Düsseldorf/Inden: Erdrutsch im Tagebau: Keine Gefahr für Schophoven?

Düsseldorf/Inden: Erdrutsch im Tagebau: Keine Gefahr für Schophoven?

Der gewaltige Erdrutsch im Tagebau Inden hat sich über fünf Stunden hingezogen: Am 12. März rutschte von 7 bis 12 Uhr die Erde weg. Rissbildungen an der Oberfläche und im Vorfeld waren schon zwei Tage zuvor beobachtet worden.

Die Abrutschung setzte auf einer Breite von 200 Metern ein, nachdem die Arbeitsböschung von einem Schaufelradbagger angeschnitten worden war. Zwischen zwei bekannten geologischen Störungen ging die oberste Sohle mit einer Höhe von 30 Metern ab.

Das ist so im Bericht der Landesregierung zu lesen, der unserer Zeitung vorliegt und am Donnerstag im Unterausschuss Bergbausicherheit in Düsseldorf zur Debatte steht. Bereits am Mittwochabend ließ sich der Indener Gemeinderat vom Bergbautreibenden und der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg informieren.

Tagebaudirektor Arthur Oster beharrte auf seinem Standpunkt: Die Lage sei jederzeit unter Kontrolle und eine Gefährdung von Menschen ausgeschlossen gewesen. „Schophoven war und ist nicht gefährdet. Das kann ich aus voller Überzeugung sagen”, meinte er am Mittwochabend wörtlich. Allerdings könnten sich Rutschungen dieser Art auf jeder weiteren Sohle im Bereich der Störzonen wiederholen.

Osters Einschätzung teilt NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben in ihrem Bericht: „Die Maßnahmen zur regelmäßigen Überwachung haben sich als geeignet erwiesen, das Risiko einer Böschungsrutschung rechtzeitig zu erkennen.” Eine Gefährdung der Bevölkerung war „schon aufgrund der großen Entfernung der Wohnbebauung zu keiner Zeit gegeben”. Thoben sieht wie RWE Power keinen Vergleich zur Tragödie in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) im Juli 2009: „Bei der Rutschung im Tagebau Inden handelt es sich um einen völlig anderen Bruchmechanismus.”

Obwohl laut Bericht der Wirtschaftsministerin „zu keiner Zeit eine Gefahr” für Menschen und Sachgüter bestanden habe, würden die Bergbehörde und der Geologische Dienst die Untersuchung fortsetzen.

Sehr unterschiedlich werteten dagegen die Vertreter der Fraktionen im Unterausschuss für Bergbausicherheit den Indener Vorfall. Sie wurden von unserer Zeitung vorab befragt. Während der FDP-Umweltexperte Holger Ellerbrock vor Panikmache warnt und es für nicht ungewöhnlich hält, wenn beim Abbaggern von Braunkohle „Erdmaterial nachrutscht”, spricht Norbert Römer (SPD) von einem „ernstzunehmenden Vorkommnis. „Es geht auch um die Sicherheit der Beschäftigten”, sagte Römer und fordert Aufklärung.

In diese Kerbe schlägt auch der Ausschussvorsitzende Josef Hovenjürgen (CDU), der zudem vom Konzern eine „offene, schnelle und umfassende Information” verlangt. Nur auf dieser Basis sei Vertrauen der Bürger zu gewinnen.

Nach Auffassung von Reiner Priggen (Grüne) belege der Indener Kantenbruch, dass auch im rheinischen Braunkohlenrevier „ein Katastrophen-Risiko durch bewegliche Erdmassen” bestehe. Er fordert eine Vergrößerung des Abstandes zur Abbaukante auf mindestens 1000 Meter.

Mehr von Aachener Nachrichten