Eschweiler/Köln: Eschweiler NSU-Anwalt drohen ernste Konsequenzen

Eschweiler/Köln : Eschweiler NSU-Anwalt drohen ernste Konsequenzen

Der vergangene Woche bekanntgewordene Skandal im NSU-Prozess könnte für den Eschweiler Rechtsanwalt Ralph Willms in zweierlei Hinsicht ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Nachdem mittlerweile feststeht, dass Willms im NSU-Prozess zweieinhalb Jahre lang eine Frau vertreten hat, die es gar nicht gibt, ist es möglich, dass er sämtliche bereits mit dem Oberlandesgericht (OLG) München abgerechneten Kosten zurückerstatten muss. Zudem droht Willms ein Verfahren vor dem Anwaltsgericht in Köln.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn: Rechtsanwalt Ralph Willms aus Eschweiler. Foto: Archiv/Nowicki

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Willms hatte unserer Zeitung durch den von ihm beauftragten Rechtsanwalt Peter Nickel mitgeteilt, dass er 2013 gegen die Zahlung einer Provision das Mandat einer gewissen Meral K. übernommen hatte, die angeblich eines der Opfer des Nagelbombenattentats 2004 in der Kölner Keupstraße war.

Diese Meral K. vertrat er seit Mai 2013 im NSU-Prozess als Nebenklägerin, bis er vergangenen Freitag sein Mandat niederlegte. Der Vermittler des Mandats sei Attila Ö. aus Köln gewesen, der zu den Opfern des Nagelbombenattentats gehört und im NSU-Prozess einer von mehr als 80 Nebenklägern ist.

Da Meral K. nur Türkisch spreche, habe Ö. als Vermittler fungiert, erklärte Willms. Attila Ö. habe ihm ein, wie mittlerweile feststeht, gefälschtes Attest übergeben, das die Verletzungen dokumentieren sollte, die Meral K. beim Anschlag erlitten hatte.

In einer Vernehmung des Bundeskriminalamtes am Samstag soll Attila Ö. zugegeben haben, dass Meral K. tatsächlich gar nicht existiert. Jedoch soll er bestritten haben, Willms ein gefälschtes Attest und eine unterzeichnete Anwaltsvollmacht gegeben zu haben. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen Ö. eingeleitet, der seinerseits erklärte, Anzeige gegen Ralph Willms erstatten zu wollen.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte eine Sprecherin des OLG am Dienstag, das Gericht werde nun prüfen, ob es an Willms gezahlte Honorare und erstattete Reisekosten zurückfordern wird. Zur Höhe der bereits gezahlten Beträge wollte die Gerichtssprecherin keine Angaben machen. Auf die Frage, an wie vielen der 233 bisherigen Verhandlungstage im NSU-Prozess Willms in München teilgenommen hat, gab sein Anwalt Peter Nickel am Dienstag keine Antwort.

Ein erfahrener Jurist aus der Region, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte, er gehe fest davon aus, dass Willms sämtliche Kosten wird erstatten müssen. Insbesondere dann, wenn Willms keinen ernsthaften Versuch unternommen hat, sich zu vergewissern, dass seine Mandantin auch tatsächlich existiert. Der bereits mit dem OLG München abgerechnete Betrag liege möglicherweise bei mehr als 100.000 Euro.

„Das Erforderliche eingeleitet“

Die Bundesrechtsanwaltsordnung verbietet es Rechtsanwälten, Mandate gegen Zahlung einer Provision anzunehmen, doch genau dies hat Willms im Fall Meral K. getan, wie er gegenüber unserer Zeitung zugab. Der Geschäftsführer der zuständigen Rechtsanwaltskammer Köln, Martin Huff, sagte am Dienstag auf Anfrage, „das Erforderliche eingeleitet“ zu haben.

Dies dürfte bedeuten, dass er den Vorgang an die Generalstaatsanwaltschaft in Köln weitergeleitet hat. Ein Ermittlungsverfahren könnte dann vor dem Anwaltsgericht enden. Im schlimmsten Fall droht Willms der Entzug seiner Zulassung als Rechtsanwalt.

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