Köln: Eine Tribüne für das rechte Rheinufer

Köln: Eine Tribüne für das rechte Rheinufer

Jahrzehntelang war der Rhein die klare Trennlinie. Rund um das linke Rheinufer das imposante Ensemble aus Dom, Rathaus und Altstadt. Rechtsrheinisch: Industrie, Bahngleise, brach liegende Flächen. Doch das ist längst Vergangenheit.

Seit Jahren befindet sich die rechte Rheinseite im Aufschwung. Die Ansiedlung der RTL-Mediengruppe in den umgebauten Rheinhallen im Stadtteil Deutz ist nur ein Beispiel. Und nun wird auch der rechtsrheinische Uferabschnitt zwischen Hohenzollernbrücke im Norden und Deutzer Brücke im Süden erneuert und aufgewertet.

Rheinboulevard heißt das Prestigeprojekt, das für rund 23 Millionen Euro gebaut wird. 14,3 Millionen Euro an Fördermitteln aus dem Strukturförderprogamm Regionale 2010 gibt es dafür. Am rechten Rheinufer entsteht — genau gegenüber vom Dom, der romanischen Kirche Groß St. Martin und der Altstadt — eine 520 Meter lange Freitreppe, die dem Verlauf des Ufers folgt und Platz für bis zu 10.000 Menschen bieten soll. Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) frohlockte in einer Kölner Boulevard-Zeitung bereits: „Das wird Kölns Spanische Treppe.“

Am oberen Ende der Rhein-Tribüne sieht der Entwurf eine mit Bäumen bepflanzte Promenade und Rasenflächen vor. Die Optik der Ufertreppe soll durch die Nutzung verschiedener Materialien wie Naturstein, Beton und Basalt aufgelockert werden. Unterschiedlich breite Treppenstufen — zum Sitzen und zum Gehen — und in die Treppe integrierte Balkone sorgen ebenfalls für diesen Effekt. Dank vieler Rampen ist die gesamte Anlage barrierefrei.

Den Pegelstand stets im Blick

„Die Menschen sollen von den Treppen aus den Blick auf Dom und Altstadt genießen, am Boulevard entlang flanieren und über die Brücken von einer Rheinseite zur anderen wechseln können“, sagt Jürgen Wulfkühler, Projektverantwortlicher beim städtischen Amt für Landschaftspflege und Grünflächen.

Der Rheinboulevard ist — neben der Archäologischen Zone in der Kölner Innenstadt und der Neugestaltung des Ottoplatzes/Auenwegs im rechtsrheinischen Deutz — eins von drei städtebaulichen Großprojekten im Rahmen der Regionale 2010; Ziel ist die Stadtentwicklung beiderseits des Rheins. Oder wie Wulfkühler sagt: „Köln besteht ja nicht nur aus der linksrheinischen Seite.“ Den 2007 europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb zur Gestaltung des Rheinboulevards entschied das Berliner Büro Planorama für sich. Im Juni 2010 folgte der erste Spatenstich.

„Zuerst einmal wurde die Hinterhofatmosphäre hier beseitigt“, sagt Landschaftsarchitekt Wulfkühler. Im ersten Bauabschnitt musste ein alter Bahndamm weichen — dabei traten unerwartete Schätze zutage: Reste eines spätrömischen Kastells, die Grundmauern der mittelalterlichen Kirche Alt St. Urban und ein Befestigungsturm aus dem 12. Jahrhundert. Zu großen Teilen werden diese Elemente in den Rheinboulevard integriert — baulich und optisch. So soll eine Markierung aus Basalt im Boden die Außenmauern des römischen Kastells nachzeichnen.

Derzeit befindet sich der Rheinboulevard mitten im zweiten Bauabschnitt — den Pegelstand des Rhein mussten die Planer dabei stets im Auge behalten. „Mit dem Abbruch der Oberkante der alten Ufermauer haben wir das Ufer verwundbar gemacht“, sagt Wulfkühler. Zu Beginn des zweiten Bauabschnitts haben Bagger von einem Schiff aus einen Steinwall im Rhein aufgeschüttet, um die Arbeiten am Ufer zu sichern. Mittlerweile ist das Projekt so weit fortgeschritten, „dass wir unabhängig vom Rheinpegel sind“, sagt Wulfkühler. Die Grundzüge der Treppe sind bereits deutlich zu erkennen — 15.000 Kubikmeter Beton wurden bislang verbaut.

Wenn das Hochwasser dann doch kommt, kann die Freitreppe geflutet werden. In der Mitte der Treppe kann bei einem hohen Rheinpegel auf einer breiten Stufe ein Schutzgitter angebracht werden, das bei Großereignissen — etwa den Kölner Lichtern — auch als Wellenbrecher dienen kann.

Obwohl der Rheinboulevard noch nicht fertig ist, gibt es bereits jetzt Probleme mit Vandalismus und Verschmutzung. Bereits bei der 2005 eingeweihten Domtreppe hat die Stadt damit massiv zu kämpfen gehabt. Dieses Mal soll es anders laufen: Momentan wird ein Nutzungs- und Reinigungskonzept erarbeitet. Nur hochwertigster Beton, der mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden kann, soll verbaut werden, sagt Wulfkühler. Die Bodenstrahler etwa werden mit Panzerglas gesichert. Und täglich soll Kölns neues Wahrzeichen mit moderner Technik gesäubert werden. „Alles ist wasser- und vandalensicher geplant“, sagt der 63-Jährige.

Im Oktober 2015 sollen sich nach derzeitigem Planungsstand die ersten Menschen auf dem Rheinboulevard tummeln können. Doch auch danach wird es mit den Arbeiten am rechten Ufer weitergehen: Insgesamt soll der Rheinboulevard aus drei Abschnitten bestehen. Ab 2016 wird dann die Neugestaltung des nördlichen Uferabschnitts zwischen Rheinpark und Hohenzollernbrücke ins Visier genommen.