Annes Welt: Ein Waschgang fürs Gehirn

Annes Welt : Ein Waschgang fürs Gehirn

Der Alltag ist kein Ponyhof. Deshalb sollte er unbedingt manchmal ein Pausenhof sein. Ist er auch – und auch wieder nicht: bei Zigarettenpausen sagt keiner was. Aber stehst du da mit einem Brötchen, heißt es sofort: „Hast Du nix zu tun?“

Ich persönlich hätte aber gerne eine ganz andere Art von Pause, denn ich besitze das Murmeltier-Gen. Alles unter acht Stunden Schlaf ist Blinzeln für mich. Nach einer solchen Nacht besteht meine größte Leistung im Büro regelmäßig darin, es wie Arbeit aussehen zu lassen. Aber man kann ja auch nicht immer nur arbeiten. Man muss auch mal was Sinnvolles machen.

Wie zum Beispiel einen Mittagsschlaf. Er ist ein kleiner Puffer mit großer Wirkung. Ein Waschgang fürs Gehirn: Man wird durch ihn vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer. Wobei ich den Kritikern ja recht gebe. In unserer „Live fast, die last“-Gesellschaft hört sich „Mittagsschlaf“ irgendwie komisch an. Reden wir also lieber von einer horizontalen Pause vom Alltag, einem Zustand ohne Denkhintergrund  oder (sehr zeitgemäß) einer alten fernöstlichen Kampfkunst, dem „Schla-Fen“. Auch „Powernap“ genannt.

Die Fachleute empfehlen kurze Powernaps von maximal 30 Minuten. Ich bevorzuge Powernaps bis jeweils zum nächsten Frühjahr. Sonntags gönne ich mir regelmäßig einen. Um eins stelle ich meinen Wecker auf zwei, und wenn das Handy nur noch drei Prozent Akkuleistung hat . . . Jaaaa, dann soll halt das Schicksal entscheiden. Danach weiß ich immer, was die Experten meinen: Ich habe Kopfschmerzen und brauche immer etwas, um rauszukriegen, in welcher Zeitzone ich mich gerade befinde.

Schlaf biblischen Ausmaßes ist für mich Glückseligkeit pur. Im August hat mein Mann mir mal einen Streich gespielt. Während ich schlief, hat er unsere künstliche Nordmanntanne neben dem Sofa aufgeklappt, mich dann geweckt und gemeint: Mein Güte, hast du lang geschlafen!

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