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Leere Kirchen in NRW: Erstes Ostern mit Gottesdienstverbot

Leere Kirchen in NRW : Erstes Ostern mit Gottesdienstverbot

Es ist einmalig in der Kirchengeschichte: ein Ostern ohne gemeinschaftliche Gottesdienste - mit Predigten vor leeren Bänken. Doch die Katholiken und Protestanten versuchen, der Corona-Krise auf andere Weise zu trotzen.

Wegen des Gottesdienstverbotes in der Corona-Krise bleiben die Kirchen in NRW an Ostern erstmals leer. Stattdessen predigen etwa der Kölner Kardinal Rainer Woelki und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, vor unbesetzten Kirchenbänken. Die Gottesdienste werden aber im Internet übertragen, einige auch im Radio oder Fernsehen.

Eine Ausnahme bildet ein Düsseldorfer Autokino: Dort sollen Gläubige am Sonntag an einer katholischen Messe unter freiem Himmel teilnehmen können - allerdings sitzen sie dabei in ihrem Fahrzeug und haben keinen direkten Kontakt zu den anderen Teilnehmern.

Die Christen haben sich einiges einfallen lassen, um dennoch etwas festliche Stimmung aufkommen zu lassen. So sollten von 9.30 Uhr bis 9.45 Uhr in allen katholischen und evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen mit möglichst allen Glocken geläutet werden. In einigen Gemeinden konnten sich die Gläubigen außerdem Osterkerzen abholen. Vor dem Kölner Dom versammelten sich laut einem dpa-Reporter rund 500 Gläubige, lauschten dem Glockengeläut und hielten Christus-Bilder in die Höhe.

Online-Osterpredigt

In einer vorab veröffentlichten Osterbotschaft warf der rheinische Präses Rekowski die Frage auf, ob die Osterbotschaft überhaupt eine Chance habe, „gegen die alles beherrschende Corona-Pandemie durchzudringen“. Die Antwort des evangelischen Theologen: „Wer Ostern feiert, lässt sich vom Leben anstecken. (...) Daran glaube ich, auch in den sorgenvollen Zeiten der Corona-Pandemie: Der Tod hat nicht das letzte Wort.“

Kardinal Woelki beschrieb die derzeitige Situation in einem am Sonntag gesendeten Beitrag für das Domradio in drastischen Worten: „Die Zahl der Toten, die weltweit dem Coronavirus zum Opfer fallen, steigt und steigt – scheinbar unaufhaltsam. In vielen Regionen der Erde werden die Leichen längst mit Lastwagen aus unseren Städten gefahren. Welche Not, welche Trostlosigkeit, wie viel Angst und Schrecken.“ Gerade in dieser Situation sei die Osterbotschaft ein Lichtblick: „Denn Ostern feiern wir, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben.“

Im ZDF-Ostergottesdienst verglich Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, die fehlende körperliche Nähe während der Corona-Krise mit einer Stelle aus dem Johannesevangelium. Der auferstandene Christus verbietet der trauernden Maria Magdalena, ihn zu berühren. „Nähe, die mehr ist als Anfassen und Umarmen. Nähe, die auch dann gewiss bleibt, wenn wir uns – so wie jetzt – körperlich nicht nah sein können oder dürfen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Was Maria nicht anfassen, berühren und begreifen kann, berühre sie dennoch.

Der Essener Bischof Franz-Josef Oberbeck mahnte in seiner Predigt, die Kosten der Krise nicht einseitig den Armen und Schwachen aufzubürden. Und der Ruhr-Bischof rief dazu auf, mutig zu sein. In der momentanen Situation brauche es vor allem „Mut zu Neuem, in welchen Ordnungen auch immer. Es braucht Zuversicht, Krisen aller Art überwinden zu wollen.“

(dpa)