Aachen/Düren: Ex-Chefs von Autohäusern in Düren und Aachen vor Gericht

Aachen/Düren: Ex-Chefs von Autohäusern in Düren und Aachen vor Gericht

Einst waren sie zwei sehr erfolgreiche Autohändler: Arno L. (66) aus Aachen und Carl M. (55) aus Krefeld. Sie arbeiten zusammen, schenkten sich Vertrauen, verdienten gutes Geld und genossen einen ebenso guten Ruf.

Heute sind sie sich spinnefeind. Sie sagen, sie seien gesundheitlich und finanziell am Ende. Vom Leumund ganz zu schweigen. Und sie müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht Aachen verantworten. Gemeinsam auf der Anklagebank. Aber jeder gegen den anderen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden ehemaligen Geschäftsführern der Firma SLS GmbH, die in Düren und Aachen unter anderem als Ford-Vertragshändlerin Autohäuser betrieb, veruntreuende Unterschlagung in 40 Fällen vor, dazu Betrug und verspätete Insolvenzbeantragung.

Laut Anklage sollen beide im Jahr 2006 etwa 70 durch die Ford-Bank finanzierte Fahrzeuge ohne Fahrzeugbriefe nach Großbritannien verkauft haben, das dafür erhaltene Geld aber nicht vertragsgemäß an die Ford-Bank weitergeleitet haben, um den Kredit abzulösen. Dadurch soll der Ford-Bank ein Schaden von 2,2 Millionen Euro entstanden sein.

Außerdem sollen die Angeklagten trotz der seit spätestens März 2006 bestehenden Zahlungsunfähigkeit keinen Insolvenzantrag gestellt haben. Statt dessen sollen sie munter weiter für 27\.000 Euro Fahrzeugreparaturen bei einer Eschweiler Firma in Auftrag gegeben haben. Der Reparaturbetrieb bleib auf seinen Kosten sitzen.

Während Arno L. die angeklagten Taten weitgehend einräumt und zu Prozessbeginn mehrfach Reue äußerte, will Carl M. von kriminellen Machenschaften nichts gewusst haben. Er sieht sich von Arno L. getäuscht. „Von Unterschlagung und Nicht-Bezahlen wusste ich nichts”. Arno L. bekundete dagegen, er habe die Taten nicht begangen, um sich persönlich zu bereichern. Vielmehr sei seine Motivation gewesen, in der Krise, in der sich die SLS befand, kurzfristig Liquidität zu schaffen und die Arbeitsplätze der damals über 100 Mitarbeiter erhalten zu können.

Der Prozess ist auf drei Tage terminiert worden. Ihr Urteil will die Kammer am 30\. August verkünden.

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