Media Night beim CHIO: Ein Wimbledon-Sieger beim „Wimbledon des Pferdesports“

Media Night beim CHIO : Ein Wimbledon-Sieger beim „Wimbledon des Pferdesports“

Blitzlichtgewitter für Stars und Sternchen beim CHIO

Boris Becker macht zum ersten Mal Station in der Soers. Er ist unbestritten der Star bei der Media Night – trotz der vielen anderen Prominenten.

Als Boris Becker den Weg zum roten Teppich ansteuert, nimmt die Intensität des Blitzlichtgewitters noch mal  zu. „Boris hier, Boris hier“-Rufe werden laut,  die Fotografen ringen um das beste Bild, die vielen Fernsehkameras sind ausgerichtet. Es ist der erste Besuch des ehemaligen Tennis­stars in der Aachener Soers. „Längst überfällig“, sagt er hinterher. Becker kommt aus London, hat am Wochenende noch für die BBC aus Wimbledon das Jahrhundert-Finale zwischen Roger Federer und Novak Djokovic kommentiert. Jetzt also das „Wimbledon des Pferdesports“. Becker wirkt entspannt, freundlich, den vielen Menschen, die jetzt in Aachen etwas von ihm wissen wollen, zugewandt. Er beantwortet Fragen hier, lächelt in die Kamera dort. „Das hat ja mit Wimbledon viel gemeinsam“ sagt er. „Der rote Teppich kann sich sehen lassen, und das Gras ist mindestens genauso grün.“

Becker ist einer der wenigen Weltstars die Deutschland vorzuweisen hat. Sein Privatleben wird bis heute in allen bunten Blättern rauf und runter dekliniert. Seine Seitensprünge, seine Scheidungen, seine Insolvenzen – erst vor ein paar Tagen die daraus resultierende Versteigerung seiner Trophäen und Pokale. Dabei hat sich Becker längst als fachkundiger Tennis-Coach und Sportkommentator etabliert. Wer die Wimbledon-Berichterstattung bei Sky gesehen hat, wo Patrick Kühnen in erster Linie immer wieder Worthülsen von sich gibt, weiß Beckers Arbeit als Experte bei Eurosport zu schätzen.

Doch davon will auch an diesem Abend in der Soers kaum jemand etwas wissen. Becker ist im kollektiven Gedächtnis der Deutschen weiterhin der 17-jährige Leimener – und heute auf der Durchreise in Richtung Nizza. Vor seinem Auftritt bei der Media-Night hat er sich in der Aachener Innenstadt noch kurzfristig einen Anzug besorgt. Auch die Krawatte sitzt, nur die ausgetretenen Puma-Turnschuhe lassen erahnen, dass er nicht jeden Abend im Scheinwerferlicht stehen möchte. Während Becker geduldig seine Interviews gibt, müssen die anderen Stars hintenanstehen. Oberbürgermeister, Minister und Ministerpräsidenten sind an diesem Abend eher uninteressant. Auch Top-Sportler wie Isabell Werth kommen im Abendkleid eher unerkannt an den Fotografen vorbei.

Kai Meesters ist so etwas wie der Dirigent am roten Teppich. Der 43-Jährige ist dafür zuständig, dass die vielen Fotografen, Fragensteller und Journalisten das bekommen, was sie brauchen. Stimmen, O-Töne, schöne Bilder. Seit 16 Jahren macht Meesters das schon im Auftrag der Veranstalter, des ALRV und von Hermann Bühlbecker, Inhaber der Printen- und Schokoladenfabrik Lambertz. Er kann also ganz gut einordnen, wie sich die Media-Night im Laufe der Jahre entwickelt hat. Mittlerweile, so sagt er, ist die Veranstaltung zu einem „gesamtgesellschaftlichen Ereignis weit über Aachen hinaus“ geworden. Zum einen ließe sich das an der prominent besetzten Gästeliste ablesen. Zum anderen am Interesse der Medien.

Anfang der 2000er-Jahre hätten sich gerade einmal drei Fotografen für den Abend akkreditieren lassen. „Heute sind es weit über 30, insgesamt 70 Medienvertreter.“ Manchen Agenturen müsse er sogar eine Absage zukommen lassen. „Wir setzen auf Qualität, nicht auf Quantität“, sagt Meesters. ARD, ZDF, RTL - die großen TV-Sender sind genauso vor Ort wie die großen Magazine aus dem Bereich Boulevard. Auch in den kommenden Tagen werden bundesweit wieder ganze Bilderstrecken   von diesem Abend in den Friseursalons und Arztpraxen der Republik  zu sehen sein. „Das ist nun mal die größte Sportveranstaltung des Landes“, sagt Meesters. Da wolle sich möglichst jeder blicken lassen.

Boris Becker wartet derweil geduldig auf die Live-Schalte des WDR. Sein Gesicht verträgt noch ein bisschen Puder, dann heißt es warten. Die Sonnenbrille in der einen, das Handy in der anderen Hand, der grimmig dreinblickende Bodyguard neben ihm. Noch schnell eine Selfie-Aufnahme für den eigenen Instagram-Account, dann geht es los. Souverän und weltmännisch plaudert er ins Mikrofon. Becker ist ein Profi, längst auch mit den Medien.

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