausweisen.

Orte aus dem Münsterland schnitten bei der Umfrage gut ab. So dominierten etwa die Städte Bocholt (Note 2,39, 50.000-100.000 Einwohner) und Reken (1,97, bis 20.000) in ihren Kategorien. Der Sonderpreis für die familienfreundlichste Fahrradstadt ging ebenfalls in die Region - nach Wettringen. Die Städte seien konsequent in der Radverkehrsförderung, erläuterte Semmelmann. Dadurch rücke das Radfahren stärker in den Fokus der Menschen.

Die Verlierer der Umfrage kamen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen: Köln, Remscheid und Lüdenscheid belegten in ihren Kategorien die letzten Plätze. Laut ADFC wurde in großen Städten jahrelang nur für das Auto geplant. Radfahrer und Fußgänger wurden in den Seitenbereich gedrängt. Der ADFC fordere deshalb breite und vom Autoverkehr abgetrennte Radwege, außerdem Radschnellwege für Pendler und bessere Möglichkeiten zum Abstellen.

Bundesweit hat die Unzufriedenheit der Radfahrer mit den Radwegen weiter zugenommen. Für das Fahrradklima verteilten die Befragten eine Gesamtnote von 3,9 - also ausreichend. Bemängelt wurde vor allem, dass Radwege zu schmal seien oder von Falschparkern blockiert würden. Dreiviertel der Befragten hätten außerdem ein schlechtes Gefühl, ihre Kinder allein auf dem Rad fahren zu lassen.

„Deutschland hätte mehr Rad- und weniger Autoverkehr dringend nötig - aber Politik und Verwaltung tun zu wenig, um das Radfahren attraktiv und alltagstauglich zu machen“, sagte ADFC-Bundesvorstand, Rebecca Peters.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kündigte indes an, den Radverkehr in Deutschland mit gesetzlichen Änderungen attraktiver und nutzerfreundlicher machen zu wollen. Denkbar sei zum Beispiel, Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr zu öffnen. Scheuer sagte am Dienstag, das Verkehrsministerium stelle 2019 Rekordmittel in Höhe von rund 200 Millionen Euro für den Radverkehr bereit. Damit würden etwa Radwege an Bundesstraßen und Radschnellwege gefördert. Klar sei aber auch: Die Städte und Kommunen seien für die Kontrolle und die Radwege vor Ort zuständig.

Der Fahrradklima-Test des ADFC ist ein Zufriedenheitsindex von Radfahrern. Teilnehmer können alle zwei Jahre in 32 Fragen die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt bewerten. Bundesweit nahmen 170.000, in NRW über 41.000 Menschen an der Umfrage teil - 40 Prozent mehr als beim letzten Mal. Bewertet wurden bundesweit mehr als 680 Städte, knapp 170 davon in NRW.

Das Bundesverkehrsministerium fördert den Test mit rund 195.000 Euro. Der ADFC ist die größte Interessenvertretung von Radfahrern in Deutschland. Er setzt sich für die Förderung des Radverkehrs ein und berät unter anderem in rechtlichen und technischen Fragen rund ums Radfahren.

(jas/dpa)
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