Wolf in Fotofalle: Experten sind unsicher, ob der Wolf im Hohen Venn bleiben wird

Wolf in Fotofalle : Experten sind unsicher, ob der Wolf im Hohen Venn bleiben wird

Die Meldung sorgte am Wochenende für Aufsehen. Im belgischen Teil des Hohen Venns ist am 28. Juni ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Entsprechende Aufnahmen veröffentlichte der wallonische Umweltminister René Collin am Freitagabend mit dem Hinweis, das Tier sei von französischen Forschern eindeutig als Wolf identifiziert worden.

Auch das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz in NRW (Lanuv) wurde am Montag vom belgischen Ministerium über die Sichtung auf belgischer Seite informiert. „Der Ort der Beobachtung liegt rund 30 Kilometer westlich der deutsch-belgischen Grenze“, erklärte Pierre Wiliquet, Sprecher des Ministers auf Anfrage unserer Zeitung. Nähere Angaben machte er nicht. Ist „Isegrim“ damit also nach weit mehr als hundert Jahren in unsere Region zurückgekehrt?

Für Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann ist derzeit noch völlig unklar, ob sich der Wolf im Hohen Venn dauerhaft angesiedelt hat. „Ein einzelnes Foto reicht nicht als Beweis“, erklärte er am Montag. Um sicher zu sein, dass es sich bei dem Tier nicht nur um einen durchziehenden Wolf gehandelt hat, seien mehrere Fotonachweise oder positive DNA-Proben erforderlich.

Die lägen bisher aber nicht vor. Deshalb beteilige sich sein Amt auch nicht an Spekulationen, ob der in der Wallonie beobachtete Beutegreifer sein Revier bis in die Eifel ausdehnen könnte. „Nordrhein-Westfalen ist weiterhin Wolfserwartungsland, aber noch kein Wolfsland“, betonte Deitermann.

Des einen Freud, des anderen Leid

Peter Schütz, stellvertretender Pressesprecher des Umweltministeriums NRW, konnte ebenfalls nichts Konkretes zu dem Fall im belgischen Teil des Hohen Venns sagen. Wenn ein Wolf in NRW gesichtet und fotografiert werde, dann schicke das Lanuv das Material an die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

„Anhand des Fotos kann auf Anhieb erkannt werden, um was für ein Tier es sich handelt“, sagte Schütz. In NRW sei das System der Bildidentifizierung sehr streng. Da die Aufnahme in Belgien gemacht wurde, „müssen die Belgier das selbst in die Hand nehmen“, sagte Schütz. Generell sei ein Vorkommen nicht nur über DNA-Proben nachweisbar, sondern durchaus auch über Film und Foto — „wenn das Material geeignet ist.“

xxx Fotos: dpa/Gouvernement Wallon. Foto: dpa/Gouvernement Wallon

Während die Rückkehr des Wolfes der einen Freud ist, ist es der anderen Leid. „Sowas hat immer zwei Seiten“, sagte Hermann Carl. „Wichtig ist, dass ein Weg dazwischen gefunden wird. Wenn der Wolf hier einwandert, dann haben wir damit zu leben, ob es uns passt oder nicht.“

Hermann Carl ist einer der Wolfsberater, die im Zuge des Arbeitskreises „Wolf in NRW“ vom Lanuv ausgebildet wurden. Damit bereitet sich NRW seit 2009 auf die Rückkehr des Wolfes vor. Ziel ist es, Konzepte zu erarbeiten, die „das Nebeneinander von Mensch und Wolf gewährleisten sollen“, wie es auf der Internetseite des Lanuv heißt. Auch ein Verfahren für die Entschädigung von Nutztierrissen wurde entwickelt.

„Die Beobachtung in der Wallonie hat keine Auswirkung aus unsere bisherige Wolfspolitik“, betonte Peter Schütz. Bislang gibt es von seinem Ministerium die Zusicherung, Schäfer oder Bauern finanziell zu entschädigen, sollte eines ihrer Nutztiere von einem Wolf gerissen werden. Präventionsmaßnahmen, wie etwa die Anschaffung von Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden, werden jedoch nur in Gebieten finanziell gefördert, in denen sich die Kaniden fest angesiedelt haben und die damit zum Wolfsland geworden sind.

„Das ist nur dann der Fall, wenn sich ein Wolf mindestens drei Monate lang in einem Gebiet aufgehalten hat oder ein Wolfsrudel nachgewiesen werden kann“, erklärte Schütz. „Seit 2009 haben wir immer mal wieder Jungtiere aus Niedersachsen hier gehabt oder Fernwanderer aus Bereichen, in denen der Wolf nicht als ausgestorben gilt, beispielsweise aus Italien. Die Wölfe waren aber immer nur wenige Tage in NRW. Irgendwann könnte sich daraus auch sicherlich hier ein Vorkommen etablieren. Bislang ist das allerdings nicht passiert“, erklärte er.

DNA-Proben sammeln

Das Lanuv führt auch ein Wolf-Monitoring durch. Dabei werde Hinweisen nachgegangen, um den Populationsstatus oder das Verhalten von Tieren einschätzen zu können. „Im Falle von Nutztierrissen ist es wichtig, uns innerhalb von 24 Stunden zu informieren“, sagte Wolfsberater Carl. Dann könnten Genproben genommen werden, mit Hilfe derer man einen Wolf nachweisen oder ausschließen könne. „Jede DNA-Probe muss gesammelt werden. So kann man später auch ein bestimmtes Wanderverhalten untersuchen, sollte die DNA des gleichen Wolfes an unterschiedlichen Stellen festgestellt werden“, sagte Peter Schütz.

Wolfsberater Carl verwies noch einmal darauf, dass der Wolf nicht bejagt werden darf, weil er nicht im Jagdrecht aufgenommen ist. Eine Ausnahme stellten sogenannte Problemwölfe dar. „Das sind Tiere, die ein auffälliges Verhalten zeigen, etwa sich den Menschen nähern oder um Waldkindergärten schleichen.“ Normal seien Wölfe extrem scheu und mieden jeglichen Kontakt zum Menschen. Sollte man einem Wolf begegnen, solle man nicht weglaufen. „Groß machen, in die Hände klatschen und langsam zurückgehen.“

Laut der DBBW wurden im Monitoringjahr 2016/17 in Deutschland 60 Wolfsrudel und 13 territoriale Paare sowie drei territoriale Einzeltiere bestätigt. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich etwa von der Weichsel in der Mitte Polens bis nach Niedersachsen.

Das größte zusammenhängende Vorkommensgebiet dieser Population liegt in der Lausitz. In Deutschland wurden Wolfsrudel außer in Brandenburg (22) und Sachsen (14) auch noch in Sachsen-Anhalt (11), Niedersachsen (10) und Mecklenburg-Vorpommern (3) nachgewiesen. Wolfspaare ohne Reproduktion wurden in Brandenburg (3), Sachsen (4), Niedersachsen (4) und Bayern (2) bestätigt, territoriale Einzelwölfe in Thüringen (1) und Niedersachsen (2).

Einzelne Nachweise von durchwandernden Wölfen gab es aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Hessen, wie es im letzten Statusbericht der DBBW heißt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Rückkehr des Wolfs nach NRW

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