Aachen: Ein Jahr mit dem Bulli durch Europa: Das große Abenteuer von Familie Ramacher

Aachen : Ein Jahr mit dem Bulli durch Europa: Das große Abenteuer von Familie Ramacher

„Mutig und aufregend“, sagen die einen, „wahnsinnig und völlig verrückt“ nennen es die anderen. „Vielleicht sind wir einfach von allem ein bisschen“, sagt Ute Ramacher. Sie ist der Meinung: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Deshalb machen wir das einfach. Und zwar genau jetzt.“

Mit „das“ meint die Aachenerin ihre große Europareise mit Ehemann, drei kleinen Kindern, zwei Hunden, dafür aber wenig Komfort und noch weniger Platz — denn die sieben reisen im VW-Bus.

VW-Bus Vesuv: Die Ramachers haben das 30 Jahre alte Vehikel mit viel Holz und orientalischem Flair ausgebaut. Foto: Ute Ramacher

Seit fast acht Monaten sind Ute und Christian Ramacher (beide 33) mit Filius Mio (5), und den Töchtern Ida (4) und Ava (2), dem Familienhund, Golden-Retrieverrüde Buddy (10), und Familienneuzugang, der Hündin Nala, auf großem Roadtrip. 15 verschiedene Länder haben sie bislang bereist, 18.000 Kilometer zurückgelegt. Insgesamt wollen sie ein Jahr unterwegs sein.

Bildunterschrift solorectam natur sa quis explicilique pa nam, tem velitin cientur, num aute voluptaere, nis porepelit opta evelenda peribea aut praes modis rest occum quat adisquodit. Foto: Ute Ramacher

Zunächst bereisten die Ramachers den Norden Deutschlands, dann ging es in die Niederlande, von dort nach Dänemark, Schweden, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Frankreich, Spanien, Portugal, die Kanarischen Inseln Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, nun sind sie in Essaouria, einer Hippiestadt in Marokko.

VW-Bus Vesuv: Die Ramachers haben das 30 Jahre alte Vehikel mit viel Holz und orientalischem Flair ausgebaut. Foto: Ute Ramacher

Für die Familie hat jede der Stationen ihre eigenen Glücksmomente, manchmal mit kleinen Sorgen, aber immer mit großen Abenteuern: Mio, Ida und Ava haben Dutzende Städte zu ihren Abenteuerspielplätzen gemacht, ihre Fußspuren im Sand unzähliger Strände hinterlassen, Sandburgen geschaffen, Tipis aus Stöcken gebaut und Piratenhöhlen erkundet. Sie haben an einsamen Seeufern unvergessliche Abende am Lagerfeuer verbracht, während ihr Vater nur für sie und den Mond Gitarre spielte, haben Heiligabend unter Palmen gefeiert, sind gefährlichen Skorpionen begegnet.

Am liebsten machen die Ramachers Halt an einsamen Plätzen, wie an diesem See in Vangsta in Nordschweden. Dort stört sich dann auch niemand an einem riesigen Lagerfeuer. Foto: Ute Ramacher

In Sevilla nahmen sie ein neues Familienmitglied auf, die zwei Monate alte Hündin Nala. „Die Kinder erleben hier das Abenteuer ihres Lebens“, sagt Ute Ramacher.

Am liebsten machen die Ramachers Halt an einsamen Plätzen, wie an diesem See in Vangsta in Nordschweden. Dort stört sich dann auch niemand an einem riesigen Lagerfeuer. Foto: Ute Ramacher

Wildcampen an Stränden und Seen

Camping für Fortgeschrittene: Ida, Mio und Ava (von links) haben in den vergangenen Jahren schon einiges an Bulli-Erfahrung sammeln können. Foto: Ute Ramacher

Bis zum Sommer wollen die sieben noch Europa erobern, so lange will die Familie unterwegs sein und mit dem Bulli Halt machen, wo es ihr gefällt. Wildcampen an Stränden und Seen, am Fuße von Bergen und Ufern von Flüssen und das Gefühl von Freiheit, ewigem Sommer und endlosem Urlaub genießen.

Relaxen im „Vorgarten“: In Estland genießen die Kinder die Sommersonne in der Hängematte. Foto: Ute Ramacher

Von Freunden und der Familie hätten die beiden bei ihrem Vorhaben nur Zuspruch erhalten, sagen sie rückblickend. Das habe ihren Beschluss gefestigt. „Natürlich hatten unsere Eltern auch Bedenken, aber sie haben uns dennoch dazu motiviert. Das ist ein Geschenk, und wir hoffen, dass wir unseren Kindern irgendwann einmal genauso positive Gefühle geben können, wenn sie eines Tages die Welt erkunden wollen“, sagt Christian Ramacher.

Den Traum von der großen Reise hatten Ute und Christian Ramacher schon lange. In ihren zehn gemeinsamen Jahren haben sie schon die eine oder andere längere Tour mit Vesuv, so heißt ihr T3-Bulli, gemacht. Dass er fast 30 Jahre auf dem Buckel hat, sieht man ihm nicht an. Liebevoll setzte das Paar den Bus instand, baute ihn zu einem zweiten Heim aus. „Der Bulli ist unser Zuhause auf Rädern, in dem extrem viel Zeit, Liebe und auch Geld steckt“, sagt Ute.

In vielen Arbeitsstunden haben sie ein Panoramadach in die Bullidecke integriert, aus dem die Kinder jeden Morgen checken, ob sich das Wetter eher zum Baden im Meer oder zum Toben auf dem Trockenen eignet. Im Inneren gibt’s viel Holz, viele Farben und orientalische Muster. „Das macht es wohnlich“, sagt Ute. Mit Hilfe eines Freundes wurde sogar eine Küche geschreinert, in der sie richtig kochen und sogar Brot backen können. „Deutsches Brot ist schon was Tolles. Das vermissen wir auf unserer Reise — jetzt backe ich es einfach selbst“, sagt Ute.

Umfangreiche Vorbereitungen

Mit ihrem Vesuv hat das Paar, damals noch kinderlos, bereits mehrere Monate Marokko bereist. Und auch die drei Kinder haben inzwischen schon einiges an Bulli-Erfahrung gesammelt. An die eine, die ultimative Reise, von der Ute und Christian Ramacher träumten, hatten sie sich jedoch noch nicht herangewagt. „Aber irgendwann im vorletzten Winter dämmerte uns: Spätestens wenn Mio im kommenden Sommer in die Schule kommt, ist unser Traum erst einmal für lange Zeit ausgeträumt“, sagt Christian.

Und so entschieden sie sich kurzfristig, ihr Projekt genau jetzt in die Tat umzusetzen. Die Idee kam spontan, die Vorbereitungen waren trotzdem akribisch und umfangreich. Vesuv wurde generalüberholt und bekam sicherheitshalber einen neuen Motor. Und zu Hause gab es jede Menge abzumelden, einzulagern und abzuschließen vor dem Roadtrip. Die Reisekrankenversicherung zum Beispiel hat sich bezahlt gemacht: „Einmal ist Mio aus dem Einkaufswagen gefallen und auf dem Kopf gelandet. Er hatte eine leichte Gehirnerschütterung, das hat uns eine Nacht im Krankenhaus beschert“, erinnert sich Ute Ramacher. Ein anderes Mal hat sich der Fünfjährige mit seinem Taschenmesser in die Hand geschnitten und musste mit fünf Stichen genäht werden.

Aber nicht nur die Organisation der Reise war eine Herausforderung — auch das Packen. „Die Frage ist nicht, was man braucht, sondern was man im Bulli tatsächlich mitnehmen kann“, sagt Christian Ramacher und lacht. Denn sie konnten nicht viel mehr mitnehmen, als andere für einen zweiwöchigen Urlaub einpacken. Jedes Kind hat im Vesuv seine eigene Schublade für Kleidung und Wäsche: zwei Hosen, eine Handvoll T-Shirts und Pullover. Und nur ganz wenig Spielzeug durfte mit auf Reisen gehen. Und auch wenn den Kindern die Entscheidung schwerfiel, was alles zu Hause bleiben musste, so vermissen sie doch jetzt nichts. Draußen wartet so viel Material zum Spielen...

„Elternzeit kam uns sehr gelegen“

Zu den wichtigsten Fragen für die Eltern gehörte die nach ihren Arbeitsplätzen. Immerhin haben beide ihre Jobs. „Glücklicherweise war das viel unkomplizierter als gedacht“, sagt Ute Ramacher. Als freiberufliche Fotografin hatte sie kaum Probleme, sich ein Jahr „rauszutun“. Ihr Mann ist Wirtschaftsingenieur in einem Maschinenbauunternehmen in der Nähe von Aachen und beantragte mehr als ein Jahr Elternzeit für Tochter Ava.

„Um ehrlich zu sein: Die Elternzeit kam uns sehr gelegen“, gesteht Christian. Er ist dennoch überzeugt: „Wir hätten das Abenteuer auch ohne die Elternzeit gewagt. Dann hätten wir beide eben unsere Jobs gekündigt.“ Es ging den Abenteurern nicht nur darum, das Fernweh zu stillen, sondern auch die Zeit als Familie zu genießen. „Die Zeit fehlt einem im hektischen Alltag zu Hause“, spricht die Fotografin vielen Eltern aus der Seele. „Auf solch einer Reise kann man sich ganz entspannt treiben lassen; ohne Druck und Stress. Rund um die Uhr mit den Kindern zusammen sein und sie bei ihren Meilensteinen begleiten und die wichtigen ersten Jahre so richtig gestalten und genießen“, erklärt er.

Wundervolle Orte hat die Familie in den vergangenen Monaten erkundet, Nächte mit Meeresrauschen im Ohr und der Seeluft in der Nase geschlafen und viele Sonnenauf- und Sonnenuntergänge an verlassenen Plätzen genossen.

Aber in ganz besonderer Erinnerung wird ihnen etwas anderes bleiben. „Es sind die Menschen, die uns am meisten beeindruckt haben. Das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Reise“, sagt Ute. Christian ergänzt: „Uns ist auf unserer Reise so viel Liebe und Herzlichkeit entgegen gebracht worden, wie wir es nie für möglich gehalten hätten.“ Immer wieder sei ihnen Hilfe angeboten worden, die sie zwar nicht immer brauchten, über die sie sich aber immer sehr gefreut hätten. „Sehr oft gab es das Angebot zum Duschen oder Wäsche waschen“, sagt Ute.

Denn auch in Sachen Wasser, das finden die vielen Interessierten, denen sie während der Reise begegnen, schnell heraus, lebt es sich im Bulli minimalistisch. Der Wagen verfügt über einen Wassertank , der 30 Liter fasst. „Diese Menge muss reichen zum Kochen und Spülen oder um sich mal eben die Hände zu waschen“, sagt Christian Ramacher. Geduscht wird — wenn es nicht anders geht und das Wasser reicht — unter der Solardusche.

Ansonsten duschen wir an Strandduschen. „Man wird einfallsreich. Und dort, wo es nicht warm war, sind wir mit den Kindern zweimal pro Woche ins Schwimmbad gegangen. Die Kids hatten Spaß, und anschließend hatten wir alle die Möglichkeit, ausgiebig zu duschen“, sagt Ute. „Es war trotzdem so nett, dass so viele fremde Menschen ihre Häuser und Badezimmer für uns geöffnet haben“, sagt Ute.

Näher zusammengerückt

Eine Geschichte von erlebter Hilfsbereitschaft ist ihnen in besonderer Erinnerung geblieben. „Vor der Reise hatte sich Ute noch ein neues Laptop für ihre Reisefotos und den Blog gekauft“, erzählt ihr Mann. An einem der wenigen Campingplätze, auf denen die Familie während ihrer Reise Halt machte, nutzten sie die installierten Steckdosen, um die elektrischen Zahnbürsten und das Laptop aufzuladen.

Als die Familie einige Stunden später mit dem Bulli vom Campingplatz fuhr und ein neues Ziel ihrer Reise ansteuerte, steckten die Geräte noch immer an den Steckdosen des polnischen Campingplatzes. Das fiel dem Paar aber erst auf, als sie 200 Kilometer vom Campingplatz entfernt nachts um halb eins am Lagerfeuer saßen. „Wir hatten aber auf dem Campingplatz einen netten Polen kennengelernt“, sagt Christian. Den riefen sie an und baten ihn, zum Campingplatz zu fahren und nachzuschauen, ob die Sachen noch da sind.

Leider hatte der polnische Bekannte an diesem Abend ordentlich gefeiert. „Er hat uns mit dem Hinweis auf seinen Kater auf den nächsten Tag vertröstet“, sagt Ute. Eine halbe Stunde später klingelte Christians Handy aber dann doch noch mal. Am Telefon der polnische Freund, der mit Laptop und Zahnbürste unterm Arm von der Rezeption des Campingplatzes aus anrief. „Keiner ist auf die Idee gekommen, die Sachen zu klauen. Das hat mich schon sehr beeindruckt“, sagt Christian.

Dass es in wenigen Monaten nach Hause gehen soll, zurück in eine Wohnung und die alltägliche Tretmühle, daran wollen die Ramachers vorerst nicht denken. „Wenn es nach mir ginge, könnte es ewig so weitergehen“, sagt Ute. „Wir vermissen an unserem Leben im Bulli gar nichts — außer die Freunde und die Familie“, sagt Ute. „Und die tägliche Dusche“, ergänzt Christian.

Aber geht man sich nicht irgendwann auf die Nerven, wenn man ständig auf engstem Raum zusammenhängt? „Nein. Ich würde behaupten, es hat uns alle noch näher zusammenrücken lassen“, sagt Christian. Noch fünf Monate will die Familie unterwegs sein, viel Zeit, als Familie noch näher zusammenzurücken. Wohin es sie als nächstes verschlägt? „Keine Ahnung“, sagt Christian. „Vielleicht nach Griechenland“, meint Ute und erklärt: „Wir schauen, worauf wir Lust haben.“

Mehr von Aachener Nachrichten