Aachen 2025: Ein Wochenende lang die Möglichkeiten der Zukunft kennenlernen

Aachen 2025 : Ein Wochenende lang die Möglichkeiten der Zukunft kennenlernen

Bühnennebel steigt auf – das soll er aber an dieser Stelle gar nicht. Alexa schweigt, obwohl man das sprechende „Nachschlagewerk“ etwas gefragt hat: Es ist beruhigend, dass selbst bei der „Digitalinée“, dem Eröffnungsevent zum Veranstaltungsmarathon „Aachen 2025“ in Aachen, nicht alles klappt. Noch bis morgen kann an fünf Standorten in Aachen der digitale Wandel erkundet werden.

Die Organisation liegt in Händen des Tema-Teams, Experten im digitalen Marketing. Flott moderiert von Architektin Ina-Marie Orawiec (auch Konzept), wird in der RWTH-Aula Gegenwärtiges mit Zukunft verknüpft. Während das Bläserensemble Aachen unter der Leitung von Tobias Haußig für den guten Klang sorgt, gibt es für die Gäste eine weiße Insel in der Mitte. „Mensch Maschine – eine Liebesbeziehung“ lautet das Motto.

„Leibhaftige Alexas“

Da gibt es Überraschungen, etwa Sopranistin Laura Lietzmann, die als verkabelte Puppe „Olympia“ ihre Arie aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ schmettert: „140 Jahre ist diese Musik alt“, sagt Ina-Marie Orawiec lächelnd, „und noch immer lebendig.“ Oder Annette Schmidt und Anna Scholten vom Theater K, die zwei „leibhaftige Alexas“ mit beschränkter Kommunikationsfähigkeit aufs weiße Sofa bringen.

Was ist dran am Digitalen? Rollstuhlfahrer Dzenan Dzafic, Informatiker an der RWTH, weiß, warum er forscht. „Wir können unser Leben verbessern und verlängern“, sagt er aus eigener Erfahrung als Behinderter. Datenbrillen? Thomas Gries, Professor für Textiltechik und-maschinenbau, schildert, wie nützlich es ist, wenn die Maschine „weiß“, was der Mensch mit Datenarmband von ihr will.

Stichwort Meeting: Betriebswirt Detlef Kühn hat Hilfestellungen entwickelt, die lästige Begleitumstände minimieren. Raum für futuristische Poesie nutzt Jonas Rachner mit seiner „Laserharfe“, die er zu Musik von Henry Purcell „spielt“, indem er bunte Laserstrahlen rhythmisch manipuliert.

Zweifel und Fragen werden nicht ausgespart: „Wann ist der Mensch ein Mensch, wann ist er eine schlechte Maschine?“ spricht Ina-Marie Orawiec einen tiefgründigen Gedanken aus. Und der Aachener Unternehmer Dirk Gratzel hat eine beunruhigende Botschaft. Er hat eine Technologie entwickelt, bei der die Sprache des Menschen dessen psychologische Merkmale analysiert.

Und dann kommt die Uraufführung zweier Musikstücke. Eins digital geschaffen (Frederik Bous), eins komponiert (Cagla Gürsoy). Was gefällt mehr. Die Abstimmung fällt unentschieden aus.

Big Data für die Gesundheit – hier ist Professor Harald Schmidt von der Universität Maastricht auf Zukunftswegen unterwegs. „Millionen von Daten können zu Behandlungsoptionen führen, mit denen niemand rechnet.“ Und was ist mit dem Glauben? Dompropst Manfred von Holtum hält nichts von einer Beicht-App, wünscht sich aber künstliche Intelligenz, die Pflegenden wieder Zeit für Menschlichkeit gibt. Er ist dem digitalen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen – ohne digitale Technik keine Sanierung des 1200-jährigen Doms. „Aachen 2025“, eine Spezialität, fast so, wie Printe und Mundart.

Manfred Birmans, Vorsitzender des Vereins Öcher Platt, gibt Nachhilfe in Rede- und Denkart der Aachener, die nicht von gestern sind: „Digitale Techniken können helfen, die Mundart zu bewahren“, sagt Birmanns. Digitale Kunst – für das Ludwig Forum Aachen eine Selbstverständlichkeit, wie dessen Direktor Andreas Beitin bestätigt.

Zum Schluss gibt es Hoffnung: Andera und Volker Gadeib sind dabei, Alexa das Zuhören beizubringen, die 16-jährige Jana Freiberg, Siegerin im Landeswettbewerb „Jugend debattiert“, wird in der Digital Church die Preisverleihung am heutigen Samstag moderieren, und das „Öcher Segenslied“ legt sich wie warm um frierende Zukunftsskeptiker: Tanja Raich, Leiterin von cantoAmore, lässt Sängerinnen und Sänger aus dem Publikum auf die Bühne wandern. Die Musik hat das letzte Wort.

Alle Veranstaltungen unter www.aachen2025.de.

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