Außergewöhnlich kalter Mai: Ein Wonnemonat, der an Wonne spart

Außergewöhnlich kalter Mai : Ein Wonnemonat, der an Wonne spart

Kein einziger Sommertag, mehrfach Bodenfrost, Schnee: Der Mai 2019 war der drittkälteste in der Region seit 30 Jahren. Die Kühle sei „bemerkenswert“, sagt ein Wetterexperte nüchtern.

Wer in diesem Mai die Heizung früh ausgeschaltet hat, muss zu den hartgesottenen Mitmenschen gehören: Der Mai 2019 geht mit einer Durchschnittstemperatur von 11,8 Grad Celsius in unserer Region als der drittkälteste Mai seit 30 Jahren in die Annalen ein. Nur 1984 und 1987 war es mit durchschnittlich je 10,9 Grad noch etwas kälter. „Der Mai 2019 lag laut Deutschen Wetterdienst (DWD) damit zwei Grad unter dem Durchschnittswert der Temperaturen von 1981 bis 2010 und knapp fünf Grad unter dem letztjährigen Mai. „Diese Kühle war schon bemerkenswert“, sagt der Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn vom regionalen Klimabüro des DWD in Essen nüchtern.

Kein Tag mit über 25 Grad

Es gab an der regional aussagekräftigsten DWD-Messstation in Heinsberg-Schleiden keinen einzigen Tag, an dem eine Temperatur von mehr als 25 Grad Celsius erreicht wurde – und der damit meteorologisch als Sommertag gilt. „Das ist extrem selten“, sagt Kesseler Lauterkorn. Stattdessen: Bodenfrost an vier Tagen im Heinsberger Land. An der Wetterstation in der Nordeifel – in Nideggen – fielen die Bodentemperaturen sogar neunmal unter null Grad Celsius.

Das letzte Mal am 16. Mai. Kältester Tag war der 4. Mai., an dem von der Eifel bis in den Aachener und Dürener Raum noch einmal kräftig Schnee fiel, der in der Eifel auch liegenblieb. Zur Einordnung: „Bodenfrost kann vor allem in der ersten Maihälfte auftreten“, sagt der Meteorologe, „aber aufgrund der Klimaentwicklung und dem damit verbundenen generellen Temperaturanstieg ist es eher selten geworden“. Oder, wie es der Meteorologe auch formuliert: „Der Anfang des Monats war schon krass.“

Kesseler-Lauterkorn zieht für unsere Region auf Anfrage unserer Zeitung die Bilanz eines Wonnemonats, der maximal als April durchgeht, anhand der Daten der DWD-Station in Heinsberg-Schleiden, weil sie seit 1963 an dieser Stelle existiert. Andere Stationen bieten weniger vergleichbare Daten. Die Aachener DWD-Station etwa zog 2011 auf ein freies Feld erhöht in den Ortsteil Morsbach um – und liefert seitdem generell kühlere Daten als zuvor.

Erst im letzten Drittel des Monats gab es Tage, die das Niveau eines Durchschnitts-Mai erreichten oder überschritten. Die Sonne schien mit 166 Stunden immerhin rund 90 Prozent des Monatssolls von 185 Stunden. Allerdings war der Mai etwas zu nass, was vor allem auf ein heftiges Gewitter am 19. Mai zurückzuführen ist, das über die Region hinwegzog. In Heinsberg vielen 30 Liter Regen pro Quadratmeter allein an diesem Tag. Das relativiert die Monatsmenge von 82,4 Litern pro Quadratmeter, die 18 Liter über dem Monatsdurchschnitt liegt.

Bundesweit lag die Durchschnittstemperatur mit 10,9 Grad noch niedriger als in unserer Region. Vor allem im Süden Deutschlands tanzte der Mai mit Nachtfrost, reichlich Regen und viel Schnee aus der Reihe. Damit brach dieser Monat einen Trend: Erstmals seit 13 Monaten sei es nicht zu warm, sondern zu kühl gewesen, teilte der DWD mit. Dieses Wochenende wird diesen Trend wohl wieder umkehren: Es wird heiß.

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