Schwalmtal/Düsseldorf: „Ein Zeichen setzen”: Rentner gesteht Blutbad

Schwalmtal/Düsseldorf: „Ein Zeichen setzen”: Rentner gesteht Blutbad

Ausgerechnet mit einem Blutbad hat Rentner Hans P. aus Unna im niederrheinischen Schwalmtal „ein Zeichen setzen” wollen. Der 71-Jährige habe die Tat vom Dienstag ohne Spur von Reue gestanden, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Düsseldorf.

Ohne Vorwarnung hatte der Mann das Feuer auf Rechtsanwälte und Gutachter eröffnet, die zu einem Besichtigungstermin im Haus seiner Tochter und seines Ex- Schwiegersohnes erschienen waren. Seiner Ansicht nach hätten die Männer die Verantwortung für die langwierige Zwangsversteigerung des Hauses seiner Tochter getragen. Die Bilanz: Drei Tote und ein Schwerverletzter.

Große Blutlachen zeugten noch am Mittwoch von der Brutalität des Verbrechens in dem schmucken Neubauviertel mit seinen verklinkerten Wohnhäusern. Zwei 38 und 70 Jahre alte Rechtsanwälte sowie ein Gutachter (48) des Kreises Viersen starben im Kugelhagel des rachsüchtigen Seniors. Ein zweiter Gutachter (50) konnte sich von zwei Kugeln getroffen aus dem Haus retten.

Ob der bereits als gewalttätig bekannte Rentner für das Blutbad jemals vor Gericht gestellt werden kann, ist unterdessen offen. Nach einer drei Jahre zurückliegenden Gewalttat war er als psychisch auffällig und verhandlungsunfähig eingestuft worden. Damals soll er mit einem Baseballschläger zwei Verwandte zusammengeschlagen haben. Zu einem Prozess kam es aus den genannten Gründen nicht.

Ein Mönchengladbacher Richter erließ am Mittwochnachmittag dennoch Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und Mordversuchs. Waren die Ermittler am Dienstag noch von einem blindwütigen Amoklauf ausgegangen, stellt sich ihnen das Blutbad nach dem Geständnis als kaltblütig geplanter Mord dar.

Die Scheidung seiner 44-jährigen Tochter hatte sich zu einem jahrelangen Familienstreit entwickelt, der am Dienstag in dem beschaulichen 8000-Einwohner-Ortsteil Amern eskaliert war. Bereits 2001 hatten sich die Tochter des Rentners und ihr gleichaltriger Mann getrennt, im September 2006 war dann die Scheidung auch offiziell vollzogen. Jahrelang soll der Senior versucht haben, den Verkauf des Hauses zu verhindern, in dem seine Tochter lebte. Zwar gehörte ihm das Gebäude nicht, er hatte es aber für seine Tochter und deren Familie mit viel eigenem Schweiß renoviert und umgebaut.

Mit einer Neun-Millimeter-Kaliber-Pistole und 100 Schuss Munition war der 71-Jährige schließlich zu dem Besichtigungstermin angereist. Die Waffe besaß er illegal und will sie von seinem Vater bekommen haben. Er habe „ein Zeichen setzen wollen, dass man so mit ihm und seiner Verwandtschaft nicht umgehen kann”, erklärte der Mann den Ermittlern.

Er feuerte im engen Hausflur das ganze Magazin mit sieben Kugeln leer. Um sicherzugehen, dass seine Opfer tatsächlich tot sind, habe er die Waffe nachgeladen und erneut drei Kugeln auf die völlig arglosen Männer abgefeuert, berichtete Polizeidirektor Jürgen Schneider. Die Polizei widersprach Gerüchten, die Opfer könnten noch stundenlang gelebt haben. Sie seien sofort tot gewesen.

Die Pistole versteckte der Senior im Dachgeschoss des Hauses und winkte mit einem weißen Hemd am Fenster, um sich zu ergeben. Während der Bluttat waren die Ehefrau (69) des Rentners, sein Bruder und die Tochter (44) im Haus. Die Tochter hatte noch per Handy über einen Bekannten die Polizei alarmiert. 200 Polizisten hatten das Haus am Dienstag weiträumig abgeriegelt.