Städteregion: Eine Plattform für talentierte Pianisten aus Fernost

Städteregion: Eine Plattform für talentierte Pianisten aus Fernost

Die beiden Aachener Florian Koltun und Xin Wang wollen etwas zurückgeben. In den ersten Jahren ihres beruflichen Werdegangs wurden die beiden Pianisten immer wieder gefördert — und gefordert — von Eltern, Klavierlehrern und Professoren. Sie haben Talent und Ehrgeiz, keine Frage, doch manches Mal kommt es eben auch darauf an, wer einem wann und wo eine Tür öffnet.

Vielleicht würden sie heute gar nicht dort stehen, wo sie inzwischen sind, wenn sie nicht immer wieder unterstützt worden wären.

Florian Koltun, Pianist und seit 2011 Inhaber einer Künstlervermittlung in Aachen, organisiert gemeinsam mit seiner Ehefrau Xin Wang neben zahlreichen Konzertreihen und musikalischen Events eben auch den Austausch junger Klavierspieler aus Fernost. Allein in diesem Jahr haben sie schon 55 Talente aus China nach Deutschland geholt — vielmehr in unsere Region. 50 der Pianisten traten beim Klaviersommer in Geilenkirchen auf, nahmen zudem an Wettbewerben teil, absolvierten Meisterkurse und spielten weitere Konzerte. Die übrigen fünf spielten bei von Koltun und Wang speziell organisierten Konzerten — etwa im Rittersaal der Stolberger Burg.

Und die beiden Jüngsten, das achtjährige chinesische „Wunderkind“ Jiayan Gao und der zehnjährige Yuxuan Gao (nicht verwandt), eröffneten sogar die Monschau Klassik — eine große Ehre für die beiden jungen Talente.

Sie sind nur zwei Pianisten von vielen, denen Koltun und Wang mit Hilfe von Musikschulen in beiden Ländern und viel Herzblut einen solchen Aufenthalt ermöglichen. Die Kosten für Unterkunft und Versorgung tragen dabei die Familien selbst, die Konzerte sind kostenfrei, Koltun und Wang verdienen daran nichts. Sie haben die Seite gewechselt. Vom Unterstützten zum Unterstützenden.

Aber wieso ausgerechnet die Verbindung Deutschland — China? Die Erklärung liegt auf der Hand. Xin Wang ist gebürtige Chinesin und hat auch viele Jahre dort gelebt. Sie pflegt beste Kontakte nach Fernost und weiß: „Es ist der Traum eines jeden Pianisten aus China, die deutsche Kultur kennenzulernen und ins Zentrum der klassischen Musik zu reisen“, sagt sie. Gemeint ist damit Deutschland. Denn dort, wo einst Beethoven und Bach Karriere machten, zieht es auch viele junge Chinesen hin.

„Wir wollen zum einen die Jugend fördern. Zum anderen möchten wir aber auch die Breite ansprechen. Es kommen nicht nur die begabtesten Schüler hierher. Aber auch diese Studenten wollen wir auf ihrem Weg unterstützen“, sagt Koltun. Denn „die Spitze“, so sagt er, komme sowieso.

Koltuns und Wangs Hilfe findet nicht nur in Deutschland statt. Sie reisen auch jedes Jahr für ein bis zwei Monate nach China, um dort zu unterrichten. In diesem Jahr ist es im September soweit. Sie werden auch dann wieder junge Pianisten suchen und schulen — und Kontakte knüpfen. Schließlich sollen auch im nächsten Jahr wieder Talente nach Deutschland kommen können.