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Aber auch Folgen erwartet: Erleichterung über Brexit-Deal in NRW

Aber auch Folgen erwartet : Erleichterung über Brexit-Deal in NRW

Die Wirtschaft in NRW ist besonders exportabhängig. Der doch noch getroffene Brexit-Deal gibt Planungssicherheit und hat den schlimmsten Fall eines Austritts ohne Abkommen verhindert. So lauten die ersten Einschätzungen. Gleichzeitig werden auch negative Folgen erwartet.

Die Einigung auf ein Brexit-Handelspakt zwischen Brüssel und London ist im exportstarken Nordrhein-Westfalen mit Erleichterung aufgenommen worden. Ein geordneter Brexit lässt nach Ansicht von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mit noch mehr Zuversicht auf eine wirtschaftliche Erholung im neuen Jahr blicken. „Die Vernunft hat gesiegt, wenn auch buchstäblich in letzter Sekunde“, sagte Pinkwart in einer Mitteilung am Wochenende.

Für NRW gehe es dabei um viel. NRW habe von allen Bundesländern mit rund 20 Milliarden Euro den größten Anteil am deutsch-britischen Außenhandel. Die kilometerlangen Lkw-Staus in Südengland kurz vor Weihnachten und die Grenzschließungen zwischen England und dem europäischen Festland wegen des Aufkommens einer neuartigen Coronavirus-Variante hätten allen Beteiligten in drastischer Weise die Folgen von Störungen des Handels vor Augen geführt, so Pinkwart.

Der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände, Arndt Kirchhoff zeigte sich in derselben Mitteilung ebenfalls erleichtert, dass zumindest ein harter Brexit vermieden werden konnte. Ungeachtet dessen sei der Austritt Großbritanniens aus der EU schon schmerzhaft genug. „Denn machen wir uns nichts vor: Der britische Markt wird für die nordrhein-westfälische Wirtschaft weiter an Bedeutung verlieren. Das wird zu spürbaren Wohlstandsverlusten im Vereinigten Königreich führen, aber auch wir werden die Auswirkungen merken“, erklärte er.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammern Nordrhein-Westfalen, Thomas Meyer, verweist auf ein verändertes Geschäft in und mit Großbritannien: ab Januar würden wieder Personenkontrollen stattfinden, Zollerklärungen im Warenverkehr ebenso wie etwa Gesundheitschecks für landwirtschaftliche Produkte fällig. „Dies macht das UK-Geschäft schwieriger, aber nicht unmöglich.“

London und Brüssel hatten am Heiligabend nach monatelangem Ringen einen Durchbruch bei den Gesprächen über einen gemeinsamen Handelspakt verkündet. Mit dem Jahreswechsel verlässt das Vereinigte Königreich endgültig die Strukturen der Europäischen Union nach fast 40 Jahren Mitgliedschaft. Die schlimmsten Folgen der Scheidung sind mit dem Deal abgewendet. Der Vertrag soll unter anderem Fragen zum Handel, der Zusammenarbeit von Polizei und Justiz und dem Krankenversicherungsschutz Reisender bei Notfällen regeln.

In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Ministeriumsangaben 1400 britische Unternehmen mit etwa 129 000 Arbeitnehmern. 25 000 Briten leben in Nordrhein-Westfalen - das sei ein Fünftel der Briten in Deutschland. Die Bedeutung des Vereinigten Königreichs als Handelspartner habe seit dem Referendum bereits deutlich abgenommen (Rang 4 der wichtigsten Handelspartner in 2015 auf Rang 8 in 2019).

Die Enquetekommission Brexit des Landtags von Nordrhein-Westfalen stehe kurz vor dem Abschluss ihrer Arbeit, gab Vorsitzender Stefan Engstfeld (Grüne) am Sonntag bekannt. Er betonte, dass es auch darum gehe, Chancen des Brexits zu identifizieren. Mehrere Gutachten seien eingeholt worden. Politische Ergebnisse sollen im Januar stehen.

(dpa)