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Appell von Laschet: Erneuter Besucheransturm in Winterberg

Appell von Laschet : Erneuter Besucheransturm in Winterberg

Einen Spaziergang in selten gewordener Schneelandschaft mögen sich derzeit viele nicht entgehen lassen - allen Appellen zum Trotz. In Winterberg knubbelten sich am Dienstag erneut die Autos. Viel los war auch in der Eifelgemeinde Hellenthal am Skigebiet „Weißer Stein“.

Die Hoffnung auf ein paar unbeschwerte Stunden in verschneiter Landschaft hat auch am Dienstag viele Menschen ins sauerländische Winterberg getrieben. Erneut wurde der beliebte Wintersportort von zahlreichen Tagesgästen aufgesucht. Wieder kam es auf den Zufahrtsstraßen zu langen Staus. In Winterberg selbst waren wie an den Vortagen alle Parkplätze restlos belegt. Eine Stadtsprecherin schätzte, dass in etwa so viele Menschen wie am Montag in die Stadt gekommen waren. Erneut großen Andrang verzeichnete am Dienstag auch die Eifelgemeinde Hellenthal im Kreis Euskirchen an der deutsch-belgischen Grenze mit dem Wintersportgebiet Weißer Stein.

Winterberg hatte schon am Morgen an Tagesausflügler appelliert, nicht zu kommen. „Bitte überlege, ob eine Anreise wirklich erforderlich ist“, schrieb der beliebte Wintersportort auf seiner Internetseite. „Aufgrund der hohen Nachfrage ist mit kilometerlangen Staus zu rechnen.“ So kam es dann auch - sowohl bei der Anreise als auch am Nachmittag bei der Rückreise.

Sogar NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bat die Bürger, derzeit auf Ausflüge in den beliebten Sauerland-Ort zu verzichten. „Große Menschenansammlungen erhöhen das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Pandemie“, mahnte er am Dienstag in Düsseldorf. „Mein Appell lautet daher: Bleiben Sie zu Hause!“ Das Land unterstütze Winterberg bei allen notwendigen rechtlichen und polizeilichen Maßnahmen, um weitere Tagestouristen von der Anreise abzuhalten, sagte Laschet der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind bereit, auch kurzfristig mehr Einsatzkräfte zu schicken.“ Die Stadt wollte noch am Dienstag Maßnahmen zum Umgang mit dem Ansturm vorstellen. Sie sollen ab Mittwoch greifen.

Zahlreiche Tagesausflügler hatten bereits am Sonntag und Montag für ein Verkehrschaos mit überfüllten Parkplätzen und kilometerlangen Staus rund um die 13.000-Einwohner-Stadt gesorgt. Unter den Besuchern waren viele Familien, die zum Schlittenfahren gekommen waren.

Das Gebot des Tages heiße Kontaktvermeidung, schrieb die Stadt weiter. „Wir lieben unsere Berge. Ihr auch. Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und zu Menschenaufläufen“, erklärte die Stadt weiter. „Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon! Tu Dir das doch nicht an.“ Die Stadt wies darauf hin, dass es keine Einkehr- oder Aufwärmmöglichkeiten gebe. In der Stadtmitte seien nur die öffentlichen Toiletten geöffnet.

Viel los war auch in Hellenthal. „So gerne wir die Gäste grundsätzlich haben, so appellieren wir jetzt an die Rücksichtnahme, möglichst nicht zu kommen“, sagte Bürgermeister Rudolf Westerburg (parteilos) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Rund um die Orte Udenbreth und Hollerath seien alle Parkmöglichkeiten belegt, teilte die Gemeinde auf ihrer Internetseite mit. „Auch das Parken entlang der Bundesstraße ist nicht mehr möglich“, hieß es. Sanitäre Einrichtungen seien „leider keine“ vorhanden.

Dienstag sei bereits der vierte Tag in Folge mit einem „extremen Besucheransturm“, so Westerburg. Er schätzte, dass in den vergangenen Tagen jeweils etwa 1500 bis 2000 Besucher in die Region gekommen seien. Verkehrsstau auf den Zufahrtsstraßen habe es aber nicht gegeben.

Westerburg ließ großes Verständnis für die Ausflügler durchblicken: „85 bis 90 Prozent sind Familien mit kleinen Kindern, die einfach mal aus ihren engen Wohnungen raus wollen“, sagte er. Die Menschen kämen aus allen Richtungen, etwa aus Düsseldorf, Neuss, Köln und Belgien, bis zu zwei Autostunden entfernt. Die meisten kämen nur für zwei, drei Stunden, um ein Naturerlebnis zu haben. „Wir haben auf den Wiesen noch nie so viele Schneemänner gehabt wie am Montag.“

(dpa)