Möchengladbach/Erkelenz/Titz: Eine starke Stimme gegen den Tagebau

Möchengladbach/Erkelenz/Titz: Eine starke Stimme gegen den Tagebau

Vier Bürgermeister, eine kreisfreie Stadt, drei Kommunen aus drei Kreisen, verteilt auf zwei Regierungsbezirke: Auf den ersten Blick ist es ein „bunter Haufen“, der sich am Mittwoch im historischen Rathaus auf dem Abteiberg in Mönchengladbach offiziell zusammengeschlossen hat. Bei allen Unterschieden verbindet Mönchengladbach, Erkelenz, Titz und Jüchen eine Sache: der Tagebau Garzweiler II.

„Uns vier eint eins: Wir sind die am Restloch“, erklärte der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen (CDU).

Die vier „Tagebaurandgemeinden“ schließen sich zusammen, wollen künftig gemeinsam für ihre Belange kämpfen. „Wir werden unsere Interessen in Zukunft in Kooperation und damit konzentrierter vortragen“, kündigte der Mönchengladbacher Bürgermeister Norbert Bude (SPD) an. Und ja, man dürfe durchaus von einem neuen Selbstbewusstsein der Kommunen gegenüber der NRW-Landesregierung und dem Bergbautreibenden, also dem RWE-Konzern, sprechen.

Angestoßen wurde der neue Verbund vor rund einem Jahr vom Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen, dessen Kommune am unmittelbarsten die Folgen des Braunkohleabbaus zu spüren bekommt. „Es gibt sicher eine unterschiedliche Ausprägung der Betroffenheit, aber es gibt eben eine Grundschnittmenge“, erläuterte Jansen. Bei extrem langen Planhorizonten und der riesigen Dimension der Aufgabe sei es der richtige Zeitpunkt, sich zusammenzuschließen. „Was wir jetzt besprechen, wird frühestens in fünf bis zehn Jahren Wirkung zeigen“, skizzierte Jansen, der in Richtung und Land und RWE klarstellte: „Am Ende werden auch Forderungen stehen.“

Als erste Handlungsfelder, ermittelt in diversen Treffen der Experten aus den Verwaltungen, benannten die Vertreter der vier Kommunen die Dorfentwicklungsplanung, Feinstaubmessungen sowie den Ausgleich von wirtschaftlichen Nachteilen. Man stehe aber erst am Anfang eines Prozesses. „Wir brauchen Lösungen für die Gewerbeflächenausweisung für die Zeit nach dem Tagebau. Gerade im ländlichen Raum verzeichnen wir mehr und mehr Leerstände, die Attraktivität der Dörfer wird nicht zunehmen“, prognostizierte der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen. Seine Kommune habe sieben Nachbarkommunen, von denen zwei (Niederzier und Jüchen) nicht mehr auf direktem Wege erreichbar seien. „Wir haben 40 Prozent unseres Umlandes verloren“, berichtete der CDU-Politiker.

Nachvollziehbar auch die Beweggründe des Jüchener Bürgermeisters Harald Zillikens (CDU), dem Zweckverband beizutreten. „36 Prozent unserer Gemeindefläche sind Loch. Trotzdem wurden wir bisher nicht wahrgenommen, wenn wir als kleine Kommune mit der Landesregierung und RWE sprechen wollten.“

Im Laufe des Jahres werde man gemeinsam sicherlich auch zu Gesprächen mit dem Land NRW sowie mit RWE zusammenkommen, kündigte Bude an. Als einziger SPD-Mann in der Viererbande kommt auf ihn sicher die schwierigste Aufgabe im Clinch mit den braunkohlefreundlichen Düsseldorfer Genossen zu. Diese bekommen mit der neuen Gruppe jetzt einen Widersacher, der sich am Mittwoch bereits klar positioniert hat: „Sinkendes Grundwasser und Feinstaub machen an der Gemeindegrenze nicht Halt. Die nehmen keine Rücksicht auf Postleitzahlen“, formulierte Harald Zillikens.

Mehr von Aachener Nachrichten