Endes des Einsatzes im Hambacher Forst am Dienstag

RWE umfriedet den Hambacher Forst: Die Polizei bleibt nun doch im Wald

Der Energiekonzern RWE zieht Hanfseile, Wälle und Gräben um den Hambacher Forst, sobald die Polizei sich zurückzieht. Das wird bereits am Dienstagabend der Fall sein. Warum am Dienstag überhaupt noch gearbeitet wurde, ist unklar.

Am Dienstag tat die Polizei, was sie eigentlich auf keinen Fall tun wollte, nämlich Paletten von Bäumen zu holen. Auch mit viel Phantasie waren die Dinge, die die Polizei räumte, nicht mehr als bauliche Anlagen im Sinne der Bauordnung zu bezeichnen.

Am Dienstagnachmittag bestätigte die Stadt Kerpen dann, auf deren Gebiet die Polizei am Dienstag arbeitete, dass dies „in der Tat keine baulichen Anlagen mehr sind“, wie Stadtsprecherin Christa Cornely einräumte. Dass die Polizei dies alles räumen würde, müsse „mit RWE zu tun haben“. Die Stadt habe lediglich die Räumung eines Baumhauses verfügt, mehr nicht. Die Aachener Polizei verwahrte sich gegen diese Darstellung und teilte mit, dass der von der Stadt Kerpen verlesene Räumungstitel alle Paletten umfasst habe, die die Polizei den ganzen Tag lang von den Bäumen holte. Auf nochmalige Anfrage unserer Zeitung reagiert die Stadt Kerpen nicht mehr.

In Erdlöchern verschanzt

Am Dienstag sind die Beamten laut eigenen Angaben auf mehrere Rodungsgegner getroffen, die sich in Erdlöchern verschanzt hatten, fünf davon in zwei Holzkisten, die von der Polizei geöffnet wurden. Wie die Polizei mitteilte, wurden bei der dreiwöchigen Aktion insgesamt 86 Baumhäuser geräumt und abgebaut.

RWE hat unterdessen damit begonnen, Hanfseile am Waldrand zu ziehen, aber auch im Wald. Werkschützer waren bereits mit Hunden unterwegs, es fiel auf, dass sehr viel mehr RWE-Personal und sehr viel weniger Polizisten im Forst waren als in den zurückliegenden Wochen. Da nach dem Kreis Düren auch die Stadt Kerpen keine weitere Vollzugshilfe von der Polizei benötigt, weil alle als baulichen Anlagen eingestuften Baumhäuser geräumt und abgerissen sind, wird RWE womöglich schon ab Dienstagabend die Sicherung des Waldes übernehmen müssen.

Polizei bleibt in der Nähe

Bis zum Beginn der Rodungen möchte RWE einen Erdwall mit kleinem Graben um den Wald ziehen, RWE-Sprecher Guido Steffen erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass dies alles natürlich „nicht dazu geeignet ist, um Menschen aus dem Wald fernzuhalten, die unbedingt hineinwollen“. Gemeint sind natürlich die Waldbesetzer. Allerdings ermöglichten die Arbeiten, ein unbefugtes Eindringen in den Wald als Hausfriedensbruch zu ahnden, sagte Steffen. Deswegen sollen auch Schilder aufgestellt werden, die darauf hinweisen, dass das Betreten des Waldes streng verboten ist - Betriebsgelände von RWE.

Der RWE-Werkschutz wird ab sofort aufgestockt, wie viele Mitarbeiter im Hambacher Forst sein werden, ließ Guido Steffen aber offen. Klar ist, dass der Werkschutz kaum etwas gegen zu erwartende Aktivitäten der Waldbesetzer unternehmen kann, Gewalt dürfen die Männer nicht anweden, allenfalls die Polizei rufen. Weil zu erwarten ist, dass die Polizei bis zum frühest möglichen Rodungsbeginn am 15. Oktober nicht nur einmal gerufen werden muss, ist nach Informationen unserer Zeitung allerdings geplant, eine gewisse Anzahl von Polizisten in der Nähe des Hambacher Forsts zu belassen, eine zumindest ungewöhnliche Konstellation. Normalerweise kommt die Polizei nicht prophylaktisch, sondern nur bei tatsächlichem Bedarf.

Dana Zimmermann, Sprecherin der Aachener Polizei, bestätigte am Dienstagnachmittag, dass während der nächsten Tage Beamte am und im Hambacher Forst belassen werde, um die Arbeiten des RWE-Personals zu schützen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeige, dass Arbeiten im Wald immer wieder Polizeischutz erfordert hätten.

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