Merzenich: „Ende Gelände“: Demonstranten stürmen den Tagebau Hambach

Merzenich : „Ende Gelände“: Demonstranten stürmen den Tagebau Hambach

Nachdem der Demonstrationszug am Sonntagmorgen zunächst friedlich begonnen hatte, sind gegen 12.30 Uhr etwa tausend Braunkohlegegner über die Abrisskante in den Tagebau Hambach eingedrungen. Als Polizeibeamte versuchten, dies zu verhindern, kam es zu Widerstand und Körperverletzungen, die Polizei musste Pfefferspray einsetzen. Zwei Männer wurde vorläufig festgenommen.

Unter teils erheblichen Gefahren musste auch die berittene Polizei die Besetzung eines Baggers verhindern. Zwei Polizisten wurden bei den Widerständen verletzt. Einem Beamten wurde eine Hand gebrochen, ein weiterer Beamter wurde gebissen.

In Absprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft werden gegen alle rechtswidrig in den Tagebau eingedrungenen Personen Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch eingeleitet. Zur Sicherung dieser Strafverfahren wurden Maßnahmen zur Identitätsfeststellung getroffen. Mehr als 1000 Freiheitsentziehungen wurden durchgeführt.

Rund 2500 Demonstranten hatten sich am Sonntagmorgen auf den Weg von Kerpen-Buir zum Tagebau Hambach gemacht. Foto: Stephan Kreutz

Mittlerweile sind fast alle Personen aus der polizeilichen Obhut entlassen worden. Sie erhielten einen Platzverweis für den Tagebaubereich. Zwei Männer blieben jedoch vorläufig festgenommen. Ihnen wird Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen. Sie werden am Montag dem Haftrichter vorgeführt.

Die Aktivisten hatten sich am Sonntagmorgen mit etwas Verspätung um 10.15 Uhr auf den Weg von Kerpen-Buir nach Morschenich gemacht. Die Polizei teilte am Sonntagabend mit, es hätten sich etwa 1000 Personen widerrechtlich in den Hambacher Tagebau begeben. Die Demonstranten selbst sprachen von 4500 Menschen. Angekündigt waren weniger als 2000 Teilnehmer.

Strohsäcke als Passivbewaffnung

Der Start der Demonstration hatte sich zunächst verzögert, da der Veranstalter entsprechend der größeren Teilnehmerzahl weitere Ordner organisieren musste. Zudem hatte die Polizei bei mehreren Aktivisten selbstgebastelte Strohsäcke entdeckt. Nach Einschätzung der zuständigen Staatsanwaltschaft handelt es sich hierbei um eine passive Bewaffnung, die im Rahmen einer Versammlung als verbotener Gegenstand gilt.

In der Vergangenheit hatten Aktivisten solche Säcke genutzt, um sich gegen polizeiliche Maßnahmen zur Wehr zu setzen und polizeiliche Absperrungen zu durchbrechen. Schon vor Beginn der Demonstration hatte die Polizei bei etwa 150 Personen sowie auf einem Fahrzeug Strohsäcke festgestellt. Nach Aufforderung wurden diese abgelegt und vernichtet.

Diverse Demonstranten hatten außerdem verbotene Plexiglasscheiben vor das Gesicht gezogen, auch diese mussten abgelegt werden, da sie als Passivbewaffnung klassifiziert werden. Dies war dem Veranstalter bereits im Vorfeld der Veranstaltung mitgeteilt worden.

Ein für den frühen Sonntagmorgen angemeldeter Demonstrationszug von Kerpen-Manheim zu einer Wiese in der Nähe der Abbruchkante des Tagebaus Hambach hat nach Angaben der Polizei nicht stattgefunden. Gegen 9 Uhr hielt der Veranstalter der Demonstration dort eine Kundgebung ab, an der etwa 100 Personen friedlich teilnahmen. Allerdings stellte die Polizei zwei Personen fest, die verbotene Gegenstände mit sich führten. Die beiden wurden daraufhin festgenommen, die mitgeführten Elektroschocker sichergestellt.

Stattdessen hätten die aus dem pazifischen Raum angereisten „Pacific Climate Warriors“ („Pazifische Klima-Krieger“) statt auf der Wiese in Manheim bei Regen mit einer rituellen Zeremonie gegen die Braunkohleverstromung protestiert. Bei Kälte und Regen setzte sich die Gruppe dazu in dünnen Trachten auf die Straße. Regen stehe in ihrer Heimat für Leben, sagte einer von ihnen. Aber an diesem Ort seien es die Tränen der geschundenen und missbrauchten Erde. Der Südpazifik gehört zu den Regionen, die vom angesichts des Klimawandels steigenden Meeresspiegel am stärksten betroffen sind.

Die Verstromung von Braunkohle gilt als mit Abstand klimaschädlichste Form der Stromgewinnung und als wesentlich mitverantwortlich für ein mögliches Verfehlen der deutschen Klimaziele. Andererseits stammt trotz aller Bemühungen um eine Energiewende weiter knapp ein Viertel des deutschen Stroms aus der Braunkohle.

(gego/pol/dpa)
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