Bahnstrecke feiert Geburtstag: Eiserner Rhein wird 175 Jahre alt

Bahnstrecke feiert Geburtstag : Eiserner Rhein wird 175 Jahre alt

Der 15. Oktober ist ein Festtag im Königreich Preußen, denn an diesem Tag feiert seine Majestät, König Friedrich Wilhelm IV., seinen 48. Geburtstag. Im Jahre 1843 wird an diesem Tag auch eine kurze Eisenbahnstrecke im Raum Aachen eingeweiht.

Nun ist die westlichste preußische Großstadt mit dem Bahnhof Herbesthal an der Grenze zu Belgien verbunden.

Nur wenige Tage später wird die Strecke Aachen – Lüttich eröffnet, die erste grenzüberschreitende Eisenbahnverbindung der Welt. Erstmals können Züge von einem Staat in einen anderen fahren, was Handel und Wirtschaft noch nie dagewesene Möglichkeiten eröffnet.

Die politische Landkarte Europas ist seit dem Fall Napoleons großen Veränderungen unterworfen. Preußen ist durch den Erwerb der Rheinprovinz Nachbar der Niederlande geworden. Von diesen spaltet sich 1830 das Königreich Belgien ab. Die Niederlande gehen dagegen militärisch vor, werden jedoch von den Großmächten zur Anerkennung des neuen Staats gezwungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie dem ungeliebten neuen Staat nicht jede Menge Steine in den Weg legen, und dies ist wörtlich zu nehmen. Belgien darf die niederländischen Wasserwege nicht benutzen, womit ihm auch die Schifffahrt auf dem Rhein versperrt ist.

Der Geultalviadukt, der vom Frühjahr 1841 bis Sommer 1843 aus acht Millionen Ziegelsteinen errichtet wurde. Auf ihm verkehrten die Züge zwischen Köln und Lüttich bis 1940. Foto: Sammlung Keller

Antwerpen ist nun der wichtigste Hafen des Landes, aber es fehlen die Verbindungen zum Rhein. Die Belgier beginnen den schnellen Ausbau eines Eisenbahnnetzes nach Süden und Osten, nach Frankreich und Preußen.

Zwar treffen sie in der Rheinprovinz mit ihrem Plan einer Eisenbahnstrecke nach Köln auf große Zustimmung, allein: Preußen sieht den teuren Eisenbahnbau keineswegs als staatliche Aufgabe.

Daher gründet Ludolf Camphausen 1834 in Köln die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, die sich der Finanzierung und dem Bau einer Strecke zwischen Köln und Antwerpen verschreibt. Von ihm stammt der treffende Name dieses Projekts: Eiserner Rhein.

Allerdings sind die Aachener über die Streckenplanung alles andere als erfreut. Ihre altehrwürdige Stadt soll links liegengelassen werden. So gründet der Aachener David Hansemann flugs ein eigenes Unternehmen, die Preußisch-Rheinische Eisenbahngesellschaft. Und er kann sich durchsetzen: Durch eine Kabinettsorder bestimmt der König, dass die Bahnstrecke über Düren und Aachen zu bauen sei.

Linie Köln – Aachen

Die beiden Aktiengesellschaften fusionieren, um das ehrgeizige Projekt so schnell wie möglich zu verwirklichen. 1841 wird die Linie Köln – Aachen eingeweiht, doch die Fortführung bis Herbesthal erfordert aufwendige Bauten, so den Buschtunnel und den Viadukt über die Göhl. Die Ronheider Rampe zwischen dem Bahnhof der Rheinischen Bahn und dem Buschtunnel ist für die damaligen Lokomotiven ein unüberwindliches Hindernis, weshalb hier eine stationäre Dampfmaschine die Züge mit einem Seilzug hinaufzieht. Es wird zehn Jahre dauern, bis die Loktechnik so weit fortgeschritten ist, dass dieser Behelf aufgegeben werden kann.

Ist heute vom „Eisernen Rhein“ die Rede, so meint man damit die Linie von Rheydt nach Antwerpen, die jedoch erst 1879 in Dienst genommen worden ist.

Beiden Strecken sind Opfer der Kriege des 20. Jahrhunderts geworden. Herbesthal kommt 1920 zu Belgien, wodurch Aachen Grenzbahnhof wird. Erst das Schengener Abkommen setzt dieser Funktion 1995 ein Ende. Über einen Ausbau des neueren „Eisernen Rheins“ wird seit Jahren nachgedacht, aber konkrete Pläne existieren bis heute nicht. Zu stark ist die Konkurrenz des Lkw-Verkehrs und zu schwach der politische Wille zur Stärkung des Schienenverkehrs.

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