Erste Seligsprechung im Dom in Aachen für Ordensgründerin Clara Fey

Region : Ordensgründerin Clara Fey wird in Aachen seliggesprochen

Eine Seligsprechung! Heute? Ist das überhaupt noch zeitgemäß? „Mehr denn je“, nickt der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens und hat ein starkes Argument: In apostolischen Schreiben „Gaudete et exsultate“ („Freut euch und jubelt“, Matthäus 5,12) hat erst in diesem Monat Papst Franziskus die Gläubigen zu mehr „Heiligkeit im Alltag“ aufgerufen.

Mit der Seligsprechung von Clara Fey am 5. Mai im Aachener Dom wendet man sich einer Frau zu, die diesen Anspruch erfüllt hat, und das bereits 1848, als die 1844 gegründete religiöse „Hausgemeinschaft“ durch ministeriellen Erlass zur Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus wurde. Für den Dom ist die Seligsprechung in seiner über 1200-jährigen Geschichte eine Premiere.

Krönungen hat es viele gegeben — eine Seligsprechung bisher noch nie. „Die fanden ja meistens in Rom statt“, erklärt Bündgens. Obwohl — Karl der Große wurde einst im Dom heiliggesprochen. „Für uns eine anerkannte Heiligsprechung, aber nicht für alle. Seligsprechungen gab es damals noch nicht“, lächelt Bündgens.

Stärker verbinden

Erst Papst Benedikt XVI. hat die Seligsprechungen in die Diözesen verlegt, nicht zuletzt, um die Christen stärker mit ihren Seligen zu verbinden, ihnen quasi ein Zuhause zu geben. Es sei aber zudem eine Frage der Logistik, meint Bündgens sehr nüchtern. Als 1974 in Rom die Aachenerin Franziska Schervier, Weggefährtin von Clara Fey und Gründerin des Ordens der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus (1851), seliggesprochen wurde, sei man recht mühsam per Bahn unterwegs gewesen. „Es waren damals eher wenige Seligsprechungen, dann meinte Papst Johannes Paul II., man müsse das Beispiel der Heiligkeit stärker zum Leuchten bringen und erhöhte die Zahl.“

Es gab eine Zeit, da verkündete man in Rom fast wöchentlich neue Seligsprechungen. „Das verlor dann etwas die Besonderheit“, meint Bündgens, „während es in einem Bistum wie hier bei uns doch herausragend ist.“ Umso mehr, als zuvor eine Rückkehr stattgefunden hat, schließlich war Clara Fey nach der Ausweisung des Ordens ins niederländische Simpelveld ausgewichen, wo sich die Ordensleitung etablierte und dort nach dem Kulturkampf blieb.

2012 kehrten die Gebeine der Aachenerin von den Niederlanden in ihre Geburtsstadt Aachen zurück, wo Clara ihre Berufung erfahren hatte und Repräsentantin der katholischen wohltätigen Zirkel war. Sie wurde in die Bischofsgruft des Doms aufgenommen. Seitdem konnte man Clara Fey in der Allerheiligenkapelle verehren. „Die Diözese Roermond hat die Seligsprechung betrieben.

Es war ein Entschluss der Schwestern, das Mutterhaus in Holland zu schließen und das Generalat nach Aachen zurückzuverlegen“, berichtet Bündgens. „Die Selige ist uns ein bisschen in den Schoß gefallen. Der damalige Bischof Heinrich Mussinghoff übernahm vom Roermonder Bischof alles, was mit der Seligsprechung zu tun hatte. Er war darin sehr erfahren.“

Ein Wunder muss es geben

Nicht nur bei der Heiligsprechung, auch bereits bei der Seligsprechung muss es ein Wunder geben, das mit der Person, um die es geht, in Verbindung steht. Meist eine Heilung, auf die niemand mehr hoffen konnte. „Wir sind da sehr vorsichtig mit Öffentlichkeit, nicht zuletzt um die Familie zu schützen“, sagt Bündgens. Anfang des neuen Jahrtausends wurde ein Neugeborenes gerettet, man hatte Clara Fey um Hilfe angerufen.

Ganz offen spricht Bündgens an, was mancher denken mag: „Man kann alles wissenschaftlich erklären, es gibt aber Dinge, die sich nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft, der Medizin oder Biologie nicht erklären lassen.“ Die Grenzen seien fließend, und selbst die Ärzte, „soweit sie eine transzendente Dimension“ zuließen, würden eingestehen, dass diese Fälle eintreten. Ein Wunder, das zu Clara Fey passt.

Bei jeder Seligsprechung tritt ein „Postulator“ in Aktion, denjenigen, der den Papst „auffordert“ (lat. postulare), jemanden seligzusprechen: Für Clara Fey war es der in diesem Bereich erfahrene römische Anwalt Andrea Ambrosi.

Was meint der Papst mit Heiligkeit im Alltag? „Es geht nicht um heroische Merkwürdigkeiten, wie man sie bei einigen spektakulären Persönlichkeiten in der Geschichte findet“, betont der Weihbischof. Für ihn ist das Besondere das Normale, Christen, die in ihrer Zeit Verantwortung übernehmen und dazu stehen.

Bei Seligsprechungen gehe es nicht um perfekte Menschen, sondern um Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Hatte die sogar eine Clara Fey — wohlerzogene Industriellentochter, gläubig und den Nöten ihrer Umgebung aufgeschlossen? Ja, hatte sie. Bündgens zögert dennoch. „Man kann sagen, sie war nicht die geborene Führungspersönlichkeit, die Funktion ist ihr schicksalhaft zugefallen. Sie war eher schüchtern, kränklich, aber die anderen haben es in ihr entdeckt.“ War Clara Fey zunächst in einer größeren Gruppe im Hintergrund aktiv, habe sie sich mehr und mehr entwickelt, Verantwortung übernommen.

Eine Alternative für Frauen

Und so ganz ohne Widerspruch in der Gesellschaft blieben die Aktivitäten der Ordensgründerin nicht: „Sie bot jungen Frauen mit sozialem Gewissen, die nicht heiraten wollten, eine Alternative“, betont Bündgens. „Sie blieben nicht hinter Klostermauern, sondern arbeiteten als Lehrerinnen in der Welt, ausgebildet in einem ersten Frauenberuf, das gefiel nicht allen. Ein ungeheurer Erfolg.“

Ein weiterer Konfliktherd: Adelige Frauen, die in den Orden eintraten und Besitz einbrachten, wollten dort aufgrund ihrer Herkunft „Karriere“ machen, Clara Fey sogar verdrängen. Keine einfache Situation. „Sie hat gekämpft“, weiß Bündgens, „und bis zu ihrem Tod an der Ordensleitung festgehalten.“

Aus zwölf Ländern werden Schwestern der Kongregation in Aachen dabei sein. Generaloberin Schwester Henriette wird beim Pontifikalamt den Brief des Papstes aus den Händen von Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, entgegennehmen. Statt eines Empfangs mit Honoratioren im Rathaus hat man ein buntes Fest auf dem Katschhof geplant. „

Clara Fey setzte sich schließlich für arme Kinder ein“, meint Bündgens. „Die Schwestern wünschten sich deshalb eine Begegnung für alle.“