Leser auf Entdeckungstour: Exklusiver Einblick in die Abtei Mariawald

Leser auf Entdeckungstour : Exklusiver Einblick in die Abtei Mariawald

Gotthard Kirch hätte am Sonntag ein großes Phrasenschwein ganz alleine füllen können. Der Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus, der mit unserer Zeitung den fünften großen Wandertag für Aboplus-Leser organisiert hatte, stand am Sonntag auf dem Heimbacher Meuchelberg. Und sobald kleine Wandergruppen auf der Kuppe des Umlaufberges standen, sagte er: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“

Der Nebel war schuld. Er legte sich den gesamten Vormittag über das Heimbacher Staubecken, verhinderte einen Blick aus 373 Metern Höhe auf das pittoreske Wasserkraftwerk.

Wer um den Heimbacher Meuchelberg wandert und aus dem Wald herauskommt, erblickt zuallererst das imposante Wasserkraftwerk im Jugendstil. Es war eine Station des fünften großen Wandertages unserer Zeitung. Foto: C. Rose

Das Wetter spielte nicht mit, gegen 12 Uhr entwickelte sich der anfängliche Niesel- auch noch zu einem Starkregen. An die 300 Leser wanderten dennoch ab dem frühen Morgen tapfer und regenfest über 15 oder fünf Kilometer durch die Natur der Nationalpark-Stadt Heimbach. Bei Gotthard Kirch angekommen, erfuhren sie von dem Flora- und Fauna-Experten, was den von der von Rur umgebenen Meuchelberg einzigartig macht. Nun ja, da ist zuerst die Sage um einen Brudermord, die ihm seinen Namen gab. Aber dann ist da noch die Baumkultur, die der Mensch in der Vergangenheit maßgeblich verändert hat.

Wer um den Heimbacher Meuchelberg wandert und aus dem Wald herauskommt, erblickt zuallererst das imposante Wasserkraftwerk im Jugendstil. Es war eine Station des fünften großen Wandertages unserer Zeitung. Foto: C. Rose

„Am Nordhang sind Sie durch Hainbuchen gewandert, am Südhang finden Sie Eichen“, erklärte Kirch den Wanderern. „Aber Sie sehen nicht die dicken, deutschen Eichen, sondern einen dürren Wald mit kleinwüchsigen Bäumen, wir nennen das Niedrigwald. Der ist typisch für die nördliche Eifel.“ Das liege unter anderem daran, dass die Menschen immer ihre Schweine in den Eichenwald getrieben und auch die gesunde Rinde abgeschält hätten, um Tierfelle zu gerben. „Auf Dauer hat das die Natur ärmlicher gemacht“, betonte Kirch.

373 Meter hoch: Auf dem Meuchelberg machten die Wanderer zum ersten Mal Station. Dort erfuhren sie, warum an den Hängen nicht die typischen dicken deutschen Eichen wachsen, sondern ein Niedrigwald. Foto: C. Rose

Ein Tunnel durch den Kermeter

Die ehemalige Olympiasiegerin im Hochsprung, Heike Henkel, sprach über Sport mit dem Hund. Foto: C. Rose

Er war einer von fünf Experten, die auf der Strecke verteilt an wichtigen Stellen standen, um ihr Wissen zu teilen und Fragen zu beantworten. Dirk Küppers stand als Fachmann vor dem Wasserkraftwerk, das 1905 im Jugendstil gebaut worden war. Er erklärte immer wieder, warum das Kraftwerk denn von der Urft gespeist wird, wenn doch die Rur durch Heimbach fließt. Die Antwort steckt in dem Bergrücken, der sich hinter dem Kraftwerk erstreckt und Wilder Kermeter heißt. „Durch ihn zieht sich ein 2,7 Kilometer langer Tunnel mit zwei Röhren — und die verbinden das Kraftwerk mit der hinter dem Berg liegenden Urfttalsperre“, erzählte Küppers. „Die Talsperre ist von ihrer Bauweise her ebenfalls sehr beeindruckend.“

Seinen einzigartigen Reiz hatte auch der exklusive Besuch im Trappistenkloster Mariawald. Kleingruppen erhielten jeweils eine mindestens 15 Minuten lange Führung durch den Kreuzgang und verschiedene Räume. Zwar ist alles Wertvolle nach dem kürzlichen Auszug der Mönche in die Trappistenabtei nach Tilburg gebracht worden, großen Gefallen fanden die Leser aber gerade an dem Schlichten — dafür sind die Trappistenklöster auch bekannt. „Da wird man ja echt jeck“, sagte Silvia Küster aus Stolberg, als sie im großen, aber spärlichen Speisesaal umherging. Sie meinte damit die noch teilweise gedeckte Tafel mit Alutellern, Besteck und Namensschildern. Und auf einem stand: Gast — ein schönes Motiv für ein Erinnerungsfoto. Im Trockenen.

(cro)
Mehr von Aachener Nachrichten