Neues Protestcamp: „Ende Gelände“ schlägt Zelte in Düren auf

Neues Protestcamp : „Ende Gelände“ schlägt Zelte in Düren auf

Hinter dem Neuen Hof an der Stockheimer Landstraße herrscht emsiges Treiben. Zelte werden aufgebaut und Säcke mit Stroh für die am Samstag angekündigte Blockade der Infrastruktur im Tagebau Hambach vorbereitet, während Neuankömmlinge herzlich begrüßt und eingewiesen werden.

Fast im Minutentakt treffen Braunkohlegegner aus halb Europa am Dürener Stadtrand ein, darunter auch ein vollbesetzter Bus aus Schweden.

Gut zehn Kilometer Luftlinie vom Rest des Hambacher Forstes entfernt, läuft der Aufbau des für dieses Wochenende geplanten Protestcamps der Anti-Braunkohlebewegung „Ende Gelände“ am Donnerstag auf Hochtouren, nachdem erste Aufbauten in der Nacht zuvor auf dem ehemaligen Sportplatz in Kerpen-Manheim auf Antrag des Eigentümers RWE von der Polizei geräumt und Zelte konfisziert worden waren.

Auf Räumung vorbereitet

Es scheint, als wäre „Ende Gelände“ auf die Räumung in Manheim bestens vorbereitet gewesen. Denn schon Mittwoch hatten Passanten beobachtet, wie auf der Wiese hinter dem landwirtschaftlichen Anwesen am Stadtrand ein Zirkuszelt aufgebaut wurde. „Wir sind halt gut organisiert“, sagt „Ende-Gelände“-Sprecherin Karolina Drzewo mit einem Augenzwinkern. „Für uns hatte es absolute Priorität, dass die Teilnehmer ein geordnetes Camp vorfinden. Und wir haben viele Unterstützer in der Region.“ Unter anderem den Besitzer des Neuen Hofes. Mit ihm haben die Kohlegegner einen privaten Nutzungsvertrag geschlossen, der ihnen das Campen auf dem Feld erlaubt.

Mit dem Aufbau an der Stockheimer Landstraße endet ein tagelanges Katz-und-Maus-Spiel. Die ursprünglich von „Ende Gelände“ beantragte Nutzung einer Rurwiese bei Huchem-Stammeln hatte die Polizei aus Umweltschutzgründen untersagt und wurde in dieser Auffassung vom Verwaltungsgericht Aachen bestätigt. Die alternativ angebotene Fläche auf der Merscher Höhe bei Jülich jedoch passte den Kohlegegnern nicht ins Konzept, weil sie unter anderem zu weit vom Hambacher Forst entfernt liegt.

Erwartet werden mehr als 4000 Teilnehmer. Angekündigt haben sich allein 35 Busse aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen. Ein Sonderzug, der am Donnerstagabend in Prag startete, soll Düren am Freitagmorgen gegen 7.30 Uhr mit 1000 weiteren Aktivisten erreichen. Am Bahnhof wurden bereits Vorkehrungen getroffen. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Kohlegegner vom Bahnhof mit einem Shuttle-Bus-Service zum Camp gebracht werden, wo sie sich mit Aktionstrainings auf die Tagebau-Blockade vorbereiten wollen.

Die Stadt Düren ist am Donnerstagvormittag über das Camp informiert worden. Pressesprecher Helmut Göddertz: „Das Camp ist bei der Polizei als Versammlung beantragt worden. Da es auf Privatbesitz stattfindet und die Zustimmung des Eigentümers vorliegt, waren wir als Stadt nur für Fragen des Ordnungsrechtes, Brandschutzes und der Sicherheit zuständig.“ Nach Überprüfung lagen keine Gründe vor, die gegen die Versammlung gesprochen hätten. So habe beispielsweise das Bauamt das Zirkuszelt überprüft. Göddertz: „Da war alles okay.“ Für die Stadt stehe deshalb auch im Vordergrund, dass die Versammlung friedlich ablaufe, es nicht zu Konflikten komme. Göddertz: „Wenn am Ende das Gelände ordnungsgemäß verlassen wird, sind wir zufrieden.“

Seitens des Kreises Düren könnte einzig der Rettungsdienst zum Einsatz kommen – aber nur, wenn es zu einem Unfall oder einem Unglück kommt. „Unsere Einsatzkräfte“, erklärte ein Sprecher, „werden nicht prophylaktisch aktiv, indem sie beispielsweise Fahrzeuge in der Nähe des Camps positionieren.“ Gleichwohl sei man natürlich vorbereitet.

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