Elsdorf: Elsdorfer Firma will Zucker ohne Kalorien herstellen

Elsdorf : Elsdorfer Firma will Zucker ohne Kalorien herstellen

Einem Unternehmen aus Elsdorf ist es gelungen, kalorienlosen Zucker für die industrielle Nutzung zu entwickeln. Das teilte die Savanna Ingredients GmbH bei einem Besuch unserer Zeitung am Firmensitz in der Nähe des Tagebaus Hambach mit.

Dabei handele es sich nicht um einen Zuckerersatzstoff wie Stevia oder Aspartam, sondern tatsächlich um einen modifizierten Zucker aus Zuckerrüben, der genau so verwendet werden kann wie herkömmlicher Zucker, also Fruchtzucker. In zwei bis drei Jahren könnte das Produkt, das noch keinen Marktnamen besitzt, zugelassen und damit marktreif sein, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Allulose aus Elsdorf: Savanna-Ingredients-Geschäftsführer Timo Koch. Foto: Wolters

Die Savanna Ingredients GmbH gehört zum Kölner Zuckerhersteller Pfeifer & Langen, der unter anderem ein Werk in Jülich betreibt.

Drei Millionen Euro vom Bund

Die Bundesregierung hat vergangenes Jahr die sogenannte Nationale Reduktionsstrategie verabschiedet, auch in Deutschland sollen die Verbraucher künftig weniger Zucker, Fett und Salz zu sich nehmen. Da alle Versuche, gleichwertige Zucker-Ersatzstoffe zu entwickeln, nur in Kompromissen endeten, setzten weite Teile der Zuckerindustrie ihre Forschung fort, wie die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.

Eher zufällig entdeckte Mitte der 90er Jahre ein japanischer Wissenschaftler ein Enzym, mit dessen Hilfe es gelingt, den Kaloriengehalt von Zucker quasi auf null zu reduzieren. Denn dieses Enzym ordnet die Atome von Fruchtzucker neu, so dass daraus die sogenannte Allulose entsteht. Allulose hat pro Gramm 0,2 Kalorien, Fruchtzucker hingegen vier Kalorien pro Gramm. Das Problem war: Das Verfahren, Allulose herzustellen, war lange Zeit sehr aufwendig und teuer.

Nachdem die US-amerikanische Lebensmittelindustrie die japanischen Forschungen weiterentwickelt und Allu-lose in den USA mittlerweile zur Marktreife gebracht hat, nahm sich auch die Pfeifer & Langen GmbH des Themas an. Mit dem Ergebnis, dass die eigens zur Allulose-Herstellung gegründete Savanna Ingredients GmbH mittlerweile so weit ist, die Zulassung von Allulose auch für den europäischen Markt beantragen zu können, als erster europäischer Hersteller überhaupt.

„Allulose ist eine Erfindung der Natur“, sagt Savanna-Ingredients-Geschäftsführer Timo Koch, „die beispielsweise in Feigen und Rosinen vorkommt.“ Chemisch gesehen sei dieser Zucker das genaue Spiegelbild des Fruchtzuckers. Der menschliche Organismus verfüge aber nicht über den richtigen Schlüssel, um die Allulose aufschließen, also verwerten zu können, sagt Koch. Im Gegensatz zum Fruchtzucker, den der menschliche Organismus sehr wohl verwerten kann.

Mit Allulose soll auch Kochen und Backen möglich sein, was mit den bislang bekannten Zuckerersatzstoffen nur bedingt möglich war. Der Konsum von allulosehaltigen Lebensmitteln erhöhe überdies den Blutzuckerspiegel nicht, wie Koch sagt, was insbesondere für Diabetiker eine gute Nachricht sein dürfte.

Das Unternehmen rechnet damit, dass das europäische Zulassungsverfahren zwei bis drei Jahre dauert. Die Studien, die die Unbedenklichkeit für die menschliche Gesundheit bescheinigen, sind zwar bereits für die US-Zulassung erstellt worden, müssen aber in Europa erneut durchgeführt werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert das Projekt im Rahmen besagter Reduktionsstrategie „mit etwa drei Millionen Euro“, wie Koch sagt. Sollte sich die in Elsdorf aus Zuckerrüben hergestellte Allulose so vermarkten lassen, wie Pfeifer & Langen sich das vorstellt, sollte der mit 1,13 Milliarden Euro angegebene Jahresumsatz (2016) davon beträchtlich profitieren.

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