Ein Prozess, der nach 33 Jahren Unterbrechung zu Ende geht

1985 aus Haft geflohen: Ein Prozess, der nach 33 Jahren Unterbrechung zu Ende geht

In einem ziemlich historischen Prozess ist am Donnerstag am Aachener Landgericht ein Fall neu aufgerollt worden, der bereits 1985 begonnen hatte und 1985 auch abgebrochen werden musste.

Denn der damals angeklagte Niederländer Peter D. hatte einen Stromausfall am 10. Dezember 1985 im Aachener Gefängnis dazu genutzt, aus der Untersuchungshaft zu fliehen. Der Prozess wegen diverser Drogendelikte platzte, weil Peter D. verschwand und mehr als 30 Jahre lang nicht gefunden wurde.

Am Donnerstag nun musste sich der aus dem grenznahen Gulpen stammende Mann erneut vor dem Landgericht verantworten, die Vergangenheit hatte ihn doch noch eingeholt. Da der Haftbefehl gegen Peter D. 2016, nach mehr als 30 Jahren, erloschen war, stellte sich der inzwischen 64-Jährige freiwillig der deutschen Justiz. Der selbstständige Heizungsinstallateur war letztlich bei einer Adressenabfrage im Jahr 2016 aufgefallen, da lebte er immer noch brav und ohne jede Beanstandung in seinem Heimatort Gulpen.

Peter D. hatte den einstmals florierenden Drogenhandel, in dem er als Drogenkurier aus den Niederlanden über die Grenze nach Deutschland tätig war, unter Vorgabe einiger Gedächtnislücken gestanden. Verteidiger Peter Schäfer machte unmittelbar nach der Eröffnung des Verfahrens darauf aufmerksam, dass einige Vorwürfe gegen seinen Mandanten bereits verjährt seien, die meisten aber „absolut und endgültig“ ab dem Jahr 2021 verjährt sein würden. „Mein Mandant hat sich trotzdem freiwillig der fremden Justiz unterworfen“, sagte Schäfer.

Die toten Zeugen

Die Juristen sowohl auf der Richterbank als auch auf der Seite der Staatsanwaltschaft hatten alle Hände voll zu tun, die damals geltende Rechtslage zu erörtern. Vieles, richtig vieles habe sich seit 1985 im Betäubungsmittelgesetz geändert, stellten Richter Markus Vogt und Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts fest.

Zeugen zu laden, war nicht so ganz einfach, denn die Ermittlungsbeamten seien lange pensioniert oder gestorben, der mutmaßliche Hauptdealer damals, ein gewisser „Henk“, sei ebenfalls tot, sagte Richter Vogt. Für diesen „Henk“ habe sein Mandant die Kurierdienste geleistet, sagte Anwalt Schäfer, Peter D. sei damals keineswegs der Bandenchef gewesen. Dem folgte das Gericht am Donnerstag und hielt sich in den Mengenangaben der Schmuggelware an zwei Urteile aus dem Jahr 1985, in denen Kunden von Peter D. zu moderaten Haftstrafen verurteilt worden waren.

Statt dem Handel mit einer halben Tonne Marihuana, wie er Peter D. damals vorgeworfen worden war, blieb lediglich der Vorwurf übrig, Peter D. habe in 60 Fällen insgesamt 13 Kilo über die Grenze zu Kunden nach Deutschland gebracht. Und so endete der Prozess mit einer milden Verurteilung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und der Auflage, 400 Euro zu bezahlen.

Mit dem Urteil konnten alle Parteien gut leben, einen Revisionsantrag wird es nicht geben. Der inzwischen verrentete Installateur Peter D. fuhr bereits am Mittag frohgemut zurück nach Gulpen.

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