Eschweiler Blausteinsee wird 25 Jahre alt

25 Jahre Blausteinsee : Eine Geschichte wie ein Segeltörn

Vor 25 Jahren sind die Pumpen am Blausteinsee angeschaltet worden. Inzwischen machen rund 25 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem ehemaligen Tagebaurestloch ein beliebtes Ausflugsziel und einen Event-Ort. Was klingt wie eine Erfolgsgeschichte, gleicht eher der eines Segeltörns.

An sonnigen Tagen tummeln sich am Blausteinsee im Norden von Eschweiler Hunderte Menschen. Nur die Aussichtsplattform in Form eines Absetzer erinnert noch an den Tagebaubetrieb. Klingt wie eine Erfolgsgeschichte, dabei gleicht sie der eines Segeltörns – mit Zeiten der Flaute, mit Klippen, die es zu umschiffen gilt, aber auch mit reichlich Rückenwind. Vor 25 Jahren floss das erste Wasser in das Restloch des Tagebaus Zukunft, die Blausteinsee-GmbH hatte sich schon 1982 gegründet.

Als Wiedergutmachung

Ursprünglich sollte das Braunkohleloch einfach wieder mit Erde gefüllt werden. Die damaligen Eschweiler Kommunalpolitiker, allen voran der Bürgermeister Erich Berschkeit, sahen dies jedoch anders. Sie forderten einen See mit Naherholungsgebiet – als eine Art Wiedergutmachung für die jahrzehntelangen Belastungen durch den Tagebaualltag. Das Ende dieser Debatte ist bekannt: Inzwischen befinden sich etwa 25 Millionen Kubikmeter Wasser in dem Tagebaurestloch. Um es zu befüllen, musste jährlich 6,7 Millionen Liter Sümpfungswasser aus dem Tagebau Inden hineingegeben werden. Vieles davon versickerte oder verdunstete.

Noch immer stehen die Pumpen nicht still, ansonsten läuft der See leer. Vor fünf Jahren gab die Stadt Eschweiler ein Gutachten in Auftrag, um zu klären, wie lange noch Wasser in das Loch gepumpt werden muss. Das Ergebnis: noch voraussichtlich bis 2070, allerdings in abnehmender Menge. Bezahlen müsste dies die Blausteinsee-GmbH, der die umliegenden Kommunen angehören. Diese finanziert sich alleine aus Pachterträgen. RWE war allerdings nur bis 2009 vertraglich dazu verpflichtet, die Pumpkosten zu tragen. Würde der Konzern diese in Rechnung stellen, wäre dies das finanzielle Ende der Blausteinsee-GmbH, es sei denn, die beteiligten Kommunen steuern eine beträchtliche Summe bei. Inzwischen besteht eine neue Vereinbarung: Bis zum Ende des Tagebaus Inden im Jahr 2030 verzichtet RWE auf Kostenerstattung. Woher danach das Wasser – aktuell sind es noch etwa 200 Liter pro Sekunde – kommt, ist noch offen. Gedacht wird unter anderem an eine Wasserleitung nach Schophoven, um dort Wasser aus der Rur zu nehmen.

Unklar war lange ebenso, was am Seezentrum entsteht. Viele Jahre nach der offiziellen Eröffnung im Jahr 2000 befanden sich dort provisorische Container. Die Mehrheit im Stadtrat hoffte auf einen Investor, der einen Hotelbau mit Appartments, Künstlerdorf, Multifunktionshalle und Restaurants umsetzt. Von mehr als 50 Millionen Euro war die Rede. Dieses Projekt verpuffte ebenso wie der Plan, einen Golfplatz am See anzulegen oder eine Wasserskihalle zu bauen. Inzwischen ist jedoch einiges entstanden. So nutzte man die Euregionale 2008 für den ersten Massivbau: die Seebühne mit Tribüne. Es folgten die Aussichtsplattform mit seinen Flügelbauten, der Kiosk, das Restaurant, der Spielplatz und die öffentliche Toilettenanlage.

Einige Male stand der Blausteinsee in der Diskussion: Politisch diskutierte man darüber, ob die Wasserfläche für den Naturschutzbereich vergrößert werden muss. Es blieb letztlich bei einem Drittel. Auch die Wasserqualität sorgte für Schlagzeilen. Bei der Untersuchung der Badegewässer schnitt der Blausteinsee in einem Jahr schlecht ab, weil eine erhöhte Konzentration von Darmbakterien gemessen wurde. Die Blausteinsee-GmbH reagierte und veröffentlicht seitdem regelmäßig aktuelle Messdaten. Seit Jahren wird die Gewässerqualität mit „hervorragend“ bewertet.

Als der See eine rostige Farbe annahm, wurde über das Wasser aus dem Tagebau geunkt: Die Färbung kam durch eine erhöhte Eisenkonzentration zustande. Auch dort besserte man nach, weil vor allem Taucher auf eine gute Sicht im Wasser hoffen. Für sie sind schließlich vor Jahren unter anderem ein Wrack und ein Fahrtzeug im See versenkt worden.

Der See entwickelte sich – trotz der Diskussionen – positiv. Und diese Entwicklung ist nicht zu Ende, denn einige Pläne liegen noch in der Schublade: der Bau eines Vereinsgebäudes für die wassersporttreibenden Vereine, ein Minigolfplatz, Appartmenthäuser und ein Kletterpark. Auch ein Hotelbau scheint nicht endgültig vom Tisch. Auf der Immobilienmesse Expo Real in München wurden 2017 Investoren für ein 18-Millonen-Projekt gesucht. Seitdem war allerdings davon nichts mehr zu hören.

Was der Mensch nicht mehr beeinflusst, befindet sich am nordöstlichen Seeufer. Das dortige Naturschutzgebiet mit fast 90 Hektar wächst und gedeiht. Auch dies gehört dazu, wenn man auf 25 Jahre Blausteinsee zurückblickt. Nicht umsonst wird er als Blaupause für die noch folgenden Tagebaurest-
seen Inden, Hambach und Garzweiler gesehen.